AktienDelisting - Flucht nach vorn

Kurse können schwanken, Dividendenzahlungen können kleiner als erwartet ausfallen oder ganz ausbleiben, Kapital kann verloren gehen – wer Aktien kauft, geht bewusst Risiken ein. Eine Gefahr allerdings kalkuliert kaum ein Anleger ein: Den Rückzug eines Unternehmens von der Börse, ein sogenanntes Delisting. In den vergangenen Monaten haben unter anderem das Bauunternehmen Strabag, die Marseille-Kliniken und der Anlagenbauer Schuler angekündigt, das Börsenparkett zu verlassen.

Manche Firmen tun das, weil die Unternehmensgröße und der Aufwand, den eine Börsennotiz mit sich bringt, in keinem sinnvollen Verhältnis mehr stehen. Andere betrachten ihre Finanzlage als so komfortabel, dass sie auf das Eigenkapital vom Aktienmarkt nicht mehr angewiesen sind.

BGH-Urteil erleichtert Rückzug

Auslöser der aktuellen Delisting-Welle ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Oktober vergangenen Jahres, nach dem es für Unternehmen mittlerweile denkbar einfach ist, die Börse zu verlassen. Sie können ihre Aktie seitdem ganz einfach per Vorstandsbeschluss von der Börse nehmen. Den Rückzug müssen sie lediglich sechs Monate im Voraus ankündigen. Aktionäre haben kein Anrecht darauf, dass ihre Aktie an einer Börse gehandelt wird, erklärte der BGH.

In der Vergangenheit war der Rückzug vom Aktienmarkt für Unternehmen deutlich komplizierter. Bis zum Herbst vergangenen Jahres mussten sie die Zustimmung der Hauptversammlung einholen und ihren Aktionären eine Entschädigung zahlen, wenn sie das Börsenparkett verließen – als Kompensation für mögliche Kursverluste nach dem Rückzug. Solche Zahlungen sind nun Geschichte. Auch deshalb ist ein Delisting für Unternehmen mittlerweile attraktiver.

Verlierer in einem solchen Fall sind vor allem Kleinanleger. Zwar bleiben sie als Aktionäre Anteilseigner des Unternehmens, kassieren gegebenenfalls auch weiterhin Dividendenzahlungen. Aber: Nach einem Delisting können Aktienbesitzer ihre Papiere nicht mehr an der Börse verkaufen. Aktien zu Geld zu machen, wird deshalb wesentlich schwieriger. „Das schmälert den Wert einer Aktie oft ganz extrem“, warnt Daniel Bauer, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Marseille Kliniken: Rückzugspläne lassen Kurs einbrechen

Das BGH-Urteil und die daraus resultierende Delisting-Welle haben deshalb die Wut vieler Aktionäre entfacht. Wollen sie nicht dauerhaft Aktionäre des Unternehmens bleiben, sehen sie nur einen Ausweg: Sobald ein Unternehmen einen Abschied von der Börse ankündigt, verkaufen sie so schnell wie möglich ihre Aktien. Damit verstärken sie den Kursverfall zwar noch. Aber es gilt: Je früher ein Aktionäre seine Papiere verkauft, desto höher ist der Kurs noch. Auch Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), rät zu dieser Strategie. „Wer kein Großaktionär ist, sollte sich überlegen, wie er die Aktie schnellstmöglich loswird.“

Falls Aktionäre die Gelegenheit verpassen oder sich erst nach erfolgtem Delisting zum Verkauf entschließen, haben Kleinanleger zwei Möglichkeiten. Entweder überlassen sie ihre Papiere einem Großaktionär zu dessen Konditionen. Oder sie versuchen, die Dividendenpapiere über eine Internet-Handelsplattform zu verkaufen. DSW-Geschäftsführer Hechtfischer empfiehlt dafür den Anbieter Valora Effekten. „Die Kurse dort sind zwar nicht vergleichbar mit denen an der Börse, aber eine solche Plattform hilft dabei, die Papiere noch loszuwerden.“ Das ist mitunter allerdings nicht ganz billig: Valora verlangt bei nicht börsennotierten Aktien fünf Prozent Provision. Wer sie trägt, hängt laut Valora vom jeweiligen Einzelfall ab und ist Verhandlungssache zwischen Käufer und Verkäufer.

Elexis: Delisting Ankündigung im März

Elexis: 1 Jahr
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Kursanbieter: L&S RT