VersicherungenBerufsunfähigkeit: Warum Kunden Preissprünge drohen

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Tatsächlich stehen viele Lebensversicherer, die den Schutz bei Berufsunfähigkeit anbieten, enorm unter Druck. Die Zinsflaute macht es ihnen immer schwerer, ordentliche Überschüsse zu erwirtschaften, die sie brauchen, um günstige Beiträge ausweisen zu können. Werden zudem mehr Leistungsfälle gemeldet als gedacht, steigt der Druck auf die Prämien noch weiter.

Was der Grund für die Preissteigerungen der WWK ist, lässt sich von außen kaum ermitteln. Preisgünstig war bei der WWK jedenfalls nur der Nettobeitrag. Anders sah es dann bei der Bruttoprämie aus. Sie lag in einem Tarifbeispiel für Juristen aus dem Jahr 2014 mehr als 100 Prozent über der Nettoprämie – und damit beunruhigend hoch.

Schon in der Vergangenheit gab es immer mal wieder Fälle von steigenden Beiträgen. Das fiel wegen geringer Summen aber nicht so auf. Vorab informiert wird über dieses Risiko meist mehr schlecht als recht. Naturgemäß reden Vertreter nicht gern über mögliche Preisanhebungen, wenn sie einen neuen Vertrag an Land ziehen wollen. So liegt es bei den Kunden, sich über das Kostenrisiko gründlich zu informieren.

Die Spanne zwischen brutto und netto unterscheidet sich je nach Anbieter und Vertrag. Beispiel BU: Für eine monatliche Rente von 1000 Euro verlangt die Iduna von 30-jährigen Architekten laut Analysehaus Morgen & Morgen monatlich 41 Euro (netto). Sie behält sich aber vor, den Betrag auf bis zu 83 Euro (brutto) zu verdoppeln. Im Mittel der ausgewerteten Angebote lag der maximal mögliche Prämienaufschlag bei knapp 50 Prozent – so auch bei den neuen Tarifen der WWK.

 

Vorsicht beim Wechsel

Nicht weniger gefährlich ist allerdings, dass einige Anbieter jetzt enttäuschte Versicherte umwerben und zu einem Wechsel animieren wollen. Gerade bei WWK-Kunden sind sie aktuell mit großen „Sonderaktionen“ auf Werbetour und locken mit allerhand Erleichterungen: Mal ist es der Verzicht auf neue Vertragsfristen (Nürnberger), mal sind es vereinfachte Gesundheitsfragen (Stuttgarter). Die LV 1871 wirbt sogar, bei Paketen ab 15 Policen verzichte sie ganz auf den Gesundheitscheck – als eine Art Mengenrabatt.

Während die Vermittler an solchen Umdeckungen ordentlich verdienen, sollten Kunden höllisch aufpassen: Experten wie Versicherungsberater Stefan Albers warnen eindringlich davor, erneut dem Lockruf günstiger Prämien zu folgen: „Ein Wechsel des BU-Schutzes ist aus Kundensicht – abgesehen von wenigen Ausnahmen – blanker Unfug.“ Die Nachteile eines Umstiegs seien schwer zu überblicken. Und ob der neue Anbieter im nächsten Jahr dann nicht auch die Prämien anhebt, sei ebenfalls nicht ausgemacht.