BörsenwertMicrosoft überholt Apple

Microsoft-Chef Satya Nadella bei der Build-Konferenz
Microsoft-Chef Satya Nadella bei der Build-Konferenzdpa

Im März 2009 blickte die Finanzwelt in den Abgrund und auch beim Technologieriesen Microsoft lief kaum mehr etwas zusammen. Auf 12 Euro war der Kurs gefallen, ausgehend vom Dotcom-Hype der 2000er-Jahre ein Rückgang um 80 Prozent. Keine 100 Mrd. Dollar brachte Microsoft als Firmenwert zusammen. Seit dieser Woche wissen alle, wie ein Comeback der Superlative aussieht. Denn im Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Microsoft und Apple ist der Börsenwert des Softwarekonzerns auf 823 Mrd. Dollar geklettert und schiebt sich am iPhone-Hersteller vorbei. Damit ist Microsoft das teuerste Unternehmen der Welt.

Während viele US-Technologieaktien, wie Apple, in den vergangenen Wochen nach unten gerauscht sind, weil Investoren befürchten, dass die mögliche deutliche Abkühlung des Wachstums der Weltwirtschaft den Sektor, der bislang als praktisch konjunkturell immun galt, belasten dürfte, hat das Papier von Microsoft deutlich weniger nachgegeben. Gegenüber dem Rekordhoch von Anfang Oktober steht ein Minus von lediglich acht Prozent zu Buche.

Microsoft Aktie

Microsoft Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Auch hierzulande sind diese Titel gefragt, wie ein Blick in die Umsatzstatistik auf der Handelsplattform Gettex zeigt. Zwar werden Dax-Papiere am stärksten gehandelt, aber kurz dahinter kommen die großen Blue Chips. Bei Microsoft griffen Optimisten vielfach zu, beispielsweise mit dem Turbo-Zertifikat mit Kennnummer MF4SKL ist das möglich. Doch Vorsicht – solche Papiere sind durchaus riskant.

Cloud-Geschäft boomt

Investoren setzen darauf, dass das Geschäft von Microsoft wesentlich stabiler ist als das vieler anderer Tech-Firmen und sich daher trotz der Konjunktureintrübung weiter gut entwickeln könnte. Wachstumsmotor ist das Cloud-Geschäft, dessen Umsatz im vergangenen Quartal um 47 Prozent auf 8,5 Mrd. Dollar nach oben geschossen ist. Damit ist Microsoft im Cloud-Bereich der wichtigste Herausforderer von Branchenprimus Amazon. Gleichzeitig ist diese Sparte des Softwareunternehmens hochprofitabel.

Der Konzern hat Ende Oktober den Kauf der kleinen Softwareentwicklungsplattform Github für 7,5 Mrd. Dollar abgeschlossen. Microsoft ist also nicht nur für das Rennen um das wertvollste Unternehmen der Welt als auch für Geschäfte auf wichtigen Zukunftsfeldern gut gerüstet. Analysten sagen für das laufende Fiskaljahr, das im Juni 2019 endet, ein Umsatzplus von mehr als zehn Prozent auf 124,4 Mrd. Dollar vorher. Der Gewinn je Aktie  soll um 15 Prozent auf 4,44 Dollar zulegen, für das nächste Jahr wird ein Zuwachs auf 5,03 Dollar vorhergesagt.

Akzeptable Risikobewertung

Trotz der Kursrückgänge ist die Volatilität im Vergleich nicht besonders hoch wie Rinol Hasaj, Zertifikatespezialist der Deutschen Bank, erklärt: „Die Volatilitäten der FAANG-Aktien ist bei einem mittelfristigen Anlagehorizont bis zum Juni 2019 ähnlich hoch wie bei Microsoft“. Auch andere Risikofaktoren wie die Bewertung sind vergleichsweise gut: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 21,2 ist vor dem Hintergrund einer operativen Gewinnmarge von rund 33 Prozent gerade noch vertretbar.

Vorsichtige Naturen können übrigens Apple und Microsoft auch im Paket erwerben. Auf den sogenannten GAFAM-Index gibt es ein Zertifikat mit Kennnummer MF1BFP. Es bildet Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft ab. Im Gegensatz zum FAANG-Index (DL2FAN) fehlt also Netflix und der für viele Internetnutzer böse, aber umso erfolgreichere Onkel aus Redmond ist stattdessen dabei.