Ausblick 2018Ein märchenhaftes Börsenjahr

Optimismus überall: Ein New Yorker Börsenhändler mit einer Art 2018-BrilleGetty Images

Wenn die große Hektik am Ende eines Jahres endlich nachlässt, fragt man sich gerne, wie das abgelaufene Jahr denn nun war. Und was wohl als Nächstes kommt. Dahinter steckt immer einerseits die Hoffnung, dass man sich selbst bestätigen kann, dass man – trotz allem – vieles richtig gemacht hat. Das wäre auf jeden Fall die schönste und beruhigendste Nachricht, die man sich selber am Jahresende noch einmal geben könnte. Und selbst wenn man sich eingestehen muss, dass nicht alles optimal gelaufen ist, so birgt das doch den Trost, im nächsten Jahr so manches besser machen zu können, sofern man die bisherigen Schwächen erkannt hat. Die spannende Frage ist nun: Gilt das auch für das kommende Anlegerjahr?

Denn zumindest eines lässt sich inzwischen eindeutig beantworten: 2017 war ein großes Jahr, ein geradezu denkwürdiges, finden Analysten. Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht hatte 2017 mehr zu bieten, als viele gedacht hatten. Wachstum vor allem, deshalb mussten diverse Wirtschaftsforscher und Ökonomen ihre Prognosen erst zuletzt wieder nach oben korrigieren. Aber auch für die allermeisten Anleger war 2017 mit satten Zugewinnen verbunden, denn man muss sich schon sehr bemühen, um einen Bereich zu finden, der in den vergangenen zwölf Monaten nicht wuchs:

Weltweit stiegen die Aktienmärkte um 16 Prozent, die europäischen Werte legten immerhin acht Prozent zu, wobei der deutsche Dax sogar um 14 Prozent kletterte. In den Schwellenländern wie Indien, China, Russland, Brasilien und Co. sind höhere Wachstumsraten üblich und sie enttäuschten mit einer Wertsteigerung von 25 Prozent die Erwartungen auch nicht. Die große Überraschung des Jahres aber waren zweifellos die Vereinigten Staaten von Amerika, die durch ihre industriefreundliche Politik genauso stark wuchsen wie jene aufstrebenden Staaten, nämlich ebenfalls um knapp 25 Prozent. Das hatten zuvor die wenigsten erwartet, auch wenn sie der Wirtschaft der USA nach den Wahlversprechen des neuen US-Präsidenten Donald Trump einiges an Aufwärtspotenzial zugetraut hatten.

 

Zugpferd Technologiewerte

Noch rasanter schossen Techaktien nach oben: Der Nasdaq-Index brachte es auf 31 Prozent, der TecDax sogar auf satte 40 Prozent Kursplus. Manche Marktbeobachter hatten das kommen sehen und deshalb Ende 2016 geraten, stärker auf den Sektor zu setzen. Global gesehen war der Technologiesektor tatsächlich das große Zugpferd, was übrigens auch einer der Hauptgründe dafür war, warum die aufstrebenden Staaten so enorm zulegten. Denn hier machen die Technologiewerte zusammen immerhin rund 30 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung aus. Und auch 2018, so sagen große Fondsmanager, soll ein recht gutes Jahr für Techaktien werden.

Einzig bei den Rohstoffen lief es 2017 nicht ganz so gut. Sie verbuchten eher einen zehnprozentigen Wertverlust auf breiter Front. Und diesmal war nicht das Öl daran schuld, das sich um rund 16 Prozent verteuerte. Aber das Jahr der Superrohstoffe, das noch Ende 2016 einige Analysten vorhergesagt hatten, war 2017 damit auch nicht gerade.

Doch jenseits dieser beruhigenden Vergangenheitsbetrachtung: Was bedeutet all das nun für die Zukunft? Wird es wirklich noch einmal ein Jahr so weitergehen – wo doch schon beim letzten Jahreswechsel alle warnten, der derzeitige ewige Aufschwung werde bestimmt nicht noch ein weiteres Jahr anhalten. Im Grunde dauerte er vielen Marktbeobachtern schon vor Jahresfrist zu lange. Acht Jahre Aufschwung war das nicht schon genug? Nun werden es wirklich neun Jahre sein, oder vielleicht sogar zehn, wenn der Aufschwung auch 2018 noch anhält. Und danach sehe zurzeit alles aus sagen die Prognosen. Die Anleger könnten in Erwartung von 2018 die Sektkorken knallen lassen. Es sei wie beim Märchen von Goldlöckchen, daran fühlen sich derzeit viele erinnert: Dabei findet ein goldgelocktes Wesen eine geradezu paradiesische Hütte mit Essen und weichem Bettchen vor. Und lässt sich dort häuslich nieder. Diese Geschichte erzählen sich Börsianer gerade allen Ernstes.