VermögensaufbauDie ETF-Revolution

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„Die großen ETF-Anbieter haben am Geschäft mit Privatanlegern kaum Interesse, da deren Anlagesummen kaum ins Gewicht fallen, sie aber gleichzeitig denselben Aufwand für die Betreuung jedes Kunden haben“, sagt ein Brancheninsider. Das sollte Privatanleger indes nicht schrecken. Denn in der Praxis ist es egal, ob es um die Anlage von 1000 oder 1 Mrd. Euro geht – im Reich der ETFs nutzen Privatanleger die gleichen Vehikel zu den gleichen Kosten wie etwa ein Verwalter von Pensionsvermögen. Es gibt keine Mindestanlagesummen beim Börsenhandel, auch die bei aktiven Fonds übliche Staffelung der Verwaltungsgebühren je nach Höhe der Anlagesumme entfällt.

Dieser für Privatanleger willkommene Effekt hat indes auch Nachteile: Niemand weiß genau, wie hoch der Anteil von Privatanlegern im ETF-Markt wirklich ist, schließlich investieren sie in dieselben Produkte wie die Profis. Selbst über den tatsächlichen Marktanteil von ETFs insgesamt kursieren völlig unterschiedliche Zahlen: Zieht man dafür etwa das gesamte verwaltete Vermögen heran, entfällt auf passive Anlagen ein Marktanteil von nur rund drei Prozent in Europa und von rund elf Prozent in den USA. Fasst man ETFs und Indexfonds zusammen und ermittelt ihren Anteil am Markt für Investmentfonds, so ergeben sich Marktanteile von rund 15 (Europa) und 24 Prozent (USA). Auf Basis dieser Definition „werden in passiven Anlagelösungen spätestens 2024 in den USA mehr Gelder liegen als in aktiven“, glaubt die Ratingagentur Moody’s.

Nur ein Fünftel

Es gibt jedoch ETF-Kritiker, die genau darin ein Problem sehen. Selbst bei großen Indizes wie dem S&P 500, argumentieren sie, hinge der Kurs mittlerweile vor allem an den Zu- und Abflüssen der ETFs und Indexfonds. Das bedeutet aber auch: „Je größer das Volumen passiver Anlagen relativ zum gesamten verwalteten Vermögen wird, desto mehr hängt die Marktentwicklung von den Entscheidungen einiger weniger aktiver Manager ab“, warnt beispielsweise Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute.

Auch gegen den Einsatz von ETFs durch Privatanleger haben Kritiker durchaus etwas einzuwenden, vor allem vier Argumente werden immer wieder vorgebracht. Erstens: Schon die Bezeichnung „passiv“ sei irreführend, weil auch hier aktive Entscheidungen erforderlich seien – schon, für welchen Index man seinen ETF nun kauft. Zweitens: Nicht das Vehikel, sondern die Disziplin sei entscheidend für die Langfristrendite. Da ist durchaus etwas dran. Die leichte Handelbarkeit der ETFs kann etwa zu Kurzschlussverkäufen verführen, obwohl die Strategie „Kaufen und halten“ richtig wäre. Drittens: ETFs auf kaum gehandelte Vermögenswerte – etwa Gold oder Immobilien – gaukelten Anlegern eine Liquidität vor, die die zugrunde liegenden Basiswerte nie hatten. Der ETF-Handel habe sich, so die Kritiker, von den Werten abgekoppelt und arte in Zockerei aus. Das vierte Argument aber ist: die Performance aktiver Fonds.

Zwar hat die US-Ratingagentur Standard & Poor’s in einer seit 2003 laufenden Analyse festgestellt, dass in den USA je nach Kategorie zwischen 79 und 99 Prozent aller aktiven Aktienfonds über die vergangenen zehn Jahre schlechter abschnitten als ein einfacher Vergleichs-Aktienindex (Europa: 76 bis 100 Prozent). Das heißt vereinfacht: In mindestens vier von fünf Fällen wäre der Index das bessere Investment gewesen. Aber, argumentieren die ETF-Kritiker: Ein Fünftel der aktiven Manager schafft es eben doch, langfristig den Index zu schlagen. Manche über Jahre, andere wie Starinvestor Warren Buffett sogar über mehrere Jahrzehnte. Warum dann nicht einen aktiven Fonds wählen, der langfristig überzeugt?

Warren Buffett selbst jedoch scheint daran nicht zu glauben. In seinem Testament habe er verfügt, schrieb er 2014 in seinem Geschäftsbericht, dass seine Frau zehn Prozent des Vermögens in kurzlaufende Staatsanleihen investieren solle und 90 Prozent in einen Indexfonds auf den S&P 500 – nicht aber in Aktien seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Die Indexfonds erwirtschafteten „langfristig wohl eine höhere Rendite als Investmentprodukte, die aktiv von teuren Fondsmanagern gelenkt werden“.

Der ETF-Markt