GeldanlageBörsen-Unruhe: die italienische Angst

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Die EZB soll Schulden streichen

Genau deshalb sind die ansteigenden Renditen für die Staatsanleihen auch so ein Problem: Muss Italiens Regierung künftig höhere Zinsen zahlen, drückt die Schuldenlast noch schwerer. Bei etwa einem Prozentpunkt Zinsaufschlag müsste Italien zusätzlich rund 23 Mrd. Euro im Jahr an Zinsen zahlen. Inklusive der Zusatzausgaben summiert sich das vielleicht auf eine dreistellige Milliardensumme zusammen.

Nun hat das Regierungsbündnis aber schon eine Idee, wie es sich eines Teils seiner Schulden entledigen könnte: Die Europäische Zentralbank soll sie einfach streichen. Die EZB hatte schließlich in den vergangenen Jahren große Mengen europäischer, darunter natürlich auch italienische Staatsanleihen aufgekauft, um die Kurse der Papiere zu stützen und die Regierungen der schuldengeplagten Südländer ebenso. Insgesamt sind Italienanleihen für rund 250 Mrd. Euro in den Depots der Notenbank. Das neue Regierungsbündnis fordert nun, Italien genau diese Schulden zu erlassen, indem die Papiere aus der Statistik gestrichen werden. Es wäre zu schön, wenn Schuldentilgen so einfach wäre.

Es ist jedoch nicht der Staatshaushalt allein, um den sich andere Marktteilnehmer Sorgen machen. Sondern es sind auch die Kredite, die italienische Banken aufgenommen haben. insgesamt belaufen sich die Forderungen ausländischer Banken an italienische Institute auf rund 560 Mrd. Euro. Den größten Batzen davon haben die französischen Banken aufgebracht, nämlich 265 Mrd. Euro. Andere große Gläubiger sind Banken aus Amerika, Japan und den Niederlanden. Deutsche Institute haben immerhin 72 Mrd. Euro jenseits des Brenners investiert. Sie hatten ihre Kredite aber zuletzt stark zurückgefahren, zuvor waren es noch 270 Mrd. Dollar, die sie italienischen Instituten geliehen hatten. Die Angst ist nun, dass mit einer ausufernden Staatsverschuldung auch Banken in die Schieflage geraten könnten und dass sie dann womöglich andere europäische Institute in Mitleidenschaft zögen. Wer derzeit Bankaktien oder Bankanleihen im Depot hat (womöglich noch französische), sollte also noch einmal überdenken, ob er unbedingt an ihnen festhalten will.

Gefahr für Europa?

Die Angst ist groß, dass eine Finanzkrise in Italien eine Schockwelle durch Europa schicken könnte – und letztlich um die Welt. Führende Ökonomen hierzulande mahnen bereits, das Land sei groß und wirtschaftskräftig genug, um eine „Eurokrise 2.0“ auszulösen. Sie sehen die Gefahr einer „Panik an den Finanzmärkten“. Bereits einvernehmlich mahnen auch Ökonomen anderer Länder, Italien müsse sein Wachstum forcieren und Reformen anstreben, statt sie rückabzuwickeln wie es bei der Rente geplant ist. Auch europäische Zentralbanker meldeten sich in den vergangenen Tagen warnend zu Wort: Italien solle lieber über seine Schuldentilgung nachdenken als übers weitere Geldausgeben und sollte dringend die europäischen Haushaltsregeln einhalten. Sie alle rufen dazu auf, die großen Versprechen lieber zu vergessen.

Was lernen nun Anleger daraus? Europa steht unzweifelhaft noch eine turbulente Zeit bevor. Marktbeobachter glauben zwar, dass sich die Europäische Notenbank an ihr Versprechen halten wird, den Euro zu retten „whatever it takes“, das würde bedeuten, dass sie vorerst weiterhin Geld in die Märkte pumpen müsste und weiter Anleihen kauft. Das bedeutete weiterhin extrem niedrige Zinsen und zudem weiter steigende Aktienkurse und Immobilienpreise. Falls all das für die EZB so noch Bestand hat und bezahlbar ist. Vorerst wird es auch bedeuten, dass die Renditen italienischer Papiere wohl weiter steigen. Sie sind aber ein äußerst spekulatives Papier, an dem man sich leicht die Finger verbrennen kann. Und sind die derzeit versprochenen 2,5 Prozent Rendite dafür nicht ein wenig zu mager? Steigt der Ertrag wieder in jene Höhen, die zuletzt 2011 erreicht waren, als es noch 7,5 Prozent Rendite waren, dann kann man höchstens darüber nachdenken, sich hier zu engagieren – wenn man es zum Beispiel zuletzt auch in Griechenland getan hat. Wenn man also extrem abgebrüht ist.

Und deutsche Anleihen erscheinen angesichts der neuen Fluchtwelle von Anlegern in sichere Wertpapiere auch nicht sehr attraktiv. Sie rentieren bei 0,5 Prozent. Bevor man sein Geld zu so mauen Erträgen in so ein Einzelpapier steckt, sollte man sich lieber nach einem guten Rentenfonds umsehen, der aus dem gesamten Auf und Ab der Anleihen in Europa größere Gewinne herausholt – weil er auch von steigenden Kursen profitiert, was Privatanlegern in diesem Markt mit seinen Teilnehmern und Kostenstrukturen so gut wie nie gelingt.

Wer sonst noch gewinnt? Momentan die Währungen. Der Euro leidet zwar und fällt wieder auf 1,16 Dollar zurück. Was allerdings wieder positiv für die Exportfirmen ist, deren Produkte nun wieder billiger im Ausland werden. Das hilft dem Aktienanleger allemal. Erst recht falls die EZB sich zu einem langsameren Ausstieg aus den Anleihenkäufen durchringen würde, um den Markt weiter zu stützen, was den Aktienmarkt weiter anheizen würde. Nicht zuletzt beflügelt das Chaos in Europa nun auch wieder den Schweizer Franken, der klassischerweise als Fluchtwährung gilt. Momentan ist der Franken stark wie lange nicht mehr: Je Euro bekommt man 1,16 Schweizer Franken. Zuvor waren es noch 1,20 Franken. Wer sehr mutig ist, kann daher auch auf den Franken setzen. Wäre auf jeden Fall auch nicht viel gewagter als eine Wette auf Italien.