KolumneBlackrock: Warum Machtmissbrauch nicht das Problem ist

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Risiken für Anleger

Aber auch die Vermögensverwalter selbst müssen sich bewegen. Der Mittelweg aus einem bisschen Transparenz über das Abstimmungsverhalten, einem bisschen Hinterzimmerdiplomatie und einem bisschen Kritik, wo sie den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt, ist ihrer schieren Größe nicht länger angemessen.

Ihr Vormarsch birgt in den großen Themen unserer Zeit – etwa dem Klimawandel und der Nachhaltigkeit allgemein – auch Risiken für Anleger. Wenn ETFs und Indexfonds perspektivisch die letzten Vehikel sind, die in irgendeiner Hinsicht „schmutzige“ Unternehmen überhaupt noch halten dürfen – sei es mit Blick auf fossile Energieträger, Waffen, schlechte Unternehmensführung, Kinderarbeit, prekärer Bezahlung oder ähnlichem – werden die passiven Halter auch diejenigen sein, die den Niedergang der entsprechenden Unternehmen, die aus aktiven Portfolios fliegen (oder regulatorisch fliegen müssen) vollständig mitnehmen werden. Es ist auch nur eine halbgare Lösung, darauf mit immer mehr Indizes und entsprechenden ETFs zu reagieren, in denen sich Anleger ihre Strategie selbst aussuchen sollen.

Je größer passive Investoren sind und je berechenbarer ihr Abstimmungsverhalten, desto geringer auch der Druck auf Unternehmen, im Sinne von Aktionären zu handeln. Die Frage muss erlaubt sein: Verdient ein Vermögensverwalter, der selbst und dessen eigenen Anleger gar kein großes Interesse am Stimmrecht haben, überhaupt jenes Stimmrecht? Diese Frage werden auch die Regulierer bald beantworten müssen, wenn die Quote passiver Investoren immer weiter steigt.

Der US-Broker Sanford Bernstein trieb die Kritik am passiven Verhalten der ETFs 2016 auf die Spitze, als er schrieb, ETFs seien letztlich „schlimmer als Marxismus“. Das mag übertrieben gewesen sein. Dass der ETF-Boom aber die Risiken im Monatstakt erhöht, dass Kapital ineffizient allokiert wird, dürfte unbestritten sein.