AktienAnschnallen bei Autoaktien

Weder bestellt noch abgeholt: Deutsche Hersteller parken ihre Autos am neuen Berliner Flughafen zwischen
Weder bestellt noch abgeholt: Deutsche Hersteller parken ihre Autos am neuen Berliner Flughafen zwischenGetty Images

Jammern gehört für gute Kaufleute zwar zum Geschäft, doch in diesem Fall dürfte es ehrliche Besorgnis gewesen sein. Die Sorge von VW-Chef Herbert Diess sieht so aus: Es könnte sein, dass der derzeitige Rückwärtsgang der heimischen Automobilbranche mehr ist als eine kurze Marktdelle. Es könnte sogar sein, dass es der Anfang vom Niedergang der starken deutschen Automobilindustrie ist. Die Chancen dafür, dass deutsche Autobauer in zehn Jahren noch zur Weltspitze gehören stünden 50 zu 50, sagte Diess. Das ist eine faire halbe-halbe-Chance. Aber wer mag darauf als Anleger wirklich wetten? Da könnte man ja ebenso gut eine Münze werfen.

Nun mag es sich bei solchen Äußerungen um das übliche Drohgebaren handeln, dass Unternehmenslenker gerne an den Tag legen, wenn sie finden, dass sie von überbordenden Gesetzen eingeengt werden oder von Auflagen geknebelt. Schließlich ringen dieser Tage Politiker und Hersteller mühsam um Kompromisse bei Dieselautos und Fahrverboten. Und häufig springt die Politik am Ende als Retter der vermeintlich bedrohten Industrie bei, um Arbeitsplätze zu erhalten und die Produktivität am Standort Deutschland zu sichern. So weit kennt man das schon, nicht nur aus der Autoindustrie. Die gesamte Finanzbranche kann viele Geschichten dazu erzählen. Doch selbst Autoexperten wie Ferdinand Dudenhöffer sagen dieser Tage: Die Dominanz der deutschen Autobauer schwinde. Wie gut also steht es wirklich um die hiesigen Hersteller?

Tatsächlich nicht sehr gut. Dazu ein Blick auf das, was zuletzt geschah: Gleich zwei große Produzenten erschreckten ihre Anleger mit schlechten Nachrichten – und zwar ausgerechnet die Premium-Hersteller. Sowohl Daimler als auch BMW meldeten deutlich schlechtere Zahlen für die ersten drei Quartale als im Vorjahr. Bei BMW brach der Gewinn um 24 Prozent zum Vorjahr ein, das operative Ergebnis sank sogar um 26 Prozent. Dass der Rückgang „nur“ so klein ausfiel, verdankten die Münchener dabei vor allem ihrer Finanzsparte, denn in der Autogeschäft ging das Ergebnis sogar um beinahe die Hälfte zurück. Das sind enorme Bremsspuren im Geschäft.

Absatz schrumpft

Woher sie kommen, erklärte der Vorstand so: Es habe eine „Kumulation negativer Effekte“ gegeben sowie viel „Gegenwind“. Damit meinte er die anhaltenden Handelsstreitigkeiten zwischen den beiden größten Absatzländern USA und China. Hinzu kommen steigende Rohstoffpreise und schwankende Währungskurse. Aber er verwies auch auf die „Angebotsverwerfungen“ durch neue Zulassungsverfahren. Und zudem ging der Autoabsatz von Dieselfahrzeugen bei BMW zurück. Rund zwei Prozent weniger Autos verkaufte der Konzern.

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Bei Daimler sah es noch viel schlimmer aus: Um sieben Prozent sackten die Diesel-Verkaufszahlen ab. Insgesamt meldete der Konzern mit dem Stern zwar jüngst Rekordverkaufszahlen, doch die Stuttgarter schrieben sogar Verluste in den ersten neun Monaten des Jahres, 60 Mio. Euro betrug das Minus. Genau wie BMW musste auch Daimler eine Gewinnwarnung veröffentlichen, weil absehbar ist, dass das Unternehmen seine angepeilte Prognose für 2018 nicht erfüllen wird. Als Dritter im Bunde senkte VW ebenfalls seine Gewinnziele. Die Wolfsburger verdienten zwar mehr als im Vorjahr, was allerdings daran liegt, dass VW bereits 2017 große Rückstellungen im Zuge der Dieselaffäre bildete, was den Gewinn besonders im vergangenen Jahr schmälerte. Dennoch wird das Ergebnis im laufenden Jahr kleiner ausfallen als zuvor erhofft.