KolumneDer Geist der Nuller Jahre

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Postbank als Bürde

Der Verkauf der Postbank ist dennoch naheliegend und richtig, wenn es die Deutsche Bank ernst meint mit ihren Ertragszielen und Verschuldungsquoten – auch, wenn die Milliardeninvestitionen in die Integration damit verloren sind. 

Dazu muss man sich vor Augen führen, dass die Postbank heute eine Verschuldungsquote aufweist, die weit schlechter ist als das, was sich die Deutsche Bank vorgenommen hat. Und: Sie ist schon heute ertragsschwächer, als jene Ziele, die die Deutsche Bank für den Konzern ausgegeben hat. Zwar steht für das letzte Jahr ein Gewinn vor Steuern von 460 Mio. Euro zu Buche. Bei der einlagenstarken Postbank ist die Anhängigkeit von Zinsüberschüssen aber besonders hoch. Sie trug zuletzt zu mehr als zwei Drittel zu allen Überschüssen der Postbank bei.

In der aktuellen Zinslage stehen aber eben jene Zinsüberschüsse stark unter Druck, weil die Einlagen rascher klettern als die Kreditnachfrage – und Institute anders als früher die Einlagen nicht einfach höher verzinst bei der Notenbank oder in Bundesanleihen anlegen können. Ein Blick in den Geschäftsbericht der Postbank offenbart die Ertragsrisiken: Um die zuletzt erreichten Zinsüberschüsse auch nur zu halten, benötigt die Postbank ein Zinsniveau, wie es sich zu Jahresbeginn dargestellt hat – seitdem sind die Zinsen allerdings durch das EZB-Aufkaufprgramm deutlich gesunken und dürften auch so schnell nicht wieder klettern. Noch übler sieht es mit dem Provisionsgeschäft aus: Hier werde der Überschuss, heißt es auf Seite 99, „spürbar zurückgehen“.

 

Was ist die Postbank wirklich wert?

All dies weiß man auch bei der Deutschen Bank – und zieht die Reißleine mit der einst unter Josef Ackermann am Vorabend der Finanzkrise erworbenen Postbank, ohne sich festzulegen, ob man sie verkauft oder an die Börse bringt. Die Frage ist aber: Wer interessiert sich für eine Bank mit erodierenden Erträgen und immer noch dünner Kapitaldecke in einem hart umkämpften deutschen Bankenmarkt? Und was ist die Postbank tatsächlich Wert, da sie bei der Deutschen Bank mit rund sechs Milliarden Euro in den Büchern stehen dürfte? Der aktuelle Kurs der Postbank-Aktie wird nun getrieben von Abfindungsspekulationen und ist kein sinnvolle Orientierung. 

Der Deutschen Bank wird sich die Frage nach dem wahren Wert der Postbank schon bald stellen – ihren Aktionären auch, wie das heftige Kursminus der Deutsche-Bank-Aktien am Montag von rund fünf Prozent in einem freundlichen Gesamtmarkt zeigt. Die Debatte, ob eine weitere Kapitalerhöhung für die neuen Ziele nötig sein wird, dürfte vor diesem Hintergrund schon bald eröffnet werden.