AnleihenDarauf sollten Anleger bei Schwellenländer-Anleihen achten

Die türkische Wirtschaft steckt in der Krise
Die türkische Wirtschaft steckt in der Krisedpa

Auf der Suche nach Anleihen mit hohen Renditen werden Anleger in Deutschland schon lange nicht mehr fündig. Aktuell zahlen sie sogar drauf: Als die Deutsche Finanzagentur Mitte Juni eine bestehende zehnjährige Bundesanleihe mit Laufzeit bis Februar 2029 aufstockte, konnte die Anleihe mit einer Rendite von minus 0,24 Prozent am Markt platziert werden – Negativrekord. Verglichen dazu herrschen in Schwellenländern wie der Türkei immer noch geradezu paradiesische Zeiten für Anleihe-Investoren. Türkische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von einem Jahr bringen Anlegern derzeit rund 24 Prozent Rendite, bei zehnjährigen Staatstiteln sind es etwa 17 Prozent.

Die hohe Rendite gibt es nicht umsonst. Anleger bezahlen sie mit einem höheren Risiko. Die türkische Wirtschaft steckt in der Krise, die Inflation liegt derzeit bei rund 20 Prozent. Die türkische Zentralbank tut bisher kaum etwas dagegen. Marktbeobachter sind deshalb skeptisch, ob das Land aus eigener Kraft die Wende schafft. Die Ratingagentur Moody’s hat die Bonität der Türkei in der vergangenen Woche auf B1 mit negativem Ausblick gesenkt. Damit liegt der Staat nun gleich auf mit Staaten wie Angola und Sri Lanka.

Wer Staatsanleihen mit einer langen Restlaufzeit kauft, sollte stets die langfristige Entwicklung des Landes im Blick behalten. Die Zukunft der Türkei hängt derzeit vor allem von den Entscheidungen Recep Tayyip Erdogans ab. Zuletzt hat der türkische Präsident ein Raketenabwehrsystem aus Russland gekauft und damit die US-Amerikaner verärgert. Denn die Türkei ist seit 1952 Nato-Mitglied und somit ein militärischer Verbündeter der USA. Der US-Kongress könnte die Türkei mit Sanktionen abstrafen und die Wirtschaft damit weiter in die Krise treiben, fürchten Marktbeobachter.

Macri muss um Wiederwahl fürchten

Auch Argentinien kämpft gegen den Wertverlust der eigenen Währung. Der argentinische Peso hat gegenüber dem US-Dollar Anfang des Jahres dramatisch an Wert verloren – mit gravierenden Folgen für die Teuerungsrate im Land. Sie knackte im Januar die 50-Prozent-Marke. Auch hier bekommen Anleihe-Investoren das höhere Risiko gut bezahlt: Bei neunjährigen Staatsanleihen erhalten Anleger derzeit eine Rendite von rund 24 Prozent, bei vierjährigen sind es sogar über 40 Prozent.


source: tradingeconomics.com

Wie es mit der argentinischen Wirtschaft weitergeht, entscheidet sich im Oktober. Dann wählen die Argentinier ihren neuen Präsidenten. Ende des Jahres 2015 hatte Mauricio Macri den Posten übernommen und versucht seitdem, die Wirtschaft des Landes zu reformieren. Da es der Bevölkerung und Wirtschaft in Argentinien bisher aber nicht besser geht, favorisieren viele Wähler laut Umfrage seine Vorgängerin Cristina Fernández de Kirchner. Sie tritt gemeinsam mit ihren ehemaligen Kabinettschef Alberto Fernández an. Gewinnt das linksausgerichtete Duo die Wahl, drohen Kapitalkontrollen. Die Lage für Anleger würde sich damit aus Sicht von Wirtschaftsforschern stark verschlechtern. Bent Lystbæk, Fondsmanager bei Danske Invest, bleibt dennoch optimistisch: Er geht davon aus, dass Macri erneut gewinnt und Argentinien „nicht zu seinen früheren wirtschaftspolitischen Fehlern zurückkehrt“.

Anleger sollten die Vorwahl im August im Blick haben, um rechtzeitig ihre Strategie anzupassen. Denn oft entscheidet sich schon hier, wer der nächste Präsident Argentiniens wird. Da in Argentinien Wahlpflicht herrscht, stimmt das Ergebnis der Vorwahl in der Regel mit dem der tatsächlichen Wahl überein. Investoren können somit früh abschätzen, ob Macri oder de Kirchner das Rennen machen werden.

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