KolumneBlackrock: Warum Machtmissbrauch nicht das Problem ist

Seite: 3 von 4

Warum Ärger machen, wenn man dafür weder bezahlt wird noch beauftragt ist?

Die simple Lösung ist daher: Im Zweifel besser nichts tun und vor allem nichts sagen. Im Wortsinn: passiv sein. Das ist gleichwohl in Sachen Öffentlichkeitsarbeit gefährlich. In Sachen Engagement wechseln sich daher markige Ankündigungen in Interviews und „offenen Briefen“, munter ab. Ferner bekennen sich passive Investoren gerne zu einer „Hinterzimmerdiplomatie“, in der man ja hinter verschlossenen Türen Kritik übe und Einfluss nähme. Das ist verständlich aus Anbietersicht: So wird praktischerweise weder transparent noch überprüfbar, was genau da passiert, und man macht sich unangreifbar.

Dass sie dies tatsächlich hinreichend oft tun – Einfluss nehmen –  wäre glaubwürdiger, stünde der selbst betriebene Aufwand branchenweit in einer vernünftigen Relation zu der schieren Anzahl von Unternehmen und Anträgen. Merkwürdigerweise sind in der jüngeren Vergangenheit ex post auch kaum handfeste strategische oder personelle Konflikte bekannt geworden, die passive Investoren entscheidend beeinflusst hätten, kaum je hat sich ein geschasster Chef beklagt.

Das kann daran liegen, dass alle Beteiligten eine perfekte Verschwiegenheit an den Tag legen. Oder aber auch daran, dass in den „Hinterzimmern“ nicht einmal annähernd so viel Macht ausgeübt wird (oder, um im populären Beispiel zu bleiben: man als passiver Investor Immobilienkonzernen Mieterhöhungen nahelegt), wie man sich gemeinhin vorstellt. Kein Wunder, schließt sich hier doch der Kreis zur Frage: Warum Ärger machen, wenn man dafür weder bezahlt wird noch beauftragt ist?

Blackrock und Co. müsse sich der Debatte stellen

Sich gänzlich zurückhalten – das geht gleichwohl auch nicht mehr im Jahr 2018. Da ein aktives Engagement schon logistisch kaum möglich ist angesichts der schieren Zahl Unternehmen, arbeiten passive Anbieter in der Regel (auf ihren Internetseiten kaum aufzufindende) „Checklisten“ ab, auf die sie ihr Abstimmungsverhalten stützen. Vor allem ist der Anreiz groß, aus Zeit- und Effizienzgründen weitere Dienstleister zu nutzen: etwa Berater wie ISS oder Glass Lewis, aber auch Indexanbieter wie MSCI, die schon bei der Konstruktion von Indizes „nach Wunsch“ der Vermögensverwalter agieren. Oder auch Ratingagenturen, die darüber entscheiden, ob ein Unternehmen nachhaltig ist oder nicht und an dessen Urteil sich (nicht nur passive) Vermögensverwalter ketten, etwa über entsprechende Indizes.

Mit derlei Ratingagenturen, Dienstleistern und Indexanbietern wachsen neue Kraftzentren heran, die ihrerseits neue Interessenskonflikte schüren: Aktionärsdienstleister wie ISS geben Abstimmungsempfehlungen – und beraten zugleich Firmen, wie man in den Augen von ISS besser werden kann.

Indexanbieter wie MSCI oder Standard & Poor’s wiederum bewegen mit ihren Entscheidungen tausende Milliarden, wenn sie darüber urteilen, ob oder anhand welcher Regeln Länder oder Unternehmen in bestimmten Indizes ein- oder ausgeschlossen werden. Bezahlt werden sie allerdings von den Lizenznehmern ihrer Indizes  – den Vermögensverwaltern wie Blackrock – so dass kaum zu erwarten ist, dass man die eigene Kundschaft mit teuren und unpopulären Entscheidungen überrascht. Das ist gleichwohl ein Problem, das aktive wie passive Investoren gleichermaßen betrifft.

Die Debatte über die Rolle von passiven Vermögensverwaltern ist daher wichtig – und sie wird wichtiger werden, denn die Branche wächst weiter, die Konzentration nimmt zu, immer weniger Akteure haben immer mehr Mittel. Sie muss dringend auch die neuen Akteure erfassen, die vom Boom passiver Anlagen profitieren, aber kaum hinterfragt werden.