Grauer KapitalmarktDeutsche Oel & Gas - ein Krimi am grauen Kapitalmarkt

Seite: 3 von 3

Doch mit diesem zweiten Kapitel endeten die Probleme nicht. Auch in Alaska, wo das dritte Kapitel spielt, stand es zunehmend schlecht um das eigentliche Kerngeschäft der Deutschen Oel & Gas. Eine Tochtergesellschaft namens Furie sollte dort Öl und Gas fördern. Ihr nach eigenen Angaben 337 Quadratkilometer großes Förderfeld in Südalaska trägt den Namen „Kitchen Lights Unit“. Böse Zungen unter den Anlegern sprachen allerdings längst von der „Kitchen Sink Unit“, weil sie zusehen mussten, wie ihr Geld quasi durchs Spülbecken abfloss.

Die Deutsche Oel & Gas hatte 2015 und 2016 Lieferverträge mit Energieversorgern geschlossen. Nach ihren Angaben sollte etwa das Unternehmen Enstar bis zu 22 Millionen Kubikfuß Gas pro Tag erhalten, für bis zu 247 Mio. Dollar. Doch schon 2017 monierte der Bundesstaat Alaska, die Bohrverpflichtungen würden nicht erreicht. Mit einem Unternehmen aus Dubai streiten die Deutsche Oel & Gas S. A. und Furie zudem um die Miete für eine Bohrplattform – es geht um 25 Mio. Dollar, die nun vor Gericht eingetrieben werden sollen. In einem Brief an die Behörden im Februar 2019 klagte auch der Chef des Abnehmers Alaska Pipeline Company: Seit Vertragsbeginn habe Furie Gas von Dritten zugekauft, um liefern zu können. „Das zeigt, dass Furie nicht in der Lage war, genug Gas zu produzieren, um seinen Verpflichtungen nachzukommen.“

Als sei das nicht genug, bekam der Gasförderer auch noch Ärger mit dem US-Private-Equity-Fonds Energy Capital Partners, der 2014 mit 160 Mio. Dollar eingestiegen war und später mehr investiert hatte. Der Fonds ist offenbar die treibende Kraft hinter einer Zwangsversteigerung in New York, bei der die Sicherheiten von Furie und einer weiteren Tochterfirma der Deutschen Oel & Gas verkauft werden sollen. Sämtliche Erträge, teilte die Firma im Juni 2019 ihren Anlegern mit, müsse man an den Fonds abtreten, auch die Bohrplattform und eine Pipeline gehörten ihm vorläufig als Sicherheit. Anfang August schließlich beantragte Furie Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts.

Stotterndes Geschäft

Aus dem dritten Kapitel folgt das vierte: Weil das Alaska-Geschäft stotterte, zogen in Deutschland Anleger vor Gericht, um sich ihr Geld wiederzuholen. Mindestens 150 Verfahren waren oder sind vor deutschen Gerichten anhängig, mindestens zehn gegen die Deutsche Oel & Gas S. A., die anderen gegen deren Umfeld. Sie drehen sich etwa um den Umtausch von Fondsanteilen in Aktien, den mehrere Gerichte für nicht rechtens erklärt haben. Die Deutsche Oel & Gas S. A. betont wiederum, sie habe ein Verfahren vor dem Landgericht Stuttgart gewonnen, mit Firmen wie der Energy Capital Invest Beteiligungsgesellschaft und der Stuttgart Capital GmbH sei sie konzern- und gesellschaftsrechtlich nicht verbunden. Die Stuttgart Capital GmbH, die für Anleger Aktien der Deutschen Oel & Gas verwaltet hat, unterlag bereits mehrfach vor dem Landgericht Stuttgart. Ein Anwalt des Unternehmens gab in einem Verfahren zu Protokoll, seine Mandantin müsse im Falle, dass der Kläger seine Forderung durchsetze, Insolvenz anmelden, weil sie weder Vermögenswerte noch Kapital besitze.

Tatsächlich hat die Gesellschaft 2015 Vermögen verscherbelt: Fast 400 Millionen Deutsche-Oel-&-Gas-Aktien wurden an ein Unternehmen in Dubai verkauft – für 10.000 Euro, pro Papier also 0,00253 Cent. Detail am Rande: Eigner der Firma, die die Aktien zum Spottpreis kaufte, war laut Firmenprospekt zumindest Mitte 2017 niemand anderer als Kay Rieck. Zum Vergleich: Dem klagenden Anleger, der kein Jahr zuvor 4400 Aktien gekauft hatte, war versprochen worden, jedes Papier sei 12,10 Euro wert – das Paket mehr als 53.000 Euro. Davon blieb also nur ein Pfützchen am Boden des Spülbeckens. Inzwischen hat nach Capital-Informationen die Stuttgart Capital die Insolvenz beantragt.

Von Capital mit den Vorwürfen konfrontiert, schiebt Unternehmenschef Rieck die Schuld an den Problemen in einem siebenseitigen Brief auf den Einstieg des Private-Equity-Fonds und dessen Inkompetenz, auf Medien und Anwälte, auf innenpolitische Querelen in Alaska und sogar auf die ungünstigen Wetterbedingungen des US-Bundesstaats. Nur an einer Stelle sieht Rieck keine Schuld: bei sich selbst.

Von seinen Anlegern will Rieck sogar noch mehr Geld einwerben. Jeder solle 1,20 Euro pro Aktie respektive mindestens 1750 Euro einzahlen, damit das Unternehmen den Private-Equity-Fonds rauskaufen könne. Ein Rückkauf, schreibt die Deutsche Oel & Gas ihren Investoren, sei „nur jetzt für kurze Zeit“ eine „einmalige Chance“.

 


Der Beitrag ist in Capital 09/2019 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay