Lebensversicherung20 Fragen und Antworten zu Ihrer Lebensversicherung

Die klassische Lebensversicherung gehört immer noch zu den Säulen der Altersvorsorge in DeutschlandGetty Images

Die Entwarnung für Millionen Kunden der Ergo kam an einem Abend Ende November: Man werde den Bestand an klassischen Lebensversicherungen „weiterhin unter eigener Regie verwalten“, erklärte Ergo-Chef Markus Rieß. Ein möglicher Verkauf sei vom Tisch. Keiner der Interessenten hatte aus Sicht des Vorstandes ein attraktives Angebot vorgelegt.

Für die Versicherten ist diese Entwicklung eine gute Nachricht. Zwar werden rund sechs Millionen Verträge der Ergo Leben, Ergo Pensionskasse und Victoria Leben ab Januar auf ein Abstellgleis geschoben und intern nurmehr abgewickelt, aber immerhin wird der Konzern weiterhin mit seinem Namen dafür einstehen, dass die Kunden fair behandelt werden. Im Vergleich zu einem Verkauf an Finanzinvestoren ist das auch aus Sicht von Verbraucherschützern das kleinere Übel.

Die Absetzbewegungen im Markt sind dennoch nicht zu übersehen: Immer mehr Lebensversicherer erwägen den Verkauf von klassischen Policenbeständen, die in der andauernden Niedrigzinsphase ihre Bücher belasten. So hat etwa die Generali Leben angekündigt, im Frühjahr 2018 ihren Altbestand mit vier Millionen Verträgen abwickeln zu wollen. Ein späterer Verkauf ist ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Strikt ökonomisch betrachtet, sind die Verkaufspläne der Vorstände verständlich. An den Verträgen hängen schließlich heikle Verpflichtungen: hohe Kapitalgarantien, die in der Ära Niedrigzins mehr Risiken als Chancen bergen. Auch die Aktionäre wissen das. Die Generali wirbt bei Investoren etwa, ein Schnitt ermögliche neues Wachstum.

So entwickelt sich der Versicherungsmarkt immer mehr zum Policen-Monopoly. Abschließen und abheften, das war einmal. Auch Kunden müssen nun schnell reagieren, wenn sie ihre Interessen wahren wollen. Capital liefert Antworten auf die drängendsten Fragen – und ergänzt das Paket mit dem Lebensversicherungs-Rating von Morgen & Morgen für 66 Gesellschaften.

#1 Beteiligen sich neben der Generali noch andere Marktriesen am Ausverkauf?

In den Medien tauchen immer wieder zwei Namen auf: AachenMünchener und Axa. Beide dementieren jedoch. Die AachenMünchener, die zum Generali-Konzern gehört, soll zwar als Marke verschwinden, laufende Verträge würden aber – so ein Sprecher – nicht stillgelegt oder veräußert. Auch Axa widerspricht: Ein solcher Schritt sei „nicht geplant“. Langsam schwant der Branche wohl, wie sehr der geplante Ausverkauf die Kunden verunsichert. Markus Faulhaber, Chef der Allianz Leben, beruhigte seine Vertriebsleute jedenfalls eilends: „Für die Allianz ist das kein Thema.“ Man wolle weiterhin Kunden gewinnen, nicht loswerden.

#2 Welche Verträge zählen eigentlich alle zu den Lebensversicherungen?

In erster Linie geht es bei den aktuellen Plänen der Versicherer um private Kapitallebens- und Rentenversicherungen. Allerdings können auch betriebliche Verträge betroffen sein. Auch staatlich geförderte Riesterpolicen können je nach Anbieter zur Abwicklungsmasse zählen. Für fondsgebundene Policen hingegen ist ein solcher Schritt eher unwahrscheinlich. Wer wissen will, ob es seinen konkreten Vertrag trifft, sollte direkt beim Anbieter nachfragen.

#3 Kann ich ein Veto gegen Abwicklung oder Verkauf einlegen?

Leider nein. Die Versicherungsaufsicht Bafin muss dem Verkauf von Policen allerdings zustimmen – was sie schon tat, jüngst zum Beispiel bei der Basler. Bedingung ist aber, dass kein einziger Kunde dadurch schlechter gestellt wird. Insofern ist die Bafin die letzte Sicherungslinie für Kunden und nimmt auch Beschwerden entgegen. Liegt ihre Genehmigung vor, bleibt Kunden nur der Klageweg – mit geringen Erfolgsaussichten.

#4 Was bedeuten Abwicklung oder Verkauf für die Gewinnaussichten meines Vertrags?

Nichts Gutes. Die Aufsicht achtet zwar strikt darauf, dass die Versicherer alle Garantien erfüllen. Bei den variablen Gewinnen haben die Unternehmen jedoch reichlich Spielraum. Und sowohl bei der Abwicklung wie beim Verkauf fehlt den Gesellschaften der Anreiz, weiter hohe Überschüsse an die Kunden auszukehren.

#5 Ist es sinnvoll, im Abwicklungsfall die Versicherung fortzusetzen?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Es kommt zum Beispiel auf Versicherungsschutz, Garantien und die persönliche Situation an. Die Stilllegung der Policen oder Verkaufspläne sind aber ein guter Anlass, um laufende Verträge zu überprüfen. Es gibt meist drei Optionen: weiterzahlen, beitragsfrei stellen oder aussteigen. Diese Möglichkeiten stehen generell allen Kunden offen.

#6 Gibt es denn gar keine Verträge mehr, die sich noch lohnen?

Doch, sogar eine ganze Menge. Ältere Policen, die in den Jahren vor 2005 abgeschlossen wurden, enthalten hohe Zinsgarantien und liefern daher häufig noch lukrative Erträge von 1,5 bis 3 Prozent jährlich – in aller Regel steuerfrei. Eine bessere festverzinsliche Geldanlage findet man aktuell nirgendwo. Außerdem lohnt es normalerweise, Lebensversicherungen durchzuhalten, die nur wenige Jahre vor der Auszahlung stehen, um die in Aussicht gestellten Schlussüberschüsse mitzunehmen.