AktienmarktDas Coronavirus hat die Börsen angesteckt

Nachdenkliche Gesichter an der Wall Street: Das Coronavirus sorgt für einen Kursrutsch an den Börsen
Nachdenkliche Gesichter an der Wall Street: Das Coronavirus sorgt für einen Kursrutsch an den Börsendpa

Das Coronavirus ist in Deutschland angekommen. Am 27. Januar bestätigte das bayerische Gesundheitsministerium, dass bei einem Mann aus dem Landkreis Starnberg der neuartige Virusstamm nachgewiesen wurde. In der chinesischen Region Wuhan, wo das Virus im Dezember zum ersten Mal aufgetreten ist, sind inzwischen rund 3000 Menschen infiziert, rund 80 überwiegend ältere Patienten sind bereits an der neuartigen Lungenkrankheit gestorben. Obwohl sich die chinesische Regierung nach Kräften bemüht, die Verbreitung des Virus einzudämmen, haben mittlerweile zahlreiche andere Länder Fälle gemeldet, darunter Frankreich, Taiwan, Australien, Thailand und die USA. Und nun eben auch Deutschland.

Der neue Virusstamm ist hochansteckend, und zwar nicht nur für Menschen, sondern offenbar auch für die Börsen. Noch vor wenigen Tagen markierte der Dax ein neues Allzeithoch – seitdem hat er deutlich nachgegeben. Auch wichtige US-Indizes wie der Dow Jones und der S&P 500 ließen zum Wochenauftakt kräftig Federn. Unter Anlegern geht die Angst vor einer globalen Pandemie um. „Die Finanzmärkte reagieren sehr sensibel, allen voran überbewertete Anlageklassen“, sagt Michael Hasenstab, Fondsmager bei Franklin Templeton. In den kommenden Wochen könnten weitere Markt-Schocks drohen, warnt er.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT
Wie es an den Finanzmärkten weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, als wie gefährlich sich das Wuhan-Coronavirus erweist. Bei vielen Investoren werden derzeit Erinnerungen an Sars wach. Die Lungenkrankheit wird ebenfalls von einem Coronavirus hervorgerufen. In den Jahren 2002 und 2003 verbreitete sie sich von China aus rund um den Globus und forderte insgesamt fast 800 Menschenleben. Bisher scheinen Infektionen mit dem neuen Wuhan-Coronavirus milder zu verlaufen und nicht so oft tödlich zu enden wie Sars-Erkrankungen. Beobachter hoffen, dass es so bleibt.

Wie groß wird die Wachstumsdelle?

Die tiefsten Spuren dürfte die aktuelle Epidemie in Chinas Wirtschaft hinterlassen. Vor allem der Konsum und der Einzelhandel werden voraussichtlich leiden, sagt Mo Ji, Volkswirtin bei der Investmentgesellschaft Alliance Bernstein (AB). Grund dafür sind die Quarantänemaßnahmen, mit denen Peking verhindern will, dass sich das Virus noch weiter ausbreitet. Wenn Konsumenten krank zu Hause bleiben müssen, verzeichnet der Einzelhandel Absatzrückgänge. Die Quarantäne ganzer Städte, wie Chinas Regierung sie in der Region Wuhan angeordnet hat, belaste wiederum den Tourismus und die Transportindustrie, sagt Ji.

Die AB-Volkswirtin hat berechnet, um wie viel Prozent Chinas Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr durch das Coronavirus fallen dürfte. Als Vergleichsgröße hat sie die Sars-Epidemie zu Beginn des Jahrtausends herangezogen. Damals sank Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) binnen eines Quartals um zwei Prozentpunkte. Wird die aktuelle Epidemie innerhalb von drei Monaten besiegt, sinkt das reale BIP um 0,8 Prozent, schätzt sie. Dauert es neun Monate, dürfte die Wirtschaftsleistung um bis zu 1,9 Prozent nachgeben. „Höchstwahrscheinlich wird die Dauer des Ausbruchs irgendwo dazwischen liegen“, sagt die Ökonomin. Sie rechnet damit, dass die chinesische Notenbank ihre Geld- und Fiskalpolitik weiter lockern wird, um trotz der Epidemie das Wachstumsziel von sechs Prozent im laufenden Jahr zu erreichen.

Der Höhepunkt der aktuellen Krankheitswelle dürfte erst noch kommen. Zwischen dem 10. Januar und dem 18. Februar reisen in der Volksrepublik anlässlich des Neujahrsfests mehrere Milliarden Chinesen quer durchs Land. Das dürfte die Ausbreitung des Virus trotz aller Vorsichtsmaßnahmen beschleunigen. Bis zum Sommer dürfte die Krankheit dann allerdings unter Kontrolle sein, sagen Experten. Coronaviren sind in der sommerlichen Hitze weniger ansteckend. Auch der Sars-Ausbruch war nach rund sechs Monaten gestoppt, im Juli 2003.