Lebensversicherung20 Fragen und Antworten zu Ihrer Lebensversicherung

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#7 Woran erkenne ich noch, ob ich einen Vertrag halten oder loswerden sollte?

Neben dem Abschlusszeitpunkt gibt es zwei weitere Kriterien:

  • Leistung: Millionen Vorsorgeverträge enthalten einen Schutz für den Fall der Berufsunfähigkeit. Eine solche BU-Rente ist schwer zu ersetzen und kann daher ein K.-o.-Kriterium für den Ausstieg sein.
  • Schulden: Wer nach einem Hausbau noch Kredite bedienen muss, kann das Geld aus einer Police meist gewinnbringender für Sondertilgungen nutzen oder Darlehen komplett ablösen. Tendenz: eher aussteigen.

#8 Gibt es einen einfachen Check für die persönliche Entscheidung?

Leider nein. Schon wegen der unterschiedlichen Vertragsarten ist die Entscheidung komplex. Rürup-Verträge etwa sind unkündbar. Nach Ansicht von Praktikern wie Versicherungsberater Stefan Albers bietet nur eine exakte Vertragsanalyse die Grundlage für eine vernünftige Entscheidung: „Ich hatte schon Verträge, die trotz Steuerfreiheit nicht rentierten, weil von 100 Euro Beitrag allein 40 für Kosten draufgingen.“ Das sehe der Kunde aber nicht. Für alle, die selbst kalkulieren wollen, hat der Bund der Versicherten einen Onlinerechner, mit dem sich die Rentabilität von Policen gratis überprüfen lässt: bundderversicherten.de

#9 Gibt es einen Trick, um unrentable Policen ohne Verluste loszuwerden?

Ja! Millionen Kunden können ihren Vertrag ganz legal widerrufen und so die eingezahlten Beiträge nahezu komplett zurückholen. Die Grundlage dafür hat der Bundesgerichtshof gelegt. Viele Versicherer haben bei Vertragsabschlüssen zwischen Mitte 1994 und Ende 2007 fehlerhaft informiert. Die Richter gestanden diesen Versicherten ein „ewiges“ Widerrufsrecht zu (Az: IV ZR 76/11). Im Ergebnis muss der Versicherer den Vertrag rückabwickeln, so, als hätte es ihn nie gegeben. Die Krux an der Sache ist, dass viele Unternehmen sich energisch wehren. Die Verbraucherzentrale Hamburg bietet einen Onlinerechner, mit dem sich im ersten Schritt die Rückzahlung überschlägig ermitteln lässt (vzhh.de). Danach können Kunden entscheiden, ob es lohnt, den Vertrag juristisch prüfen zu lassen. Mittlerweile helfen auch spezialisierte Legal-Techs weiter.

#10 Wo finde ich einen Fachmann, wenn mir alles zu aufwendig oder heikel ist?

Wer vor den juristischen Details zurückschreckt, kann die Prüfung auch unabhängigen Experten überlassen. Der Bund der Versicherten steht Mitgliedern bei Fragen rund um Vertragskündigung oder Widerruf zur Seite (Jahresbeitrag: 60 Euro). Bei größeren Summen lohnt es oft, einen Versicherungsberater zu engagieren (Adressen: bvvb.de).

#11 Wie groß ist das Risiko, dass ein Versicherer pleitegeht?

Das weiß im Augenblick leider niemand genau. Die Lage verschärft sich, weil die Unternehmen zugleich hohe Garantien und Eigenkapitalanforderungen bedienen müssen. Das führt zu Verwerfungen in den Bilanzen. Auf der anderen Seite hat die Branche noch Reserven, und die Bafin wacht über die Solvenz. Nach ihrem jüngsten Bericht erfüllten Ende 2016 alle Anbieter in Deutschland die Solvenzanforderungen, 35 Versicherer beobachtet sie intensiv. Zur aktuellen Situation und einzelnen Anbietern schweigt die Behörde jedoch beharrlich. „Das ist ein Unding“, sagt BdV-Chef Kleinlein. Er forderte die Bafin unlängst auf, konkret zu benennen, welcher Versicherer stabil ist und „wer über dem Abgrund trudelt“. Klar ist: Kunden sollten ihre Gesellschaft im Blick behalten. Auf keinen Fall sollte man aber rentable Verträge aufgrund vager Risiken kündigen.

#12 Welcher Teil meines Geldes ist im Pleitefall auf jeden Fall sicher?

Alle garantierten Zusagen sind gesichert – dazu zählen die garantierte Summe sowie alle Überschüsse, die dem Kundenkonto bereits gutgeschrieben wurden. Das ist der Löwenanteil des Geldes. Gerät ein deutsches Unternehmen in Schieflage, springt der gesetzliche Sicherungsfonds Protektor ein und übernimmt auch den Versicherungsschutz.

#13 Wie stehen die Lebensversicherer nach der aktuellen Bilanzanalyse da?

„Die Branche hält sich wacker, auch wenn viel Gesellschaften inzwischen enorm unter ihren hohen Zinszusagen für alte Verträge leiden“, sagt Peter Schneider, Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen. Seine Analysten prüften den aktuellen Bilanzjahrgang von 66 Unternehmen, die mehr als 90 Prozent des gesamten Marktes repräsentieren. Im Vergleich schnitten Ergo und Generali, die Bestände abwickeln oder verkaufen wollen, mit „schwach“ beziehungsweise „sehr schwach“ ab. An der Spitze mit fünf Sternen konnten sich immerhin sieben Versicherer halten: die Allianz, Alte Leipziger, Debeka, Europa, Hannoversche Leben, die R+V a.G. sowie die WGV.