RohstoffeDas große Ölpreisrätsel

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China baut eigene Fracking-Industrie auf

Der übliche Kreislauf geht so: Steigt also der Ölpreis, dann steigen die Kosten für Unternehmen und Privathaushalte, also die Inflation. Möglicherweise bedeutet das dann höhere Zinsen – zumindest in Amerika, ob die Europäische Zentralbank ebenfalls reagieren wird, ist fraglich. Vorerst lieferte ihr der fallende Ölpreis europaweit ein weiteres Argument, die Zinsen nicht zu erhöhen, zum Ärger der Sparer. Kommt es durchs Öl zu breiten Preis- und Zinsanstieg, so würde das wohl das Wachstum abwürgen, womöglich in vielen Ländern. Wenn die Konjunktur aber weltweit an Fahrt verliert, dann verbraucht die Wirtschaft wieder viel weniger Öl. Noch weniger als dann gefördert wird. Also sinkt die Nachfrage wieder und auch der Ölpreis rauscht wieder nach unten. Sein Anstieg wäre also ohnehin nur ein Anstieg auf Zeit.

Zudem brächte eine Drosselung der Opec nur dann etwas, wenn nicht nur Russland und Amerika mitzögen, sondern sich auch bei den übrigen Produzentenstaaten nichts änderte. Was aber ist zum Beispiel mit China? Es wird demnächst eine größere Rolle auf dem Markt übernehmen, die Chinesen bauen nämlich mit Hochdruck ebenfalls ihre eigene Fracking-Industrie auf. Es wird noch eine Weile dauern, bis sie amerikanische Ausmaße erreicht hat. Aber all diese Unwägbarkeiten machen klar: Schon derzeit sind Absprachen zwischen den Ölstaaten extrem schwierig und ihre Auswirkungen kaum vorherzusehen. Künftig wird es nicht einfacher. Das ist einer der Gründe, weshalb immer weniger Analysten sich zutrauen, die Ausschläge am Markt zu prognostizieren. Anleger sollten es lieber auch nicht versuchen.