GewinnmaschinenDie besten Robo-Advisor für Ihr Geld

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Mehr oder weniger vertrauen fast alle Robos diesem Ansatz. Von Visualvest bis Vaamo. Von Com-invest bis Liqid. Es geht um preiswerte Produkte, breite Streuung und adäquates Risiko – aber nicht um revolutionäre Strategien. Ketzerisch ließe sich sagen, dass es für diesen Ansatz, abgesehen von homöopathischen Feinheiten wie dem Rebalancing, gar keinen Computer bräuchte. Ein ETF-basiertes 70-25-5-Portfolio aus Aktien, Anleihen und Rohstoffen kann sich jeder halbwegs informierte Anleger auch selbst zusammenstellen. Die Frage allerdings ist: Tut er das? Oder schichtet er bei erstbester Gelegenheit doch wieder um?

So gesehen liegt die eigentliche Stärke der meisten Roboter am Ende gar nicht in ihrer Rechenpower. Sondern darin, dass sie genau das tun, was der Mensch aufgrund seiner Emotionalität irgendwie nicht hinkriegen will: nämlich auf Basis rationaler Kriterien ein Portfolio zusammenstellen und dann die Zeit für sich arbeiten lassen. Der Anleger zahlt den Robo-Advisor also in erster Linie für dessen Disziplin, nicht für dessen Intelligenz.

Wie schon heute in der Filiale ist das Wichtigste bei der Geldanlage per Roboter, die Wünsche und die Risikoneigung des Kunden herauszufinden

Der uniforme Ansatz von Anbietern hat zur Folge, dass sich die Unterschiede eher in den Details zeigen. So rebalanciert Vaamo die Portfolios seiner Kunden nicht nur alle paar Monate, sondern wenn nötig auf Tagesbasis. Ein weiteres Differenzierungsmerkmal ist die ETF-Auswahl. Hier lässt sich für den normalen Kunden allerdings kaum einschätzen, was gut ist und was schlecht.

Sehr viel eindeutiger ist das beim Preis – wo zum Beispiel Cominvest mit einer jährlichen Verwaltungsgebühr von 1,5 Prozent besonders zuschlägt. Wichtig sind daneben Transparenz und Service. Unter „ärgerlich“ lässt sich noch verbuchen, wenn der Chat nicht richtig funktioniert, was gleich bei mehreren Anbietern im Test der Fall war. Unverständlich ist hingegen, dass zum Beispiel bei Easyfolio überhaupt nicht ersichtlich war, zu welchen Servicezeiten überhaupt ein Mitarbeiter zu erreichen ist.

Wenn man von solchen Ausreißern absieht, schnitten viele Anbieter selbst in den Details ähnlich ab. Ist also ein Robo wie der andere?

Erbitterte Konkurrenz

Fast – wäre da nicht der Sieger Scalable. Die beiden vermeintlichen Beach-Boys heben sich tatsächlich von der Konkurrenz ab. Sieben Jahre arbeiteten beide für Goldman Sachs, unter anderem an der Entwicklung einer elektronischen Handelsplattform. Aus dieser Zeit haben sie verinnerlicht, dass ein „Metoo-Ansatz in innovativen Geschäftsfeldern gefährlich ist“, sagt Erik Podzuweit. „Wenn man vorne dabei sein will, muss man anders denken als der Rest.“ Und das tun sie.

Der Ansatz von Scalable ist nicht passiv. Sondern ausgesprochen aktiv – wenn auch nicht im Sinne des Stock-Pickings klassischer Fondsmanager. Stattdessen funktioniert die Strategie von Prucker und Podzuweit so, dass ihre Roboter die Aktienquoten mitunter wild herauf- und auch wieder herunterfahren. So können selbst Kunden mit mittlerer Risikoneigung plötzlich auf 90 Prozent Aktien in ihrem Portfolio kommen. Dabei stützt sich Scalable auf ein Risikomaß, das sich Value at Risk (VaR) nennt – und das wiederum eng mit der Volatilität zusammenhängt. In ruhigen Marktphasen wird das Risiko aggressiv erhöht. Und in turbulenten Zeiten radikal reduziert. Die Folge: Bei Scalable sind die Roboter alles andere als arbeitslos.

Der Ansatz ist nicht unumstritten. Die Konkurrenz läuft sich schon warm, den Marktführer – Scalable verwaltet bereits mehr als 250 Mio. Euro – zu attackieren. Kritiker monieren, das permanente Umschichten passe nicht zu einem langfristigen Anlageziel. Doch um das zu beurteilen, ist es zu früh. Blackrock jedenfalls hat der Ansatz überzeugt: „Für uns ist das ein Ritterschlag“, sagt Podzuweit, „Blackrock hat das Netzwerk, wir die Technologie. Jetzt bringen wir beides zusammen.“

Letzte Station: Berlin, Kurfürstendamm. Hier, unter hohen Decken, mehr Bourgeoisie als Start-up, residiert Christian Schneider-Sickert, der Chef des Zweitplatzierten Liqid. Auch bei seinem Angebot waren die Tester voll des Lobes. Sie heben „den Abgleich zwischen Selbsteinschätzung und ermitteltem Profil“ hervor, die „sehr transparente Beschreibung des Ansatzes und des Risikomanagements“ und die „sehr guten Erwartungswerte, die die Benchmark deutlich schlagen“.

Bloß: Der typische Kleinanleger hat davon wenig. Denn während man bei anderen Anbietern per Sparplan schon mit 25 Euro im Monat einsteigen kann, beträgt die Mindestanlage bei Liqid stolze 100.000 Euro. Zielgruppe ist also der Gutverdiener Ende 40, der sein Häuschen schon abbezahlt hat – und nun irgendwo hinmuss mit seinem Geld.

Hinter Liqid steht neben den Gründern und Risikokapitalgebern das milliardenschwere Family-Office der Quandt-Familie, genannt HQ Trust. Die dortigen Portfoliomanager haben auch den Liqid-Roboter entwickelt – doch eigentlich sind die Pläne, die HQ Trust mit Liqid verfolgt, viel größere. So erzählt Schneider-Sickert, dass man inzwischen an digitalen Portfoliolösungen arbeite, die „Zugang zu alternativen Anlageklassen wie Private Equity bieten“. Der passiv investierende Roboter ist mithin nur noch ein Produkt unter mehreren. Und Schneider-Sickert sagt: „Im Grunde mögen wir den Begriff Robo-Advisor auch gar nicht. Wir sehen uns als breit aufgestellter digitaler Vermögensverwalter und moderne Alternative zur Privatbank.“

Vielleicht ist dies ja sogar der beste Beleg, dass Robo-Advisor an der Schwelle zum Massenmarkt stehen: Der erste Anbieter distanziert sich bereits von dem Begriff.