KommentarDas Weltuntergangsszenario für Anleger

Seite: 2 von 2

Amerikas Stärke erodiert

Einige versierte Investoren sehen bereits die Schrift an der Wand und sind in Gold geflüchtet. Ich nehme an, dass auch andere Rohstoffe zulegen werden.

Wenn das „Doomsday“-Szenario eintritt, könnten Anleger auch in Euro und Yen investieren, wodurch die Renditen von US-Anleihen steigen würde. Das ist eine Entwicklung, mit der nur wenige rechnen – nach der gängigen Meinung befinden wir uns für lange Zeit in einem Umfeld niedriger Zinsen. Sollten die Renditen aber steigen, würde das Sparern helfen, die Anleihen und nicht Aktien halten – wohingegen hochverschuldete Unternehmen belastet würden. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat bereits vor den vielen „Zombie“-Firmen da draußen gewarnt, denen es schwerfallen wird, ihre Schulden zu bedienen und bei steigenden Zinsen zu überleben.

In den letzten Jahrzehnten haben wir nicht nur einen Bullenmarkt für US-Aktien erlebt, sondern auch viel Financial Engineering. Unternehmen haben alles in ihrer Macht stehende getan, um der ökonomischen Schwerkraft zu trotzen, angefangen bei Steuern bis hin zu Aktienrückkäufen. Durch eine lockere Geldpolitik wurden sie von den Zentralbanken unterstützt. Deshalb sind meiner Meinung nach sowohl US-Aktien als auch die auf den Dollar lautenden Vermögenspreise trotz so vieler Risikofaktoren in der politischen Ökonomie und den Herausforderungen für die Wirtschaft so hoch geblieben.

Wenn die US-Unternehmen aber irgendwann nicht mehr als die wettbewerbsfähigsten der Welt wahrgenommen werden, dürften ihre Aktienkurse ebenso wie der Dollar nachgeben. Sind wir an diesem Punkt? Noch nicht. Aber angesichts der Erosion des amerikanischen Arbeitskräftepotenzials, der maroden Infrastruktur und des Mangels an Forschungsinvestitionen frage ich mich, ob wir nicht bald diesen Punkt erreichen werden.

Die Unternehmen selbst scheinen mit den Füßen abzustimmen. Wie eine aktuelle EY-Studie zeigt, ist die Zahl der Fortune Global 500-Unternehmen mit Hauptsitz in den USA von 179 im Jahr 2000 auf 121 geschrumpft, während die Zahl der Konzerne mit Hauptsitz in China von 10 auf 119 gestiegen ist. Dies markiert eine Verschiebung in eine Region, in der Unternehmen das Wachstum der Zukunft erwarten – Asien. Wenn das der Fall ist, werden viele von uns eine neue Anlagestrategie für eine neue Welt brauchen.

Copyright The Financial Times Limited 2019