KryptowährungenBitcoin hat in zwei Monaten 200 Milliarden Dollar eingebüßt

Unter 6000-Dollar notierte Bitcoin am Dienstag zwischenzeitlich – und setzte damit seinen rasanten Absturz fort. Die Digitalwährung hat nun bereits über 200 Mrd. Dollar an Marktwert verloren – innerhalb von gerade einmal zwei Monaten.

Der Preis der digitalen Währung rutschte zwischenzeitlich bis auf 5947,40 Dollar ab – und verzeichnete damit laut Research-Anbieter CoinDesk einen Rückgang um 70 Prozent, seit Bitcoin im Dezember ein Rekordhoch von fast 20000 Dollar erreicht hatte. Der Bitcoin-Absturz hatte sich in den letzten Wochen nach weltweiten regulatorischen Maßnahmen auf dem Krypto-Währungsmarkt beschleunigt.

Coins rücken verstärkt in den Blick der Währungshüter

Bitcoin ist zu einer „Kombination aus Blase, Ponzi-Schema und Umweltkatastrophe“ geworden, warnte ein hoher Zentralbank-Beamter am Dienstag und verwies dabei auch auf die große Menge an Elektrizität, die für die Herstellung von Bitcoin benötigt wird.

„Wenn die Behörden nicht präventiv handeln, könnten sich Kryptowährungen stärker mit dem Haupt-Finanzsystem verflechten und zu einer Bedrohung der Finanzstabilität werden“, sagte Agustin Carstens von der der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die als Kreditgeber und Think-Tank für Zentralbanken fungiert. Carstens betonte, dass es ein „starkes Argument für politische Interventionen“ gebe.

Bei einem Stand von rund 6000 US-Dollar verfügt Bitcoin über eine Marktkapitalisierung von etwa 109 Mrd. US-Dollar – was laut Datenanbieter CoinMarketCap ungefähr einem Drittel des gesamten Kryptowährungsmarktes entspricht. Das ist eine der geringsten Gewichtungen, die Bitcoin bislang am Markt hatte. Vor einem Jahr waren es noch 85 Prozent. Darin spiegelt sich die zunehmende Dominanz der so genannten Altcoins – alternativen Versionen von Bitcoin. Dazu gehören auch Äther, Ripple und Litecoin, die in der jüngsten Talfahrt des Kryptowährungsmarktes ebenfalls stark gefallen sind.

Der jüngste Absturz von Bitcoins fällt mit dem dramatischen Einbruch der Aktienmärkte rund um den Globus zusammen. In den USA fiel der Dow Jones Industrial Average am Montag um 1175,21 Punkte, sein bisher größter punktueller Ein-Tages-Rückgang. Der Abverkauf breitete sich auch nach Asien aus, wo die Aktienindizes in Japan, Hongkong und Südkorea am Dienstag ebenfalls starke Einbrüche hinnehmen mussten.

Regulierungs-Schraube zieht rund um den Globus an

Der US-Kongress wird am Dienstag ein Panel über virtuelle Währungen abhalten, mit Anhörungen zweier wichtiger Funktionäre: Jay Clayton, Vorsitzender der Securities and Exchange Commission, und Christopher Giancarlo, Vorsitzender der Commodities Futures Trading Commission. Ein weiteres Zeichen für den regulatorischen Druck auf Bitcoin kam bereits am Montag aus Fernost: Die chinesischen Behörden planen laut Berichten staatlicher Medien, Websites zu blockieren, die mit dem Handel von Kryptowährungen in Verbindung stehen. Es ist der neueste Schritt zur Verschärfung der Kontrollen von der Art von Krypto-Investitionen, die Peking für riskant hält.

China, das bereits den Krypto-Austausch und das Fundraising über digitale Währungen verboten hat, scheint damit nun auch Kanäle für den privaten Handel über Social-Messaging-Anwendungen und ausländische Websites sperren zu wollen.

Bitcoin-Raub durch Nordkorea

Südkoreas Geheimdienst teilte offenbar ebenfalls am Montag gegenüber koreanischen Politikern mit, dass Nordkorea mindestens eine der Krypto-Währungsbörsen des Südens gehackt und etwa 26 Milliarden Won (rund 23 Millionen Dollar) geraubt habe – so Wan-young Yi, einer der Politiker, die dazu unterrichtet wurden.

„Der nationale Nachrichtendienst sagte, dass nordkoreanische Hacker Technologien verwendet haben, die es ihnen ermöglichen, einige der in Südkorea gängigsten Antiviren-Programme zu überwinden und E-Mails an die Währungstauschbörsen gesendet haben, in denen sie sich als Job-Bewerber ausgeben“, sagte Yi. Der Nachrichtendienst habe allerdings nicht gesagt, welche Tauschbörse genau ausgeraubt wurde, so Yi. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap wiederum berichtete unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen aus der Politik, dass nordkoreanische Hacker die Börsen Youbit und Bithumb ins Visier genommen haben könnten. Der Nachrichtendienst untersuche ebenfalls  separate Berichte, dass Nordkorea möglicherweise auch für den Raub von 530 Millionen Dollar aus dem japanischen Krypto-Austausch Coincheck im vergangenen Monat verantwortlich war, fügte Yi hinzu.

Unterdessen kündigten drei der größten US-Kreditkartenunternehmen vergangene Woche an, dass sie es Kunden nicht mehr erlauben würden, ihre Karten zum Kauf von Bitcoin oder anderen digitalen Währungen zu verwenden. In Europa veröffentlichte das Bankhaus Lloyds  am Montag ein ähnliches Verbot.

Derweil gibt es immer noch einen breiten Kreis von Investoren, die glauben, dass sich der Wert der Krypto-Währungen wieder erholen wird. In den letzten fünf Jahren verzeichnete Bitcoin bereits zwei Kursstürze, die stärker waren als der aktuelle Ausverkauf: Im Frühjahr 2013 fiel Bitcoin um 76 Prozent und von November 2013 bis Januar 2015 um 85 Prozent. Beide Male erholte sich der Kurs wieder.

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