AltersvorsorgeDer Traum von der Frührente

Und Tschüss! Der Traum von der Frührente lässt sich aber nur mit einem finanziellen Polster erfüllendpa

Die Deutschen werden immer älter – und wollen trotzdem nicht länger arbeiten. Wer im vorvergangenen Jahr in Rente ging, war im Schnitt 64 Jahre alt und legte die Arbeit damit über eineinhalb Jahre früher nieder, als der Staat es gerne hätte. Das zeigen aktuelle Daten der Deutschen Rentenversicherung. Durch die Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre dürfte die Lücke noch größer werden.

Insbesondere die kommende Rentengeneration will nicht bis kurz vor den 70. Geburtstag arbeiten, zeigt eine Umfrage der Bergischen Universität Wuppertal. Nur 56 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass sie sehr wahrscheinlich bis zum offiziellen Renteneintrittsalter arbeiten werden. 54 Prozent wollen dagegen so früh wie möglich raus aus dem Job.

In Deutschland ist es – im Gegensatz etwa zu den Niederlanden – möglich, früher in den Ruhestand zu gehen und trotzdem eine staatliche Rente zu beziehen. Die Frührente hat allerdings einen Haken: Je früher sich Arbeitnehmer aus dem Erwerbsleben verabschieden, desto höhere Renten-Abschläge müssen sie hinnehmen. Nicht jeder kann es sich deshalb leisten, die Beine schon vor dem Alter von 67 Jahren hochzulegen.

Ausnahme für besonders langjährig Versicherte

Für jeden vorzeitigen Ruhestandsmonat zieht die Deutsche Rentenversicherung (DRV) 0,3 Prozent von der Rentenleistung ab. Wer vier Jahre früher in den Ruhestand geht, mit 63 Jahren, muss lebenslang 14,4 Prozent seiner Bruttorente abtreten. Die durchschnittliche Monatsrente liegt in Deutschland bei 1360 Euro. In diesem Fall blieben Frührentnern also gerade einmal 1164 Euro übrig. Tatsächlich ist es sogar noch weniger: Zusätzlich zu den Abschlägen fehlen Frührentnern auch die Beiträge, die sie in den vier Jahren bis zum regulären Renteneintritt noch eingezahlt hätten.

Von dieser Regel gibt es nur eine Ausnahme: besonders langjährig Versicherte. Wer mindestens 63 Jahre (ab Jahrgang 1964: 65 Jahre) alt ist und 45 Jahre lang gesetzlich rentenversichert war, darf ohne Abschläge früher in Rente gehen. Neben reinen Arbeitszeiten lassen sich auch Kranken-, Kindererziehungs-, Wehr- und Zivildienstzeiten anrechnen. Im Jahr 2018 nutzten 72 Prozent der Neurentner diese Möglichkeit, wie Daten der DRV belegen. Insgesamt beziehen 15 Prozent der DRV-Mitglieder aktuell eine Rente im Rahmen dieser Ausnahmeregelung.

Auf lange Sicht dürfte diese Zahl sinken, weil immer mehr Jugendliche ein Studium beginnen. Den Bachelor erreichen Studenten durchschnittlich mit 23,5 Jahren, den Master schließen sie im Schnitt mit 26,1 Jahren ab. Das hat das Statistische Bundesamt für das Jahr 2018 erhoben. Wer nicht neben dem Studium schon arbeiten geht, kann also die Erwerbsarbeitszeit, die für eine abschlagsfreie Frührente nötig ist, gar nicht erreichen.

Freiwillige Sonderzahlungen

Wer sich trotzdem früher in den Ruhestand verabschieden will, kann seine Abschläge über freiwillige Sonderzahlungen reduzieren. Diesen Weg gehen immer mehr Arbeitnehmer: Im Jahr 2012 zahlten nur 933 Versicherte freiwillige Zusatzleistungen an die Rentenversicherung, im Jahr 2017 waren es laut Angaben der DRV bereits 11.620. Um abschlagsfrei in Rente gehen zu können, müssen Versicherte der DRV mitteilen, für wann sie ihren Rentenbeginn planen. Anhand dieses Datums errechnet die Rentenkasse, wie hoch die zu erwartenden Abschläge sind und wie viel der Versicherte als Ausgleich in Form von Sonderzahlungen dafür zahlen muss.

Ein Beispiel der DRV: Die zu erwartende Rente beträgt 1200 Euro, der Versicherte möchte aber drei Jahre früher in den Ruhestand gehen. Um die lebenslangen Abschläge in Höhe von monatlich 10,8 Prozent oder 130 Euro auszugleichen, müsste er 32.821 Euro zusätzlich einzahlen. Ob sich diese Sonderzahlung rentiert, müssen Versicherte selbst abwägen. Die Sonderzahlung verpflichtet allerdings nicht zur Frührente. Wer sich umentscheidet, kann einfach länger arbeiten und hat seine normale Altersrente aufgestockt.

 


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