GeldanlageDie Fehler der Berater

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Tausende Beschwerden über Berater

Warum die Berater so handeln? Weil sie mit dem Verkauf von Versicherungsverträgen immer noch ein Vielfaches von dem verdienen, was sie für den Verkauf anderer Wertpapiere bekommen. Nämlich die üppigen Provisionen. Das alles nährt mal wieder den Verdacht, dass Berater mitnichten den Nutzen der Kunden im Sinn haben, sondern nur ihren eigenen. Sie nutzen das Unwissen der Kunden reichlich aus.

Mit dieser provisionsgetriebenen Beratung sollte nun eigentlich Schluss ein, seit es die Beratungsprotokolle gibt, die seit 2010 gesetzlich vorgeschrieben sind. Darin nämlich müssen Bankberater und Anlagevermittler schriftlich festhalten, nach welchen Kriterien sie ein bestimmtes Produkt verkaufen und was sich hinter diesem Papier verbirgt. Das soll sich der Kunde zuhause noch einmal schriftlich durchlesen können. Nach Einführung der Protokollpflicht richtete die Aufsichtsbehörde Bafin auch ein Beschwerderegister ein, das es seit Ende 2012 gibt. Pro Jahr gingen darin 8000 bis 9000 Beschwerden von Sparern über ihre Berater ein. Es sind bereits rund 16.000 Fälle erfasst bei 160.000 Beratern. Auf jeden zehnten Berater kommt also eine Beschwerde – und das, obwohl das Register noch kaum einer kennt. Zudem ist die Zahl der Anleger, denen schlechte Beratung überhaupt frühzeitig auffällt und die dagegen vorgehen, üblicherweise gering.

Zudem stellte das Verbraucherschutzministerium nach Testkäufen im vergangenen Jahr fest: Wirklich geholfen hat die Protokollpflicht bisher nicht. Nur in jedem vierten Fall bekamen Bankkunden das Protokoll überhaupt ausgehändigt. Versicherungskunden sogar noch seltener. Und: Warum sie zu einem bestimmten Produkt rieten, begründeten die Berater darin ohnehin nicht. Kann man sich die Protokollpflicht da nicht gleich sparen?

Ja, findet die Finanzbranche. In ihren Augen ist der Papierkram ohnehin nur „lästige Bürokratie“, ohne die sie angeblich besser arbeiten würde. Schön wäre es. Auf jeden Fall denkt jetzt auch Justizminister Heiko Maas laut darüber nach, wie man den Banken das Arbeiten wieder erleichtern könnte. Denn vor allem höher rentierliche Produkte wie Aktien würden die Institute kaum noch verkaufen, stellte die Branche dieser Tage fest. Weil die Dokumentationspflichten dafür zu hoch wären, klagten Banken und Sparkassen bereits in den vergangenen Monaten, verzichteten mittlerweile etwa 15 Prozent der Geldinstitute auf die Aktienberatung und die Empfehlung von Einzeltiteln.

Berater nach Erfolg bezahlen

Ob das nun aber zum Schaden der Anleger ist? Damit wären wir wieder bei der Frage, wer das bessere Gespür für Einzelaktien hätte: geschulte Berater, unterschiedlich informierte Kunden oder doch die Affen? Von einer überbordenden Dokumentation beim Verkauf von Fondsanteilen kann man jedenfalls nicht reden. Die könnten Berater reichlich unter die Anleger bringen – wenn sie wollten. Dass sie lieber jedem Kunden eine Zweit- oder Drittrentenversicherung verkaufen, oder Koppelprodukte, bei denen Darlehen oder Berufsunfähigkeitsschutz an kapitalbildende Policen geknüpft werden, und sogar hoch riskante Genussscheinkonstruktionen guten Absatz finden – bei denen ebenfalls üppige Provisionen an die Verkäufer fließen – lässt nicht vermuten, dass wirklich besser beraten würde, wenn weniger dokumentiert werden müsste. Jedenfalls nicht, so lange die Branche von Provisionen lebt.

„Vereinfachen“ klingt zwar immer gut. Vereinfachen müsste man aber nicht nur die Protokolle, sondern sämtliche Schriftstücke, die Banken an Kunden ausreichen und die Sprachexperten oft genug als unverständlich bezeichnen. Experimentell klingt zumindest die Idee, dass die Branche einen Amtseid schwören müsste. Nur müssten Beschwerden von Kunden dann auch Wirkung für einzelne Berater haben und von einer berufsständischen Kammer geahndet werden.

Wirklich ändern würde sich die Branche aber nur, wenn Berater häufiger nach dem Erfolg einer Anlage bezahlt würden – also prozentual nach dem Nutzen, den sie ihren Kunden stiften. Und nicht nach den Stückzahlen, die sie verkaufen. Dann wären Berater und Kunde ein Schicksalsverbund. Und so etwas schweißt mehr zusammen, als alle großen Worte dieser Welt.