PflegeDarum ist eine Vorsorgevollmacht wichtig

Symbolbild Vorsorgevollmachtdpa

Je früher desto besser. Dieser Merksatz gilt bei nahezu allen Themen rund um die Vorsorge, bei Vollmachten aber ganz besonders. Denn die meisten Menschen wissen zwar, wann sie etwa in Rente gehen. Der Staat gibt schließlich eine genaue Altersgrenze vor. Aber sie wissen nicht, ob und wann sie zum Pflegefall werden. Pflege ist nicht nur ein Thema für Senioren. Auch junge Menschen können durch einen Unfall von lebenslanger Hilfe abhängig sein. Je nachdem wie stark die Einschränkungen sind, können sie dann nicht mehr selbst über ihr Leben entscheiden. Ab sofort müssen andere Menschen Entscheidungen fällen, mit denen die Gepflegten leben müssen.

Wer möchte, dass vertraute Menschen diese Entscheidungen fällen, sollte eine Vorsorgevollmacht ausfüllen. In diesem Dokument legt der Vollmachtgeber fest, was der Bevollmächtigte später in den Bereichen Gesundheit, Wohnen, Behörden, Vermögen, Post und Gericht für ihn entscheiden darf. Eine Vorlage hierfür gibt es zum Beispiel beim Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz als Download.

Damit die Vollmacht gültig ist, müssen der Vollmachtgeber und der Bevollmächtigte das Dokument beide persönlich unterschreiben, das Datum nennen und die Adresse des Bevollmächtigten angeben. Grundsätzlich braucht es dafür keinen Notar. Dennoch raten Experten dazu, die Vorsorgevollmacht notariell beglaubigen zu lassen. Sonst kann es besonders bei Banken zu Problemen kommen. Viele Finanzinstitute fordern eine beglaubigte Version der Vorsorgevollmacht oder gar eine separate Bankvollmacht, die ebenfalls von beiden Parteien unterschrieben sein muss. Wer seine Finanzgeschäfte im Pflegefall einem anderen Menschen überlassen möchte, der sollte sich deshalb vorher bei der eigenen Bank informieren, welche Anforderungen sie stellt. Hält sich der Vollmachtgeber nicht daran, kann die Bank dem Bevollmächtigten den Zugriff auf die jeweiligen Konten verweigern.

Bei Interessenskonflikten wird es schwierig

Gibt es gar keine Vollmacht, bestimmt ein Gericht im Pflegefall den Betreuer. In vielen Fällen handelt es sich dabei um den Ehepartner oder einen nahen Verwandten – das muss aber nicht so sein. Denn nur Kinder unter 18 Jahren werden automatisch von ihren Eltern im Pflegefall vertreten. Bei Volljährigen sind Ehepartner oder Kinder nicht grundsätzlich bevollmächtigt. Besonders schwierig wird es bei Interessenskonflikten: Streiten sich die Kinder zum Beispiel schon jetzt um das Erbe, könnte das als Betreuer ausgewählte Kind sich selbst bereichern, wenn es auch die Finanzen des Elternteils übernehmen soll.

In diesen Fällen bestimmt das Gericht meist einen neutralen Betreuer. Das sind oft Rechtsanwälte, Sozialarbeiter, Pfleger, Erzieher oder Verwaltungsfachkräfte, die sich als Berufsbetreuer selbstständig gemacht haben und vom Staat bezahlt werden. Solche neutralen Betreuer kommen auch zum Einsatz, wenn berechtigte Zweifel am gewünschten Vormund bestehen. Beobachtet zum Beispiel ein Familienmitglied, dass der per Vollmacht eingesetzte Betreuer nicht im Sinne des Pflegebedürftigen handelt, kann er das den Behörden melden. Ist das Gericht der gleichen Meinung, können die Richter sich über die Vollmacht hinwegsetzen und einen neutralen Betreuer bestellen.

Bevor es ans Ausfüllen der Vollmacht geht, sollten Vorsorger genau überlegen, wen sie im Ernstfall für sich entscheiden lassen wollen. Wer nicht möchte, dass einer alleine alles entscheidet, der kann auch mehrere Verwandte oder Bekannte für verschiedene Bereiche beauftragen. In jedem Fall sollten Vorsorger vorher mit ihrer Wunschperson sprechen, damit sie weiß, was im Ernstfall auf sie zukommt.