Capital-TestDas sind die besten Vermögensverwalter

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Viel Heimat, wenig Exotik

Das Durchschnittsdepot sah so aus: „Die meisten Vermögensverwalter wählen überwiegend konventionelle Anlageklassen, sie arbeiten mit 51 Prozent Aktien, 28 Prozent Anleihen und 16 Prozent Cash“, sagt IVA-Vorstand Andreas Ritter, „wenn exotischere Anlageklassen auftauchen, dann am häufigsten Edelmetalle“, mit mindestens zwei Prozent.

Leicht überdurchschnittlich setzen die Depots auf die Eurozone (41 Prozent der Anteile), auf Nordamerika zu knapp 30 Prozent. Überraschend gering ist der Emerging-Markets-Anteil mit sieben Prozent (13 Prozent wären laut Marktkapitalisierung gerechtfertigt). Ob das den Home-Bias der Verwalter offenbart oder Kundenwunsch ist, bleibt offen.

Worüber Ritter sehr staunte: „Die am häufigsten verwendete Produktklasse sind aktive Investmentfonds, vor allem Mischfonds. Da tauchen einige Namen überproportional häufig auf.“ Der Flossbach von Storch Multiple Opportunities etwa fand sich in gut jedem fünften Depot. Solange die Verwalter aktive Fonds einsetzen, die Überrenditen erzielen, konnten sie im Test Punkte gewinnen – allerdings produzieren Aktivfonds auch höhere Kosten. Manche Verwalter büßten durch den Einsatz eher durchschnittlicher Fonds auch den ein oder anderen Punkt ein.

Gern hätten wir natürlich die Überrendite ermittelt, die Verwalter ihren Kunden 2018 gegenüber einem Vergleichsindex bescherten. Dazu aber reichten die reinen Depotdaten nicht aus. Denn daraus geht nicht hervor, ob Überschüsse sofort wieder angelegt oder ausgeschüttet wurden oder ob eine Ertragsbesteuerung im Ausland erfolgte. Allerdings wäre die Performance des schwierigen Jahres 2018 ohnehin nur bedingt aussagekräftig gewesen: „Es waren vor allem diejenigen überdurchschnittlich erfolgreich, die auf den US-Aktienmarkt setzten und auf lange Laufzeiten bei Anleihen“, sagt Ritter. Doch einen Schluss lassen die diesjährigen Daten zu: Verwalter, die Portfolios gut strukturieren, hochwertige Produkte einsetzen und die Kosten niedrig halten, müssen auch langfristig Performancebringer sein.

Die Kosten sollten sich Kunden ohnehin genauer ansehen: Hohe Transaktionskosten zeigen, dass ein Verwalter oft umschichtet, bei offensiven Depots ist das noch verständlich. Etliche Verwalter brachten sich aber gerade bei konservativen Depots um Punkte. Nur etwa jeder Dritte setzte stark auf günstige Direktinvestments. Bei ausgewogenen und chancenorientierten Depots konnten Kostenvermeider sich sogar häufig zum Gesamtsieg spielen.

Sucht man die Einzelnoten, bei der die Verwaltergüte am meisten auseinanderklafft, so sind es bei Konservativdepots die Kosten, bei den Ausgewogenen die Produkte und Kosten, beim Chancendepot Produkte und Risikomanagement. In Kloppo-Sprache: Defensivteams brauchen effiziente Einzelspieler für den Sieg. Bei den Angriffslustigen dagegen muss die Abwehr stimmen.

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