Dax-KurssturzAm Aktienmarkt macht sich Angst breit

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Auf einmal schoss die Volatilität geradezu explosionsartig in die Höhe. Genau das hatten viele spekulative Kurzfristanleger nicht kommen sehen. Die Folge war eine massenhafte Vernichtung von Kapital mit solchen Volatilitätswetten, vor allem Hedgefonds fuhren sie ein. Ihr Geld verpulverisierte sich geradezu. Nun sind Hedgefonds in Summe nicht so übermäßig groß, dass sie den kompletten Markt bewegen könnten. Doch hier griff zweierlei: Zum einen schnappen natürlich andere Marktteilnehmer die Signale auf, in diesem Fall die wachsende Volatilität und die daraus resultierende Angst. Zum anderen beeinflusst die stärkere Schwankung der Kurse auch den Rest der Fondsindustrie.

VIX Index

VIX Index Chart

Denn viele ihrer Fonds sind an bestimmte Zielmarken bei der Volatilität gekoppelt, das heißt: Wenn sie sich der Strategie verschrieben haben, bevorzugt in Aktien anzulegen, deren Wertschwankungen gering sind, dann bedeutet ein Anstieg der Volatilität, dass sie eine gewisse Anzahl von Papieren verkaufen müssen, um ihre eigenen Volatilitätskennziffern einzuhalten – und das Kapital in sicherere Anlagen umzuschichten. Je mehr dieser Papiere sie aber losschlagen, desto mehr sinken natürlich die Kurse. Die Schwankungen am Markt werden also noch größer. Das bedeutet, dass sie noch weitere Papiere abstoßen müssen. Damit nährt sich der Abschwung quasi selbst. Und auch die Volatilität verselbständigt sich, es gibt einen Verstärkereffekt. Das ist genau das, was zuletzt passiert ist. Oder, wie manche Marktbeobachter es ausdrücken: Die Risikomanager haben in den folgenden Monaten das Sagen am Aktienmarkt, nicht die Fundamentalzahlen.

Was sollte man nun in so einer Situation tun? Das hängt grob gesagt davon ab, ob man nun wirklich eher zur ängstlichen Spezies gehört oder nicht. Und davon, ob man das Kapital, das man zuletzt an der Börse angelegt hat, in absehbarer Zeit braucht, oder nicht – etwa weil man demnächst eine große Anschaffung plant oder vielleicht in drei bis fünf Jahren in den Ruhestand gehen möchte. Man sollte also ebenfalls Risikomanagement betreiben: Wer zur Sorte der Langfristanleger gehört und noch viele Jahre Zeit hat, der kann guten Gewissens versuchen, die Angst an dieser Stelle einfach auszublenden und investiert bleiben. Denn in der Langfristperspektive ergeben sich bei sinkenden Kursen gute Kaufgelegenheiten, für regelmäßige Sparplananleger sowieso. Wer dagegen einen begrenzten Anlagehorizont hat und das Geld demnächst fest für etwas anderes eingeplant hat, der sollte tatsächlich jetzt darüber nachdenken, ob er es nicht wenigstens teilweise aus dem Aktienmarkt abzieht und in etwas risikolosere Vehikel schichtet.

Anleihen werden wieder attraktiver

Es wäre zwar ein Ausstieg, bei dem ein Teil der jüngsten Kursgewinne verlorengegangen wäre. Schließlich steht der Dax derzeit rund zehn Prozent tiefer als noch bei seinem jüngsten Höchststand Ende Januar. Aber immerhin wäre es noch ein rechtzeitiger Ausstieg, bei dem man mit einem breiten Dax-30-Portfolio oder Dax-ETF auf Fünfjahressicht eine 62-prozentige Kurssteigerung eingesackt hätte und auf zehn Jahre sogar 78 Prozent. Das ist eine stolze Rendite. Und so mancher Marktbeobachter erinnert daran, dass sich so ein Ausstieg bei ähnlichen Börsenvorzeichen im Jahre 2000 und 2007 sehr bewährt habe. Zumindest, um nicht den folgenden Abschwung mitzunehmen.

Man muss allerdings auch dazu sagen, dass solche Aussteiger es vermutlich nicht geschafft hätten, nach 2003 und nach 2009 wieder genau den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, um die darauffolgende Hausse voll zu erwischen und wieder von ihren steigenden Kursen zu profitieren. Aber wer aktuell eben nicht jene Zeit mitbringt, um einen möglichen Kursabschwung – wenn er sich denn in größerem Maße fortsetzt – notfalls drei bis fünf Jahre auszusitzen, bis die Kurse wieder das alte Niveau erreicht haben, für den ist das auch kein Kriterium.

Was wäre also die passende Anlagealternative? Anleihen natürlich. Denn mit sinkenden Aktienkursen und steigenden Langfristzinsen werden die Bonds wieder deutlich attraktiver. Vor allem bei Verkaufswellen am Aktienmarkt habe sich bisher die Strategie der „Kernanleihen“ bewährt, so betont etwa der weltgrößte Anleiheninvestor Pimco. Sie hätten genau in diesen Situationen outperformt, sich also besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Vor allem amerikanische Staatsanleihen seien da eine gute Wahl. Deren Rendite liegt zurzeit bei zehnjähriger Laufzeit bei knapp drei Prozent, 2,89 um genau zu sein. Das ist so viel wie seit vier Jahren nicht mehr. Auch Australiens Papiere liegen auf diesem Niveau, Kanadas Anleihen immerhin auf 2,25 Prozent und Norwegen rentiert mit 1,9 Prozent. Und die Renditen dieser Papiere knickten zuletzt deutlich nach oben ab.

Das ist freilich die derzeitige Rendite, die Anleger zu erwarten haben, wenn sie die Papiere wirklich bis zum Ende der Laufzeit halten, also zehn Jahre. Was nun vielen Aussteigern zu lang sein wird. Verkaufen sie die Anleihen vorzeitig, dann kommt es darauf an, wie sich der Kurs bis dahin entwickelt und ob er über den Nennbetrag steigt oder unter diesen fällt. Käme es demnächst zu einem Run auf die Anleihemärkte, dann werden die Kurse eher steigen als fallen. Wer auf Nummer Sicher gehen will, der kauft Anleihen mit kürzeren Laufzeiten, denn auch die drei- bis fünfjährigen US-Anleihen rentieren derzeit bei 2,56 Prozent, die ein- bis dreijährigen immer noch bei 2,77 Prozent. Das ergibt immer noch eine ansehnliche Rendite und sichere Zinsen bis Februar 2020 oder 2021. Egal, was die Aktienmärkte bis dahin treiben.