Kolumne Frauen, achtet auf eure Bedürfnisse – auch auf die finanziellen

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Leistung zeigen, sich überwiegend um Kinder und pflegebedürftige Eltern kümmern. In niedrig entlohnten Berufen das gesellschaftliche Gefüge aufrechterhalten. Das ist die Realität vieler Frauen. Im Alter haben sie dann nur noch wenig Kraft. Und wenig Geld

Die Lebensläufe von Frauen, die in den 50er- und 60er-Jahren geboren wurden, gleichen sich: Sie haben sich fast ihr gesamtes Leben um andere gekümmert, waren verständnisvoll, kompromissbereit, haben für Familie, Kinder, Mann eigene berufliche Ambitionen aufgegeben und persönliche Träume untergeordnet. Sie entsprachen tradierten Verhaltensmustern, die ihnen in der Kindheit von ihren Müttern (und Vätern) im gesellschaftlichen Rahmen von Gesetzen und den Kirchen vorgelebt wurden. So, wie eine Leserin meines Blogs und Newsletters.

Sie antwortete mir, als ich über den Vermögensaufbau von Frauen schrieb. Sie erzählte, dass sie wie viele Frauen ihrer Generation gelernt habe, zuerst auf die Bedürfnisse anderer zu achten als auf die eigenen. Sie habe stets gearbeitet, viele Jahre davon nur in Teilzeit, wegen fehlender Kinder-Betreuungsmöglichkeiten und mangelnder Bereitschaft des Vaters zur Erziehungsarbeit. Trotz gemeinsamen Zusammenlebens finanzierte sie die Kinder allein, weil der Partner trotz eigener Firma nie Geld hatte. Kindesunterhalt zahlte er nicht. Heute, wenige Jahre vor der Rente, fühlt sie sich kraftlos. Rente kann sie wegen der langen Teilzeitarbeit nicht viel erwarten und das Geld für eine zusätzliche Vermögensbildung investierte sie in die Ausbildung ihrer Kinder.

Frauen überlassen die Finanzen sehr oft den Männern

Selbst verheiratete Frauen stehen am Ende eines arbeitsreichen, auf die Familie ausgerichteten Lebens finanziell oft nicht gut da – weil sie geschieden sind, keinen Einblick in die Finanzen der Familie haben oder nicht wissen, ob es überhaupt Vermögen gibt. Klar kenne ich auch Frauen, die die Familienfinanzen gemeinsam mit dem Partner, der Partnerin regeln oder ganz allein. Nur scheint das die Ausnahme zu sein.

Frauen haben aus den geschilderten Gründen – lange Teilzeit oder gar keine Erwerbsarbeit, Wahl gering entlohnter Berufe, Lohndiskriminierung, fehlender Überblick über Familienfinanzen – ein viel höheres Armutsrisiko als Männer. Vor allem, wenn sie alleinstehend oder alleinerziehend sind. So steht es Jahr für Jahr im Armutsbericht der Bundesregierung. Eine grundlegende Veränderung der Geschlechterrollen lasse sich nicht belegen, wie der weiterhin hohe Anteil an Teilzeitbeschäftigung zeige, heißt es im aktuellen 6. Armutsbericht .

Ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft

Ein in doppelter Hinsicht plastisches Beispiel: Mehr als drei Viertel der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen sind Frauen. Sie ermöglichen mit ihrer Arbeit Pflege, Erziehung, Bildung und Chancengleichheit für Kinder und damit zugleich die Erwerbstätigkeit von Millionen von Eltern und Angehörigen.

In ihren Löhnen und beruflichen Perspektiven spiegele sich diese Wichtigkeit für die Gesellschaft allerdings nicht wider, konstatiert der aktuelle Armutsbericht. Ein großes, finanzielles Risiko für Frauen bedeute zudem der Verlust des Partners.

Nicht frei, ohne zu enttäuschen

Ein Schlaglicht auf diese Zusammenhänge warf beim diesjährigen Internationalen Literaturfestival Berlin auch die französisch-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani in ihrer Eröffnungsrede . Frauen, sagte sie, schieben ihre eigenen Bedürfnisse zu oft beiseite. Es sei unmöglich, eine freie Frau zu sein, ohne zu enttäuschen.

Ein starker Satz. Enttäuschen in dem Sinne, nicht den Rollenerwartungen von kompromissbereit, verständnisvoll, eigene Ambitionen zurücknehmend und finanziell abhängig zu entsprechen.

Jedes Jahr am 24. Juli erinnert der „Self Care Day“ daran, auf sich aufzupassen – emotional, mental und körperlich. Dieses wichtige Self-Care-Motto würde ich um das Finanzielle erweitern. Also: Selbstfürsorge auch das eigene, finanzielle Wohlergehen.

Lebenswünsche erlauben, Elternschaft nicht romantisieren

Was das heißt und wie das geht? Finanzen wichtig nehmen. Augen auf bei der Berufswahl, Berufstätigkeit als Eigenverantwortung schätzen, sich regelmäßig fortbilden, Gehalt verhandeln, Elternschaft nicht romantisieren und Kindererziehung und Hausarbeit wirklich partnerschaftlich teilen, bei Teilzeit finanziellen Ausgleich mit dem Partner, der Partnerin verhandeln, Vermögensaufbau als ein Lebensziel begreifen und nicht auf einen rettenden Prinzen warten.

Frauen, die ihre Bedürfnisse ernst nehmen und sie beachten und sich finanziell kümmern, brauchen keinen Retter.

Das Geld der Frauen ist zudem politisch. Frauen sind vielen strukturellen Nachteilen ausgesetzt wie niedrigen Löhnen, Karrierediskriminierung, Teilzeitfallen, nachteiligen Steuerregelungen etc. Die müssen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene gelöst werden, solidarisch mit anderen Frauen und fortschrittlichen Männern.

Das raten ältere Frauen jüngeren

Die Frauen in ihren 60ern beklagen sich nicht über ihre Situation. Was sie tun ist, jüngere Frauen zu warnen, sie aufzuklären und ihnen zu sagen: Passt auf eure Bedürfnisse und Wünsche auf, emotionale, gesundheitliche und vor allem auch finanzielle. Überwiegend für andere zu sorgen, auch mit den wenigen, eigenen finanziellen Mitteln, und nicht für sich, kommt für Frauen spätestens mit der Rente als hart aufschlagender Bumerang zurück. Dann aber ist es zu spät.

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen. Hier finden Sie weitere Kolumnen von Dani Parthum


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