LebensversicherungAltverträge - Kündigung lohnt selten

Seite: 2 von 2

Gesamtbilanz spricht gegen das Auflösen von Altverträgen

Die Verträge, die betroffen sind, stammen von Mitte 1994 bis Ende 2007. Nicht in allen Policen, die in dieser Zeit abgeschlossen wurden (Lebens-, Renten-, Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen), sind die Widerspruchsbelehrungen außerdem fehlerhaft und dadurch unwirksam. Sondern nur in etwa 60 Prozent der Fälle, hat eine Stichprobe des Bundes der Versicherten ergeben. Nur diese Verträge könnte man nun also ohne Verluste auflösen lassen. Die Frage ist nur: Will man das?

Zwischen 1994 und dem Jahr 2000 lag der Garantiezins der Versicherer immerhin noch bei üppigen vier Prozent. So hoch wie davor und danach nicht wieder. Das heißt also, dass gerade solche Policen sehr hoch verzinste Altverträge sind, von denen sich Sparer bloß nicht voreilig trennen sollten. Bei späteren Policen sank die Verzinsung zwar bis Mitte 2004 auf 3,25 Prozent ab, was aber immer noch mehr ist als das, was viele Kunden heute durch vergleichbare Anlagen erzielen. Lediglich für Verträge, die zwischen 2005 und 2007 geschlossen wurde, wäre dringend zu prüfen, ob sich das Fortführen wirklich lohnt. In dieser Zeit sackte die Garantieverzinsung auf 2,25 Prozent ab. Zudem werden die Auszahlungen von Policen ab 2005 auch üppiger besteuert, wenn sie später zur Auszahlung kommen. Das macht sie erheblich unlukrativer als ältere Modelle.

Auch die bisherige Gesamtbilanz spricht gegen das Auflösen von Altverträgen aus den 90er-Jahren: Wer in den vergangenen 20 Jahren monatlich 100 Euro in eine solche Kapitalpolice gesteckt hat (also von 1994 bis 2014), der hat damit bisher im Schnitt eine Rendite von 4,1 Prozent erzielt, bezogen auf das Geld, was er eingezahlt hat. Und das schon bei einem durchschnittlichen Versicherer. Ist er sogar Kunde bei einem der renditestärksten Versicherer, also bei Europa, Debeka, Cosmos oder HUK Coburg, so sind es sogar mehr als 5 Prozent Ertrag, im Bestfall 5,3 Prozent. Das heißt, er hat bereits aus 24.000 eingezahlten Euro 42.000 bis 43.000 Euro gemacht, wenn die Police ohnehin nur eine mittellange Laufzeit hatte, also 20 Jahre. Mehr wird er sicherlich auch beim Rückabwickeln wohl nicht herausbekommen.

Wo kriegt man eine bessere Rendite?

Nun werden viele antworten: Schön und gut, aber ich habe ja einen Vertrag mit 30 Jahren Laufzeit. Der läuft also noch gut zehn Jahre und die Konditionen werden doch immer schlechter? Dem sei gesagt: Das stimmt zwar, wenn man sich die Lebensversicherungsbranche insgesamt ansieht. Doch erstens rentieren die 30-jährigen Langläuferverträge auch klassischerweise noch einmal höher als die mit 20 Jahren Laufzeit: Für Altverträge, die jetzt auslaufen kann man rund 4,79 Prozent Rendite erwarten – im Marktschnitt. Die besten werfen sogar 5,7 bis 5,8 Prozent Ertrag ab. Selbst wenn es also in den kommenden zehn Jahren schlechter weiterläuft als bisher, könnte am Ende mit Glück bei den besten Versicherern noch eine fünf vor dem Komma stehen.

Zweitens gelten für Verträge von 1994 bis 2000 ja die vier Prozent Garantiezins. Bei ihnen können die Versicherer die Renditen deshalb gar nicht so arg zusammenstreichen wie bei neueren Verträgen. Warum also sollte man sich dieser Garantie für die kommenden zehn, 15 Jahre selbst berauben? Oder andersherum gefragt: Mit welcher anderen Zinsanlage verdient man derzeit garantiert sehr viel mehr? Als Faustregel gilt daher: Ist der Vertrag älter als zehn Jahre, behalten Sie ihn. Ist er jünger, lassen Sie sich von einer Verbraucherzentrale oder beim Bund der Versicherten beraten, wenn Sie zweifeln.