Interview„Deutsche kaufen Gold wegen niedriger Zinsen“

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Privatanleger kaufen Gold oft in Krisenzeiten wie im März und zahlen dann hohe Preise. Kaufen sie daher ihre Goldbestände zu teuer ein?

Gold ist als Absicherung gegen Volatilität für viele Investoren vernünftig. Viele Marktteilnehmer erwarten hohe Volatilität im Aktienmarkt, und aus dieser Sicht kann es sinnvoll sein Gold als Absicherung zu verwenden. Gold wird typischerweise als sicherer Hafen betrachtet, ähnlich wie der US-Dollar oder US-Staatsanleihen. Aus dieser Perspektive erfüllt es seinen Zweck.

Sie haben schon den Dollar erwähnt. Gold wird vielfach als Währung bezeichnet, mit der man sich gegen einen schwachen Dollar absichern kann. Wie ist das Verhältnis zwischen dem Goldpreis und dem Dollar?

In der Vergangenheit gab es eine negative Korrelation zwischen Dollar und Gold. Diese Beziehung hat sich in der aktuellen Situation jedoch abgeschwächt, weil beide nun – der Dollar und Gold – als sichere Häfen betrachtet werden. Die Leute kaufen den Dollar und sie kaufen Gold. Der Goldpreis ist in diesem Jahr in Dollar gestiegen, aber auch in Euro. Für Anleger in Deutschland zählt am Ende der Goldpreis in Euro und sie kaufen Gold als Absicherung gegen eine Schwäche ihrer eigenen Währung und nicht des Dollar. Deutsche Anleger kaufen außerdem seit vielen Jahren Gold wegen der negativen Zinsen.

Schauen wir auf die Corona-Krise. Es gibt Diskussionen unter Ökonomen, ob sie inflationär oder disinflationär wirkt. Was erwarten sie – und was heißt das für den langfristigen Ausblick für den Goldpreis?

Viele Investoren betrachten Gold in der Tat durch die Linse der Inflation. Am besten schaut man aber über die Risiko-Perspektive auf das Verhältnis von Inflation und Gold. Inflation ist ein Risiko. Wenn die Inflation signifikant ansteigt, ist das ein Risiko, gegen das sich die Leute absichern wollen, und Gold könnte eines der Instrumente dafür sein. Jedoch kann auch Deflation ein Risiko sein, gegen das die Leute sich durch den Kauf von Gold absichern wollen. Man kann also erwarten, dass Gold sich insbesondere in diesen extremen Szenarien sehr gut entwickeln wird. In diesem besonderen Umfeld tut sich mit der Corona-Krise eine interessante Perspektive auf. Ein Teil ihres Warenkorbes könnte sich stark verteuern, weil die Lieferketten unterbrochen sind. Zugleich besteht wegen der monetären und fiskalischen Maßnahmen ein Risiko für den langfristigen Wert von Papiergeld-Währungen, also das Fiat-Geld. Dieses Risiko beunruhigt Investoren, weshalb Gold gut unterstützt ist.

Welche Rolle spielt Gold als Bestandteil von Währungsreserven?

Notenbanken kaufen seit etwa zehn Jahren Gold zur Diversifizierung ihrer Währungsreserven. Da haben wir auch ein Auge drauf.

Ist das eine Diversifikation weg vom Dollar?

Viele Schwellenländer hatten vor einigen Jahren noch ihre gesamten Währungsreserven im Dollar. Dann kam es zur Diversifizierung, etwa durch den Kauf von Bundesanleihen, aber auch durch japanische und britische Staatsanleihen – und eben auch Gold. Ein Grund dafür, Gold neben Staatsschulden zu halten, liegt daran, dass jede Staatsanleihe immer auch ein Kreditrisiko beinhaltet, selbst wenn sie höchste Qualität hat. Mit steigenden Haushaltsdefiziten und quantitativer Lockerung wird Gold als Ergänzung zu Staatsanleihen betrachtet.

Was erwarten sie für das Angebot an Gold?

Das Gold-Angebot ist während der vergangenen Jahre auf einem ziemlich konsistenten Pfad gewachsen. Wir machen keine Vorhersagen für die Goldförderung, aber die Produktion der Minen verändert sich typischerweise nicht besonders dramatisch in die eine oder andere Richtung. Außerdem ist Recycling von altem Schmuck oder aus alten Smartphones ein wichtiger Bestandteil des Goldangebots.

 


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