FintechDer merkwürdige Naga-ICO

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Das Whitepaper beginnt mit dem Satz: “The NAGA Development Association Ltd. has partnered with The NAGA Group AG to introduce the NAGA COIN (NGC), a token that will serve as the unit of calculation in all existing and future projects of the NAGA Group AG.” Wir sind geneigt, dies wie folgt zu übersetzen: „Die ‚NAGA Development Association Ltd.‘ hat sich mit der ‚NAGA Group AG‘ zusammengeschlossen (bzw. verpartnert), um den NAGA COIN (‚NGC‘) einzuführen, eine Währung (bzw. einen Token), die/der als Recheneinheit in allen bestehenden und zukünftigen Projekten der NAGA Group AG dienen wird.“

Eine Währung, die als Recheneinheit dienen soll? Heißt das, dass der eigentliche Naga-Konzern nur die Währung als Recheneinheit verwenden darf, oder bekommt er auch den Erlös? Benjamin Bilski sagt: „Bei dem NAGA Coin der NDAL handelt es sich um einen „Utility-Token“, einem Token der im NAGA Ökosystem eingesetzt werden kann. Da der Token keinerlei Erlösfunktion im Smart-Contract hat (da auch keine Equity-Token oder auch kein Security-Token), gibt es auch keinerlei Erlösansprüche.“

Nächster Punkt: Nicholas Thomas, der CEO und Eigentümer der Belize-Gesellschaft. In der letzten Fassung des Whitepapers vom 30. November 2017 wird Thomas als Mitglied des Naga-Teams in seiner Funktion als Managing Director der „NAGA Development Association Ltd.” vorgestellt. Es findet sich allerdings kein Hinweis darauf, dass er auch der Eigentümer der Gesellschaft ist. Schaut man sich derweil das Whitepaper in seiner ersten Fassung vom 1. November 2017 an, taucht Nicholas Thomas lediglich als Legal Advisor für den Token Sale auf. Ein bemerkenswerter Aufstieg vom Legal Adviser zum Managing Director in nur vier Wochen. Auch scheint es kurz vor dem ICO Änderungen im Beraterteam gegeben zu haben. Zwei weitere englisch klingende Namen fallen hier ins Auge, die Anfang November noch zum Team der Berater gehörten, in der letzten Fassung des Whitepapers aber nicht mehr genannt werden. Nach Recherchen von Finanz-Szene.de handelt es sich um zwei Geschäftsleute, die eng mit Nicholas Thomas verbandelt sind.

Beruhigende Worte für Anleger

Bilski schreibt uns zu diesem Komplex: „Der gesamte ICO- und Whitepaper-Prozess wurden sehr zügig durchgeführt, es gab unter den Advisorn diverse Abstimmungen, und laut Aussage der NDAL wurde das Whitepaper im Anschluss daran entsprechend angepasst. Herr Thomas war von Beginn an Managing Director der NAGA Development Association Ltd. Jedoch war es aus Sicht der NAGA Development Association Ltd. eine reine Formulierungsfrage, ob Herr Thomas durch seine langjährige Erfahrung in der Blockchain-Szene (auch) als Berater oder nur als Managing Director der NAGA Development Association Ltd. aufgeführt werden solle. Diese Anpassung hat somit nichts am Einfluss oder der Aufstellung von Herrn Thomas im Projekt geändert und ist auch nicht weiter relevant.“

Bleibt die Frage, in welcher Beziehung die Gesellschaft in Belize und die Gesellschaft in Hamburg zueinander stehen. Hierzu teilt Bilski mit: „Beide Firmen sind Kooperationspartner, wie im Whitepaper beschrieben.“ Und auf die Frage, in welcher Beziehung Nicholas Thomas zur Naga AG und deren handelnden Personen steht (bzw. vice versa), heißt es: Thomas sei „der Managing Director von NDAL, mit der die NAGA AG kooperiert.“ Und umgekehrt: „Die handelnden Personen der NAGA AG arbeiten für die NAGA Group AG und betreuen die Projekte sowie Kooperationen (wie z.B. mit der NDAL) der NAGA AG als Teil ihres normalen Geschäftsbetriebs.“

Letzte Frage – aus unserer Sicht die entscheidende: „Wo liegen die 50 Mio. Dollar bzw. das daraus verbliebene Geld aus dem ICO? Wem gehört dieses Geld, wer hat in letzter Konsequenz den Zugriff darauf, was soll damit passieren?“ Auch hier bleibe Bilski eine Antwort nicht schuldig: „Der Token wurde von der NDAL erstellt und distribuiert und verkauft. Daher gehören ihr auch die aus dem Verkauf eingenommenen Mittel. Die NDAL hat auch den Zugriff auf diese Mittel. Mit den Einnahmen aus dem Token Sale wird basierend auf der Roadmap im Whitepaper für das Naga Ökosystem Technologie entwickelt und Marketing betrieben. Dies läuft erfolgreich und alle geplanten Initiativen werden eingehalten.“

Mit anderen Worten: Es ist die Gesellschaft in Belize, der die 50 Mio. Dollar zuflossen – nicht die Hamburger Naga AG. Glaubt man Bilski, dann brauchen sich die Anleger aber keinerlei Sorgen zu machen: „Auf Basis des Whitepapers haben die Naga AG und ihre Gruppengesellschaften mit der NDAL Verträge geschlossen, die die Verwendung der Einnahmen aus dem Token Sale für die im Whitepaper beschriebenen Zwecke sicherstellt.“


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