VermögensaufbauDie ETF-Revolution

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Indexfonds und ETFs sind nicht identisch

Für Anleger allerdings ist an dieser Stelle eines wichtig: „Indexfonds und ETFs haben eine Schnittmenge, aber sie sind nicht identisch“, sagt Thomas Meyer zu Drewer, Leiter des ETF-Geschäfts des Anbieters Commerzbank. So gibt es zwar passive Indexfonds auf den Dax – aber eben auch ETFs auf den Dax.

Zur Erklärung: Passive Indexfonds folgen generell einem Index, also etwa dem Dax oder dem S&P 500. Sie sind weniger für Privatanleger als für institutionelle Großanleger wie Pensionsfonds oder Versicherungen interessant, denn – ein wichtiger Unterschied – sie werden nicht an der Börse gehandelt. Wer Anteile erwerben möchte, muss sich direkt an die Fondsgesellschaft wenden, und das ist für Privatanleger meist zu aufwendig. Die Anbieter berechnen überdies den Nettoinventarwert aller enthaltenen Wertpapiere, zu dem Anleger kaufen und verkaufen können, nur einmal am Tag.

Die in Deutschland bekannten Indexprodukte auf den Dax oder MSCI World sind dagegen in der Regel ETFs, auch wenn sie umgangssprachlich oft „Indexfonds“ genannt werden. Auch die ETFs folgen meist passiv einem Aktienindex wie dem Dax. Ihnen können aber auch der Preis einer Feinunze Gold, die 30 dividendenstärksten Anleihen der Welt oder Immobilien zugrunde liegen. Zentraler Unterschied zu wirklichen Indexfonds ist die Preisfeststellung: Ein ETF wird – wie der Name „Exchange-Traded Fund“ schon sagt – an der Börse gehandelt. Das heißt, sein Preis wird im Handel laufend festgestellt.

Auch dieser Preis orientiert sich stets am Nettoinventarwert des Vermögens, das der ETF abbildet. Der Kurs folgt dabei dem zugrunde liegenden Index meist sehr eng – allerdings nicht perfekt. Schließlich ist für die Preisbildung der Handel mit dem ETF entscheidend, nicht die Indexentwicklung. Das bedeutet: Der Preis eines ETFs kann sich kurzzeitig von der Entwicklung seines Index entkoppeln – in einer Panikphase etwa kann der Preis eines Dax-ETFs schneller stürzen als der Dax selbst.

ETF-Boom nach der Finanzkrise

Just eine Panikphase allerdings gab den ETFs nach der Jahrtausendwende den letzten, entscheidenden Schub: die Finanzkrise. Während weltweit die verwalteten Vermögen zwischen 2007 und 2008 um knapp ein Fünftel kollabierten, hielt die ETF-Branche ihre Mittel fast stabil. Schon Anfang 2009 wuchs sie wieder über die alten Rekordstände hinaus – ein Schritt, für den die globale Fondsbranche vier Jahre brauchte. Denn die US-Subprime-Krise hatte bei den Großanlegern ein neues Bewusstsein dafür geschaffen, wie wichtig die Handelbarkeit von Wertpapieren ist: Die Liquidität trocknete in vielen Märkten ausgerechnet dann aus, als Investoren und Händler sie in der Krise am dringendsten benötigten, der Handel fror oft regelrecht ein. ETFs aber ließen sich auch in den unsichersten Zeiten leicht kaufen und verkaufen.

Der gleichzeitige ETF-Boom bei Privatanlegern dürfte ebenfalls mit der Finanzkrise zusammenhängen. Die Skepsis gegenüber Banken, Beratern und Experten ist seitdem deutlich gewachsen und hat die Finanzprodukte ohne aktives Management für viele Kunden attraktiv gemacht.

John Bogle dürfte das Misstrauen gut verstehen. Vanguard ist mit einem verwalteten Vermögen von nunmehr 3 900 Mrd. Dollar der zweitgrößte Fondsverwalter weltweit. Bogle selbst ist durch seine Erfindung zwar reich geworden, im Vergleich mit den Gründern anderer großer Vermögensverwalter aber ist er ein Fliegengewicht. Einen „niedrigen zweistelligen Millionen-betrag“ besitze er, sagte er vor einigen Jahren der „New York Times“ – eine Summe, die die Gründer von großen Fondshäusern wie Pimco in wenigen Monaten verdienen. Bogle aber ficht das nicht an. Er, nach einer schwierigen Herzoperation ohnehin seit 2007 Privatier, kann nach 60 Jahren in der Fondsbranche eines für sich reklamieren: „Mir hat noch nie einer geschrieben, dass ich ein Schuft sei.“

Die Meinung – und das Geld – von Privatanlegern spielt in den Rechnungen der ETF-Anbieter allerdings keine große Rolle. Die Privatanleger fahren im Windschatten großer Investoren: Letztere sind es, die auf den Markt Druck ausüben, indem sie große Summen in passive Investmentlösungen umschichten – und so auch den Wettbewerb unter den ETF-Anbietern forcieren. Die Kosten für Aktien-ETFs auf bekannte Indizes sind so mittlerweile auf 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr gesunken.