NachlassDas müssen Ehepartner beim Testament beachten

Wer nach seinem Tod auch für den Ehepartner vorsorgen will, sollte beim Testament einige Punkte beachten
Wer nach seinem Tod auch für den Ehepartner vorsorgen will, sollte beim Testament einige Punkte beachtenimago images / Sven Simon

Gibt es kein Testament wird das für Ehegatten oft zum Problem. Stirbt einer der Partner und hat keinen letzten Willen verfasst, greift die gesetzliche Erbfolge und ein Teil des gemeinsamen Vermögens geht an die nächsten Erben über – in der Regel sind das die Kinder. Schlagen diese das Erbe nicht aus, kann das den überlebenden Partner schnell in finanzielle Schwierigkeiten bringen – besonders wenn das einzige Vermögen etwa das gemeinsame Haus ist.

Ehepaare, die für diesen Fall vorsorgen wollen, haben die Möglichkeit ein Berliner Testament aufzusetzen. In diesem gemeinschaftlichen letzten Willen legen die Partner fest, dass zunächst der Überlebende das gesamte Vermögen bekommt, also Alleinerbe ist. Erst wenn auch der zweite Partner stirbt, geht das Vermögen an die sogenannten Schlusserben über. Das sind häufig die Kinder, Ehepaare können aber auch jede andere Person wählen. Darum ist das Berliner Testament sehr beliebt bei Paaren.

Berliner Testament: Das gilt es zu beachten

Es hat aber auch Nachteile. Da das Berliner Testament ein gemeinschaftlicher letzter Wille ist, können Ehepartner es auch nur gemeinsam anpassen, solange es keine Klausel gibt, die das Gegenteil erlaubt. Das bestätigte das Oberlandesgericht Hamm in einem Urteil (Az. I-10 U 112/10): Eine Frau hatte sich nach dem Tod ihres Mannes mit dem gemeinsamen Sohn überworfen. Er war aber als Schlusserbe im Berliner Testament des Paares eingetragen. Sie setzte daher ein neues notariell beglaubigtes Testament auf, um ihn zu enterben. Dagegen klagte der Sohn – mit Erfolg. Die Begründung der Richter: Da die Frau das Erbe ihres Mannes angenommen hatte, dürfe sie das gemeinschaftliche Testament nun nicht mehr nachträglich ändern.

Schwierig wird es auch, wenn Kinder bereits nach dem Tod des ersten Elternteils den gesetzlichen Pflichtteil verlangen. Diesen kann auch ein Berliner Testament nicht ausschlagen. Ehepaare können aber in ihrem letzten Willen festschreiben, dass das Kind in diesem Fall dann auch nach dem Tod des überlebenden Partners nur noch Anspruch auf den Pflichtteil hat – selbst wenn es als Schlusserbe insgesamt mehr geerbt hätte.

Ehepaare sollten auch grob die Summe ihres gemeinsamen Vermögens kennen, das sie voraussichtlich hinterlassen werden. Sind die Kinder als Schlusserben eingesetzt, wird ihnen nämlich das Erbe nach dem Tod des zweiten Partners in Gänze überschrieben – statt in zwei kleineren Teilen, wie das bei der gesetzlichen Erbfolge der Fall wäre.

Beträgt das Erbe dann mehr als 400.000 Euro pro Kind, müssen sie das Vermögen in voller Höhe versteuern. Um die Steuerlast zu senken, können Ehepartner ihren Kindern aber schon vor dem Tod einen Teil des Nachlass schenken und so die gesetzlichen Freibeträge ausnutzen.

Ehegattentestament als Alternative

Ebenfalls wichtig ist die sogenannte Wiederverheiratungsklausel. Verliebt sich ein Partner nach dem Tod des anderen und heiratet erneut, wäre nämlich eine weitere Person erbberechtigt. Damit könnte das Erbe für die eigenen Kinder kleiner ausfallen, als ursprünglich vereinbart. Viele Ehepartner legen darum im Berliner Testament fest, dass im Fall einer erneuten Heirat der überlebende Partner nur die Hälfte des Erbes bekommt.

Wer den Nachlass flexibler aber trotzdem gemeinsam regeln möchte, sollte sich für ein sogenanntes Ehegattentestament entscheiden. Bei dieser Variante der Nachlassregelung formulieren die Partner ihren letzten Willen ebenfalls gemeinsam, können aber aus verschiedenen Formen wählen: Im sogenannten gleichzeitigen gemeinschaftlichen Ehegattentestament verfassen beide Partner eigene Testamente, die inhaltlich nichts miteinander zu tun haben müssen.

Das gegenseitige Ehegattentestament ähnelt dem Berliner Testament und setzt den jeweils anderen Partner als Erben ein. Allein im wechselseitigen Ehegattentestament sind die beiden Testamente auch inhaltlich voneinander abhängig. Der Vorteil dieser Varianten gegenüber dem Berliner Testament: Beide Ehepartner können das Testament jederzeit zu Lebzeiten auch einseitig widerrufen. Heimliche Änderungen sind aber weiterhin nicht gültig.

 


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