Lebensversicherung20 Fragen und Antworten zu Ihrer Lebensversicherung

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# 14 Warum erhält die Debeka eine Top-Note, obwohl sie zuletzt Verlust machte?

Die Debeka zeigt nach wie vor sehr gute Leistungen: Sie verdient gut am Kapitalmarkt (4 Prozent), glänzt mit günstigen Kosten und kann auf überdurchschnittlich gut gefüllte Reserven verweisen. Anders als die meisten Versicherer hat sie ihre Bewertungsreserven bislang nicht angetastet. Das Problem der Debeka sind die hohen Garantien, für deren Sicherung sie zuletzt mehr als 1 Mrd. Euro aufbringen musste. Das ist ein Warnsignal. Die Regierung hat der Branche jedoch eine Entlastung bei der Besicherung ihrer Garantien in Aussicht gestellt, von der die Debeka profitieren könnte. Fazit: Die fünf Sterne der Koblenzer glänzen heute nicht mehr so hell, aber noch stimmt die Substanz. Debeka-Aktuar Normann Pankratz verspricht: „Wir können auch 2018 eine vernünftige Überschussbeteiligung geben.“

# 15 Wie werden sich die Gutschriften in den kommenden Jahren entwickeln?

Seit Jahren kennen die Überschüsse nur eine Richtung: nach unten. Nach Berechnungen von Morgen & Morgen halbierte sich die in Aussicht gestellte Rendite von klassischen Rentenversicherungen seit dem Jahr 2007 nahezu von vier auf 2,4 Prozent. Dieser Abwärtstrend ist leider stabil. „Im Jahr 2018 wird die Überschussbeteiligung im Branchenschnitt noch einmal spürbar sinken“, prophezeit M&M-Geschäftsführer Peter Schneider. Die Gründe sind leicht zu erklären: Die Unternehmen können am Kapitalmarkt immer weniger verdienen, weil sie ihr Geld vorsichtig anlegen müssen und daher mehr als 90 Prozent in festverzinslichen Wertpapieren wie zum Beispiel Bundesanleihen halten. Mittlerweile streichen Versicherte mit hochverzinsten Altverträgen gar keine Überschüsse mehr ein. Trotzdem machen sie – wie schon oben erwähnt – mit der vergleichsweise hohen Garantieverzinsung immer noch ein gutes Geschäft.

#16 Lohnt es noch, eine neue klassische Lebens- oder Rentenversicherung abzuschließen?

Eindeutig nein. Beim aktuellen Garantiezins von 0,9 Prozent ist häufig nicht mal mehr die Auszahlung der eingezahlten Beiträge gesichert, vor allem bei Versicherungen mit Laufzeiten von weniger als 25 Jahren und bei Unternehmen, die sich immer noch hohe Kosten leisten. Die Garantien sind zu teuer geworden – und auch die Gewinnbeteiligung bleibt absehbar gering. Nur für alle, denen im Alter noch sichere monatliche Einkünfte fehlen, könnte sich eine Sofortrente lohnen, bei der man einmal einen Beitrag einzahlt.

#17 Wie wirkt sich die anhaltende Krise auf die Kunden aus?

Das hängt auch von der Philosophie und Rechtsform des Versicherers ab. Wenn die Margen sinken, bekommen dies am ehesten Kunden börsennotierter Unternehmen zu spüren. Denn Aktionäre verlieren leicht den Spaß am Geschäft und sind schnell vergrault. So ist es vermutlich kein Zufall, dass mit Ergo und Generali gleich zwei große Aktiengesellschaften ihre Bestände stilllegen und Verkaufspläne hegen. De facto legten bislang (fast) nur Aktiengesellschaften ihre Verträge still. Im Gegensatz dazu können die Kunden von Versicherungsvereinen, die zugleich Mitglieder sind, eher erwarten, dass man dort für seine Kunden und Vertragsbestände kämpft.

#18 Was verkaufen die Unternehmen noch, wenn die klassischen Policen wegfallen?

Die Branche setzt verstärkt auf Produkte mit reduzierten Garantien wie index- oder fondsgebundene Renten, die im vergangenen Jahr bereits den größten Anteil am Neugeschäft stellten. Die Leistungen der Tarife sind jedoch selbst für Fachleute schwer einzuschätzen, weil sie sich in Anlage und Garantien enorm unterscheiden. BdV-Chef Kleinlein kritisiert die Angebote als „durch die Bank zu unübersichtlich, zu intransparent und zu teuer“. Tatsächlich hat die Branche das Problem mit den hohen Gebühren nicht gelöst. Kaufinteressenten sollten daher stets nach den Effektivkosten fragen: Ein Renditeabschlag unter einem Prozent ist günstig.

#19 Warum können Produkte mit reduzierten Garantien trotzdem sinnvoll sein?

Im Niedrigzinsumfeld sind Garantien einfach zu teuer, für Versicherer und Vorsorgesparer. Weil der Vermögensaufbau gute Renditen braucht, ist es heute selbst für risikobewusste Kunden sinnvoll, weniger Garantien zu wagen. Auf diesem Feld konkurrieren die neuen Policen direkt mit Fonds und günstigen ETF-Angeboten der Kapitalanlagegesellschaften – und sollten in puncto Kosten, Flexibilität und Auswahl mithalten können. Hier gibt es allerdings bei etlichen Anbietern noch Luft nach oben.

#20 Wie viel Garantie ist denn heute noch sinnvoll?

Das hängt vom persönlichen Sicherheitsbedürfnis des Kunden ab. Die Deutschen tun sich traditionell schwer mit den Risiken des Kapitalmarktes und setzen lieber auf Anlagen mit hohen Sicherheiten. „Wer Risiken nicht gut verkraftet, sollte ein relativ hohes Garantieniveau zwischen 100 und 80 Prozent der eingezahlten Beiträge anpeilen“, empfiehlt Thorsten Saal, Bereichsleiter Mathematik bei Morgen & Morgen. Bei Top-Produkten mit leicht reduzierten Garantien sei das Verlustrisiko relativ gering, wenn der Kunde bis zum Ende durchhält. Im Prinzip gilt jedoch: Je höher die Garantie, desto unwahrscheinlicher werden Spitzenrenditen. Für Vorsorgesparer mit stärkeren Nerven macht es laut Experte Saal daher mehr Sinn, ganz auf Garantien zu verzichten, als eine Mini-Sicherheit von 50 Prozent einzukaufen – und dafür Renditechancen aufzugeben.