Grauer KapitalmarktDeutsche Oel & Gas - ein Krimi am grauen Kapitalmarkt

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Die Anleger dürften diese Mutationen kaum interessiert haben – bis nach dem Anlegertreffen in München die Probleme begannen. „Die haben plötzlich nicht mehr gezahlt“, sagt Schmitz. Irgendwann bekam er einen Mitarbeiter der Energy Capital Invest ans Telefon, der die ausbleibenden Zahlungen mit Witterungsproblemen begründete. Noch etwas erfuhr Schmitz: „Der Mitarbeiter sagte, alles werde super, man wolle jetzt an die Börse.“

Es ist der Satz, der das Ende des ersten, für die Anleger noch glücklichen Kapitels dieser Geschichte markiert – und den Übergang zum zweiten, glückloseren Teil.

Was dann geschah, kommt am deutschen Kapitalmarkt auch nicht alle Tage vor: In einer Art Kommandoaktion wurden aus den Anteilen an den ECI-Fonds plötzlich Aktien der luxemburgischen Deutschen Oel & Gas S. A., bei den Schuldverschreibungen lief es ähnlich, die Anleger erhielten ebenfalls Aktien. „Ich wollte das überhaupt nicht“, sagt Schmitz. „Das war ein Zwangsumtausch“, moniert Anwalt Wegel. Doch für das Unternehmen hatte der Schritt einen Vorteil: Es musste seinen Anlegern fortan weder Ausschüttungen zahlen noch Geld zurück­geben. Das dürfte auch später geholfen haben, als der klamme US-Bundesstaat Alaska seine tax credits für Rohstoffförderer zusammenstrich.

Danach versuchte das Unternehmen, Aktien in Riga zu listen. Beobachter wunderten sich über die Bewertung: Die Deutsche Oel & Gas S. A. behauptete, jede Aktie sei 13,50 Euro wert. Bei gut 219 Millionen Aktien der Klasse B wäre die Firma mit rund 3 Mrd. Euro kapitalisiert gewesen – so viel wie Pro Sieben oder Osram, obwohl die Deutsche Oel & Gas S. A. laut Geschäftsbericht von Ende 2017 nur fünf Angestellte hatte. „Keiner versteht, wie dieser Preis zustande kommt“, sagt der Berliner Anlegeranwalt Sven Tintemann.

Gescheiterter Börsengang

Christian Schmitz bereitete sich darauf vor, die Papiere gleich nach dem Börsenstart zu verkaufen. Doch so weit kam es gar nicht. Die lettische Börse ließ die Aktien nicht zu. „Der Vorstand der Nasdaq Riga hat den Antrag abgelehnt, weil das Unternehmen nicht unseren generellen Aufnahmekriterien entsprach“, teilt eine Sprecherin Capital mit.

Rieck sagt heute, ein Börsengang an einem anderen Finanzplatz sei vorbereitet. Allerdings behauptete er im Mai 2018 auch noch, sein Unternehmen befinde sich in einem „intensiven und konstruktiven Dialog mit der Börse in Riga“. Im Übrigen liege die Deutsche Oel & Gas „absolut im Plan“. Dennoch zog Rieck es vor, seinen Anlegern nicht zu nahe zu kommen, zumindest nicht auf der ordentlichen Hauptversammlung, die Ende 2018 in Luxemburg stattfand. Fast der gesamte Verwaltungsrat glänzte durch Abwesenheit, stattdessen leitete ein Rechtsanwalt die Veranstaltung. Im Protokoll heißt es: „Sodann stellten die Aktionäre bzw. Aktionärsvertreter schriftlich und teilweise auch mündlich ihre Fragen, welche durch den Verwaltungsrat und den weiteren auf dem Podium Anwesenden beantwortet wurden.“ Wichtigstes Ergebnis: Alle Manager sind „vollumfänglich“ entlastet.