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Haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer absetzen? Da gibt es einiges zu beachten.
Haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer absetzen? Da gibt es einiges zu beachten.Getty Images

Der Brief von der Gemeinde ließ Manuel Müller (Name von der Redaktion geändert), einen frischgebackenen Hausbesitzer im nordhessischen Weserbergland, fast aus den Latschen kippen: Für eine bereits 2013 abgeschlossene Erneuerung der Gehwege präsentierte die Gemeinde ihm und seinen Nachbarn erst 2016 die finale, aber leider bittere Abrechnung. Mal eben 1.969 Euro an Erschließungsbeiträgen sollte er zahlen – mehr als doppelt so viel, wie ursprünglich vom Alt-Bürgermeister in Aussicht gestellt worden war.

Nach Widersprüchen fast aller Nachbarn wurde vor dem Verwaltungsgericht Kassel zwar ein Vergleich geschlossen. „Doch was bleibt, ist Frust bei allen Beteiligten“, sagt Müller. Der Ärger der Anwohner ist umso größer, weil sich auch der Fiskus stur stellt. Denn bislang weigern sich die Finanzämter, Kosten für die Erschließungsbeiträge in der Steuererklärung wenigstens als absetzbare Handwerkerleistungen anzuerkennen – zumindest dann, wenn die Maßnahme außerhalb der Grundstücksgrenze von der öffentlichen Hand erbracht und per kommunalem Bescheid abgerechnet wird. So legt es ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) fest (Az. IV C 8 – S 2296-b/07/10003:008).

Klärung in Sachen Erschließungsbeträge

Doch es gibt Hoffnung, dass sich das bald ändern könnte: Der Bund der Steuerzahler will die Sache mit den Erschließungsbeträgen nämlich in einer neuen Musterklage vom Bundesfinanzhof (BFH, Az. VI R 50/17) klären lassen.

Steuerermäßigungen für Handwerkerdienste und haushaltsnahe Dienstleistungen beschäftigen schon seit Jahren die Justiz bis hoch zu Deutschlands höchstem Steuergericht, dem BFH. „Immer wieder poppen neue Streitfragen auf, die wieder erst durch Gerichtsurteile abschließend geklärt werden“, berichtet Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg aus der Praxis. „Im Kern geht es immer wieder um die Frage, was denn jetzt wirklich als ‚haushaltsnah‘ einzustufen ist“, sagt Wawro.

Inzwischen veröffentlicht das BMF eine ganze Checkliste für Steuerzahler, welche Kosten steuerlich absetzbar sind und welche nicht – oder zumindest noch nicht, da umstritten. Wer die strittigen Fragen kennt und sich auf anhängige Musterprozesse beruft, hat als Steuerzahler die Chance, den eigenen Steuerbescheid per Einspruch anzufechten und offenzuhalten. Denn so profitieren Sie möglicherweise ohne eigenes Prozessrisiko von einem späteren positiven Richterspruch. Diese Strategie könnte sich für betroffene Bürger im Zoff um die Straßenbeiträge ordentlich bezahlt machen – und bei einer ganzen Reihe weiterer Streitfragen.

Doch der Reihe nach: Der Steuerabzug auf Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen ist bares Geld wert – im Maximum sind bis zu 5.710 Euro pro Jahr an Steuerermäßigung drin. Begünstigt sind Kosten für Arbeiten, die normalerweise ein Mitglied des Haushalts selbst machen könnte wie bügeln oder kochen oder Unkraut jäten, für die aber ein Profi angeheuert wird.

Kompliziert, aber es lohnt sich

So können Wohnungseigentümer, Mieter und auch Heimbewohner 20 Prozent ihrer Ausgaben (von insgesamt maximal 28.550 Euro) für die Unterstützung im eigenen Haushalt oder für Handwerker, die ins Haus kommen, von der Steuerlast abziehen. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Kosten nicht bereits aufgrund anderer steuerlicher Vorschriften abzugsfähig sind.

Drei verschiedene Töpfe sind bei Hilfen im Haushalt zu unterscheiden. „Wer seine Kosten klug aufteilt und strategisch vorgeht, kann das Steuersparvolumen besser ausschöpfen“, sagt Wawro.

Eine Haushaltshilfe auf 450-Euro-Basis bringt beispielsweise eine jährliche Steuerersparnis bis zu 510 Euro (20 Prozent von maximal 2.550 Euro Kosten), wenn man sie im Mantelbogen der Steuererklärung in Zeile 71 einträgt. Wichtig dabei: Private Arbeitgeber müssen die Hilfe bei der Minijobzentrale anmelden und am Haushaltsscheckverfahren teilnehmen.