GeldanlageGoldene Börsenregel 2015

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Von Exzessen keine Spur

Was die Anleger derzeit zusätzlich schreckt, sind die ohnehin hohen Kurse und der Gedanke: Wenn die Indizes aktuell solche Höchststände erklommen haben, dann können sie ja nicht noch weiter steigen. „All Time High Bias“ nennen Verhaltensökonomen das und es ist nicht mehr als ein Streich, den uns das Gehirn spielt. Denn schaut man zurück auf eben jene 118 Jahre Börsengeschichte, dann hat sich bisher kein Höchststand als der wahrlich endgültige entpuppt.

Auch bei der Wirtschaftsleistung denken viele immer wieder, sie könne ja nicht endlos weiter wachsen – und sie tut es doch. Weil den Menschen immer wieder etwas Neues einfällt, sie Produktivitätsreserven ausschöpfen und dabei immer effizienter werden.

Nun ist es auch zugegeben reichlich idealistisch zu denken, alles wird einfach weitergehen wie es bisher war. Bisher hat es noch stets Dämpfer und Rücksetzer gegeben. Doch warum die Börsenkurse mit steigender Produktivität auf der Welt nicht ebenfalls weiter wachsen sollten, das hat noch keiner schlüssig erklärt. Gemessen an früheren Zeiten hat der Dax bisher nur ein Prozent zugelegt seit dem Jahr 2000. Das ist nicht gerade rekordverdächtig. Und der MSCI World ist seit 2007 nur um fünf Prozent gewachsen. Von exorbitanten Überbewertungen oder Exzessen kann man insgesamt nicht gerade sprechen.

Nur wer Aktien sät, kann reich ernten

Warum ein Rücksetzer zudem ausgerechnet in den kommenden Monaten drohen sollten, leuchtet nach Sicht der Faktenlage auch nicht ein: Die Wirtschaft in Europa setzt jetzt erst zur Erholung an, die Europäische Zentralbank setzen weiter ihre umstrittene Politik des billigen Geldes fort, das sich den Weg an die Aktienmärkte bahnt. Und Anleger entdecken sowieso noch viel zu langsam, dass Aktien mangels Alternativen die einzig wahre Anlageform sind.

Von daher erreichen die Vorsichtigen mit ihrer Zurückhaltung nur eines: eigentlich nichts. Außer, dass sie es sich selber immer schwerer machen, überhaupt irgendwann noch einen Fuß in den Markt zu bekommen. Viele halten sich jetzt aus Respekt vor dem All Time High erst recht raus, weil sie denken, das Nichtstun schade ihnen weniger als ein Investment, bei dem ihnen ein möglicher Kurssturz ein paar Wochen nach dem Einstieg die kurzfristige Rendite verhageln könnte. Denn der Verlust, den sie in so einem Fall spüren würden, wiegt für die Anlegerpsyche weitaus schwerer als der entgangene Gewinn, den sie niemals einstreichen, wenn sie langfristig nicht beim Aktienaufschwung dabei sind. Obwohl der im Vergleich viel größer sein dürfte. Das ist eine der klassischen Fallen, in die Anleger gern tappen, warnen Verhaltensökonomen.

Und so findet der Aktienaufschwung eben ohne viele Sparer statt. Nicht nur dieser, sondern vermutlich auch der nächste. Denn wann steigt man nach einem Crash ein? Womöglich zu früh, also wartet man lieber ab. So lange, bis die Kurse wieder steigen und ein neues Hoch Angst vor neuen Kursgewittern verbreitet. Gründe, um aus dem Markt auszusteigen, findet man immer wieder, dafür braucht man keine Börsen- oder Bauernregeln. Für den Einstieg müsste aber vielleicht mal eine erfunden werden. Vielleicht die: Nur wer irgendwann Aktien sät, kann auch reich ernten. Und die irrationalsten Bauern ernten ja bekanntlich die dicksten Kartoffeln.