5 Minuten GeldanlageDer Zinssog kommt aus den USA

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Die Zinsen werden allmählich steigen. Grund ist die anstehende Normalisierung der Geldpolitik der USA.
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Lars Edler 
ist Leiter Investmentstrategie der Privatbank Sal. Oppenheim

 


Capital: Herr Edler, Bankberater predigen seit Jahrzehnten, dass Bundesanleihen das Basisinvestment in jedem Depot sein sollten. Gilt das auch heute noch?

Edler: Ja. Diversification is the only free lunch! So alt diese Börsenweisheit auch ist – sie ist in den kommenden Monaten wahrscheinlich richtiger und wichtiger als je zuvor. Denn neben einer Zinsänderung sind auch andere Situationen vorstellbar, in denen es sehr sinnvoll ist, sichere Staatsanleihen im Depot zu halten. Wir als Risikomanager dürfen uns ja nicht nur mit dem beschäftigen, was voraussichtlich passieren wird, sondern müssen uns auch mit dem auseinandersetzen, was passieren kann.

Was kann denn passieren?

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, die Maßnahmen zur Bekämpfung der niedrigen Inflationsrate greifen nicht und die Eurozone rutscht in eine Deflation ab. Verbraucher würden beginnen, ihre Konsumentscheidungen zu verschieben, Unternehmen würden einen negativen Einfluss auf ihre Gewinnsituation feststellen, und die Risikoaversion an den Finanzmärkten würde schlagartig zunehmen. Dann wäre die EZB gezwungen, noch expansiver zu agieren. Das Resultat wäre eine Flucht in die sicheren Häfen, Bundesanleihen und US-Treasuries, was zu kräftigen Wertsteigerungen führen würde.

Ein so gutes Anleihejahr wie 2014 erwarten Sie aber nicht …

Nein, ganz bestimmt nicht. Im vergangenen Jahr konnten insbesondere bei den Laufzeiten von mehr als zehn Jahren Wertzuwächse von mehr als 25 Prozent erzielt werden. Der treibende Faktor hinter diesen Ergebnissen war die Geldpolitik der EZB. Es fällt aber immer schwerer, sich weiter sinkende Zinsen vorzustellen.