RuhestandSo können Selbstständige fürs Alter vorsorgen

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Viele der 4,4 Millionen Selbstständigen sind gut aufgestellt

Doch wie viel wird dieser Betrieb in einigen Jahren wert sein? Auch darüber sorgen sich die Selbstständigen. Die Studie ermittelte, dass viele Freiberufler zurzeit fürchten, ihre Betriebe später nicht zum erhofften Preis an die nächste Berufsgeneration weitergeben zu können, sondern nur weit unter Wert. Viele Ärzte auf dem Land sind darunter vermutlich, weil die Praxisübergabe dort nicht einfacher geworden ist. Dennoch können Mediziner davon ausgehen, so sagen Branchenzahlen, mit dem Verkauf ihrer Betriebe rund 77.000 Euro zu erzielen, wenn sie Hausärzte sind, bei Orthopäden gelten eher 275.000 Euro als Durchschnittswert, Zahnarztpraxen werden je nach Ertragslage zwischen 100.000 und 400.000 Euro angeboten. Ein annähernd sechsstelliger Betrag könnte also noch einmal drin sein. Nur, wie weit kommt man damit im Alter? Da fürchten besonders Mediziner, dass das Vermögen höchstens für rund 13 Jahre reichen werde, wenn sie es im Ruhestand verzehren müssen. Andere Freiberufler gehen immerhin von 23 Jahren aus. Wir werden nachher berechnen, ob sie damit richtig liegen.

Auch andere Erhebungen geben erst einmal grundsätzlich Entwarnung und sagen, dass viele der rund 4,4 Millionen Selbstständigen hierzulande recht gut aufgestellt sind: Über die Hälfte von ihnen haben sogar gesetzliche Rentenansprüche erworben, wenn auch nur kleine. Schließlich waren viele von ihnen vor der eigenen Firmengründung einige Jahre, manche auch Jahrzehnte als Angestellte beschäftigt. Wer heute nicht mehr in die Rentenkasse einzahlt – oder es noch nie tat – der besitzt oft eine private kapitalbildende Lebensversicherung (48 Prozent der Selbstständigen) oder Rentenversicherung (31 Prozent), sagen Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW. Zudem besäßen zwei Drittel derer, die durchs gesetzliche Rentenraster fallen, Immobilien sowie zusätzlich über ein Geld- und Anlagevermögen von 100.000 Euro. 40 Prozent von ihnen brächten es sogar auf 250.000 Euro Geldvermögen. Das heißt: Wer keine Pflichteinzahlungen in die Rentekasse tätigt, der ist nicht mehrheitlich arm, sondern er hat privat besonders gut vorgesorgt. Genau so stellt man es sich ja auch vor.

Die Zahl derjenigen, die keine gesetzlichen Rentenbeiträge leisten, auch in keinem berufsständischen Versorgungswerk Mitglied sind UND zudem keine private Altersvorsorge betreiben, ist zwar auch in diesen Erhebungen nicht beziffert. Theoretisch könnten es rund zwei Millionen Soloselbstständige sein. Tatsächlich aber dürfte diese Gruppe der Unterversorgten kleiner sein. Sie ist auf jeden Fall diejenige, die sich berechtigterweise Sorgen machen müsste, aber auch noch einiges tun könnte, wenn sie jetzt mit dem Sparen beginnen würde: Also, Freiberufler aller Branchen, verselbstständigt das Sparen! Und überweist zumindest 100 Euro jeden Monat automatisch auf ein gesondertes Konto, damit es Euch am Lebensabend hilft.

Minimalprogramm für Spätstarter

Wie viel das noch bringen kann – und was die übrigen Selbstständigen erwartet, zeigen diese Rechnungen: Angenommen ein 47-jähriger Freiberufler spart jeden Monat 100 Euro und steckt das Geld in einen Aktien-ETF-Sparplan, der ihm langfristig rund sechs Prozent Rendite jährlich ermöglicht und kaum Kosten verursacht, dann hätte er bei Renteneintritt rund 45.600 Euro beisammen. Das ergibt keine üppige Monatsrente, sondern „nur“ rund 200 Euro Zusatzeinkommen, zumindest, wenn er das Geld dann auf die Bank packt (zu einem Zins von 1,4 Prozent, der selbst jetzt mit größeren Summen zu erzielen ist) und es sich mit einem Entnahmeplan auszahlen lässt. Es würde allerdings auch 23 Jahre reichen, also bis er 90 Jahre alt ist. Man muss allerdings auch sagen: Dies wäre das absolute Minimalprogramm für einen völligen Spätstarter. In der Regel schwant den Bedürftigen aber entweder schon eher, dass sie endlich anfangen müssten, oder sie legen auch entsprechend mehr Geld zurück. Dann nämlich sieht die Rechnung schon ganz anders aus:

Angenommen der 47-jährige Spätstarter kann monatlich zusätzlich 200 Euro zurücklegen. Dann beträgt sein Vermögen zu Rentenbeginn schon beachtliche 91.000 Euro. Ungefähr genauso viel kommt übrigens heraus, wenn der Starter zwar nur 100 Euro sparen kann, aber dafür zehn Jahre früher damit anfängt. Nach 30 Jahren nämlich hat er dann 95.000 Euro zusammen. Dann wären immerhin schon 400 Euro Monatsrente drin. Wer 40 Jahre spart (also von 27 bis 67), der kommt bereits auf 191.000 Euro (bei 100 Euro Sparrate, das ergibt 800 Euro Rente) oder auf beachtliche 383.000 Euro, wenn er 200 Euro Rücklagen im Monat aufbringt. Spätestens dieser Betrag sollte ein echter Anreiz für den Frühstart sein. Denn er bedeutet: Wer bereits mit 27 Jahren das Sparen beginnt, der kann sich später eine private Extrarente von gut 1600 Euro auszahlen. Das ist mehr als die meisten Rentnerhaushalte hierzulande aus der gesetzlichen Rente zu erwarten haben, bei erheblich höheren Einzahlungen.

Nun muss dafür natürlich auch der Kapitalmarkt mitspielen und die sechs Prozent Rendite langfristig erwirtschaften. Bisher jedoch war das in den vergangenen 50 Jahren und mehr kein Thema. Solche Renditen waren drin. Häufig sogar noch ein wenig mehr.