RohstoffeDas große Ölpreisrätsel

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Was macht Amerika?

Eine der wichtigsten Rollen spielt dabei Russland. Es kann sich zwar laut eigenen Aussagen generell mit einer kleineren Fördermenge anfreunden, doch eine Drosselung um über eine Million Barrel pro Tag, wie es sich die Opec vorstellt, geht Russland dann möglicherweise doch zu weit. Moskaus Stimme hat bei den Ölstaaten viel Gewicht. Es ist zwar kein Opec-Staat, aber immerhin der drittgrößte Produzent der Welt, nach den USA und Saudi-Arabien. Zusammen fördern diese drei Staaten rund 40 Prozent des Weltöls. Spätestens diese Zahl macht deutlich: Selbst wenn Russland tatsächlich auf die Opec-Linie einschwenkt, bleibt die Frage: Was macht Amerika?

Amerika müsste ebenfalls die Produktion drosseln, um das schwarze Gold weltweit wieder knapper und teurer zu machen. Doch haben die Vereinigten Staaten überhaupt ein Interesse daran? Wohl kaum. Zwar braucht die dortige Fracking-Industrie Preise, die oberhalb von 65 Dollar liegen, damit sich das Geschäft für sie lohnt. Es ist nämlich kostspielig, den Rohstoff mit Gas aus dem Schiefergestein zu pressen. Doch stiege der Ölpreis demnächst tatsächlich wieder stark an, könnte das dem Rest der amerikanischen Industrie einen Dämpfer verpassen und den großen Aufschwung beenden, in dem sie sich befindet – und den sich Präsident Trump so gern selbst als Verdienst auf die Fahnen schreibt. Es könnte vielleicht sogar die Weltkonjunktur abwürgen.

Ganz konkret würde es auch die Preise an den Tankstellen stark steigen lassen und damit die amerikanische Inflation. Somit hätte die Notenbank Fed einen weiteren guten Grund, die Zinsen anzuheben, die dem Präsidenten ja schon seit geraumer Zeit zu schnell davoneilen. An allen diesen Effekten hat Trump daher nicht das mindeste Interesse. Sie würden seiner Politik zuwiderlaufen, deshalb ist er vor allem eines: Gegen die Drosselung der Produktionsmengen. Er lässt derzeit sogar ein Gesetz prüfen, mit dem es den USA möglich sein soll, die Opec zu verklagen wegen ihrer Kartellbildung.

Verbraucher haben nichts vom Ölpreisverfall

Nun ist die spannende Frage, wer sich am Ende durchsetzen wird. Werden die Opec-Staaten es schaffen, Russland auf ihre Seite zu ziehen? Dessen erklärtes Ziel sind einerseits die Einnahmen aus dem Ölgeschäft, die könnte es besser steigern, wenn es mehr fördern darf. Andererseits scheint es Präsident Putin zunehmend zu gefallen, westliche Staaten zu destabilisieren. Das hat er schließlich schon mit zahlreichen politischen Aktionen und Wahlkampfeingriffen bewiesen. Käme ihm da also nicht auch ein höherer Ölpreis durch einen Pakt mit der Opec geradezu zupass? Er wäre gegen Trump gerichtet und würde die Staaten in Europa und deren Konjunktur genauso treffen.

Was also bedeutete es nun, wenn die Fördermenge 2019 stark sinken würde? Der Preis für den Schmierstoff stiege, das wäre gerade jetzt gefährlich für die Konjunktur. Denn höhere Preise bedeuten höhere Ausgaben für alle Ölverbraucher, das sind Unternehmen ebenso wie Privatverbraucher. Und solche Preissteigerungen werden üblicherweise gern schnell weitergegeben – anders als Preissenkungen beim Öl übrigens.

Bisher nämlich haben die Autofahrer und Heizölkäufer hierzulande noch nichts vom großen Ölpreisverfall der vergangenen Wochen gehabt. Obwohl der um ein Drittel fiel, stiegen die Benzinpreise im November auf den Jahreshöchststand. Die Mineralölindustrie nennt den Niedrigwasserstand der Flüsse aufgrund der monatelangen Trockenheit als Grund. Dadurch hätten Containerschiffe von den Nordseehäfen nicht mit genügend Öl beladen werden können, das mache die Ölmenge an den Tankstellen knapp. Allerdings verläuft im Süden der Republik eine Pipeline aus Italien, die unabhängig vom Wasserstand Öl in viele Regionen pumpt. Aber das nur am Rande.