FintechDer merkwürdige Naga-ICO

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Die Erlöse fließen nach Belize

Interessanter an der Ad-hoc war allerdings ohnehin ein anderer Aspekt: Was hatte es mit der Naga Development Association Ltd. auf sich? Was war denn das plötzlich für ein Unternehmen?

Klarer wurde das Ganze, als die Naga AG Anfang Juli ihren Abschluss für 2017 vorlegte (der freilich untestiert daherkam, was für ein börsennotiertes Unternehmen dann doch sehr ungewöhnlich anmutet). In diesem Dokument war nun endgültig zu lesen, dass das Geld aus dem Token-Verkauf – also die 50 Mio. Dollar – gar nicht dem Hamburger Naga-Konzern und also dessen Aktionären zustehen. Sondern tatsächlich besagter Naga Development Association Ltd. (NDAL). Sitz: Belize.

Dazu muss man wissen: Obwohl auch die Gesellschaft in Belize das „Naga“ im Namen trägt, steht sie dennoch nicht im Eigentum der Naga AG, sondern gehört dem Managing Director der Belize-Gesellschaft, einem gewissen Nicholas Thomas. Im Geschäftsbericht der Naga AG heißt es hierzu wörtlich: „Bei dem Kooperationspartner Naga Development Association Ltd. […] handelt es sich um eine Gesellschaft, die in keiner gesellschaftsrechtlichen Beziehung zur Naga AG bzw. ihren Tochterunternehmen steht. Die NDAL wurde von dem Unternehmer Nicholas Thomas gegründet und erbringt Dienstleistungen im Bereich der Blockchain-Technologien.“

Haben die Aktionäre und die Token-Käufer gewusst, wem der Erlös aus dem ICO zufließt? War der Umstand, dass die NAGA Development Association Ltd. nicht der „Naga Group AG“ gehört, allgemein bekannt und für jeden zu erkennen? „Unserer Auffassung nach ja“, schreibt uns Naga-Chef Benjamin Bilski auf Anfrage. „Denn die Website und sämtliche Dokumente zum Token Sale weisen eindeutig die NAGA Development Association Ltd. als Anbieterin und Verkäuferin der Tokens aus. Das von der NAGA Development Association Ltd. herausgegebene NAGA COIN Whitepaper ist zudem eines der vollumfänglichsten, detailliertesten und verständlichsten in der ICO-Landschaft.“

Elfseitiger ICO-Prospekt

Tatsächlich war das Whitepaper zum ICO deutlich dünner als der Prospekt zum Börsengang. Für den IPO mit einem Erlös von 2,6 Mio. Euro fertigte die Naga AG ein Börsenprospekt von sage und schreibe 360 Seiten. Der ICO dagegen kam mit einem Whitepaper im Umfang von 96 Seiten aus – einschließlich vieler bunter Bilder und Grafiken. Die „Token Sales Terms & Conditions“ (TSTC) zum Token-Verkauf umfassten sogar nur elf Seiten. Nun ist Qualität nicht gleich Quantität. Die wichtigsten Grundregeln eines Geschäfts lassen sich auch auf elf Seiten zusammenfassen.

Dabei sind zwei Fragen aus Anlegersicht entscheidend: Erstens, was kaufe ich da eigentlich? Und zweitens, wer ist der Verkäufer, dem also der Erlös zufließt?

Laut den „Token Sales Terms & Conditions“ kam beim Verkauf der Naga-Token ein Vertrag zwischen dem Token-Käufer und dem Eigentümer der Website https://www.nagaico.com zustande. Die TSTC nennen als Website-Owner explizit die NAGA Development Association Ltd. Diese ist also eindeutig Verkäuferin der Token. Ruft man die entsprechende Website jedoch heute auf, wird man auf die Website der „NAGA Group AG“ geleitet. Schaut man in den einschlägigen Domain-Registern nach, wem die Domains gehören, wird man auch nicht schlauer, da als Registrant nicht der Eigentümer, sondern für alle Websites der gleiche Hosting-Anbieter genannt wird. In welchem Verhältnis stehen also nun die NDAL und die Naga Group AG zueinander?