SerieAlternative Wertanlagen: Schreibwerkzeuge

Unsere Beispiele stammen aus dem Buch „Ungewöhnliche Wertanlagen“, das beim UVK Verlag erschienen ist. Der Autor  Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen

Edle Füllfederhalter sind nicht nur das schicke und gediegene Accessoire vieler Führungskräfte, sondern oft ein unverkennbares Statussymbol und eine Geldanlage. Seitdem Tablets, Smartphones und Notebooks ihren Siegeszug angetreten haben, sind handschriftliche Notizen schon beinahe ein kost- bares Relikt aus anderen Zeiten.

Ein edles Stück ist der Füllfederhalter von Pelikan „Blue Ocean“, der nur in einer Stückzahl von 4000 auf den Markt kam, und bereits bei seinem Debüt einen Preis von 400 Euro erzielte. Schon nach einigen Jahren vervielfachte sich der Wert.

Die gesamte Spannbreite bei Füllfederhaltern bewegt sich zwischen 50 Euro und 20.000 Euro. Als führender Hersteller gilt Montblanc, der durch limitierte Editionen unzählige Sammler für sich gewinnen konnte. Berühmtheit erlangten die zahlreichen Musiker- und Dichtereditionen, mit denen klangvolle Namen wie Voltaire, Mozart, Franz Kafka und Chopin zu neuen Ehren gelangten. Auch der amerikanische Horrorschriftsteller Edgar Allan Poe und der Abenteurer Ernest Hemingway mussten ihren Namen für Füllfederhalter zur Verfügung stellen.

Für Aufsehen sorgte die bekannte Edition „Patron of Art“, die als eine Hommage für Mäzenaten ins Leben gerufen wurde.

Buchcover Ungewöhnliche Wertanlagen

Kunstsinnige Stifter und beflissene Kunstliebhaber wie Lorenzo di Medici, die Geliebte des französischen Sonnenkönigs, Madame Pompadour, und Papst Julius II. erhielten eine Widmung. Der Füllfederhalter Julius II. sticht besonders hervor: Das exquisite und unvergleichliche Schreibwerkzeug verfügt über eine 18-karätige Goldfeder mit dem Siegel des Papstes. Wenn man bedenkt, dass zu Jesu Zeiten noch ein schlichtes Schilfrohr über raues Papyrus kratzte!

Ebenso luxuriös ist der achteckige Füller, der „Lorenzo di Medici“ auszeichnet. Der Füllfederhalter wurde 1992 vorgestellt und zu einem Preis von 2500 DM verkauft. Ende der neunziger Jahre musste man bereits 15.000 DM berappen, um sich das wertvolle Stück zulegen zu können. Nach der Jahrtausendwende gab der Preis allerdings wieder nach.

Doch der Luxus lässt sich noch weitaus erhöhen. Als Montblanc das 75. Unternehmensjubiläum zelebrierte, wurden exklusiv 75 Füllfederhalter entworfen, die den Namen „Skeleton“ tragen. Aufgrund der äußerst niedrigen Auflage kostete allein ein solches Kleinod schlappe 51.000 DM.

Die Traditionsfirma Pelikan, die durch ihre Schulfüller noch heute eine hohe Reputation genießt, entwarf etliche Editionen, die der griechischen Mythologie verpflichtet sind. „Hercules“ ist ein Beispiel dafür. Aber auch eine Edition „Wall Street“ bediente eine wichtige Zielgruppe, die an dem edlen Schreibwerkzeug Gefallen fand.

Selbst Faber Castell entwarf mehrere Füllfederhalter. Berühmtheit erlangte der Bernsteinfüller, der mit mehreren Bernsteinringen verziert ist. Schon die Erstausgabe kostete 2000 Euro.

9 Regeln für das Sammeln von Füllfederhaltern

Falls Sie nun davon träumen, mit einem Diamanten übersäten, goldenen Füllfederhalter Ihren Arbeitsvertrag zu unterzeichnen, kann ich Ihnen nur abraten. Denn solche edlen und exquisiten Schreibwerkzeuge dürfen leider niemals in der Praxis verwendet werden. Eine horrende Wertminderung wäre die Folge.

Ernsthafte Investoren bunkern die Füllfederhalter in der Originalverpackung in Bankschließfächern.

• Konzentrieren Sie sich auf limitierte Editionen von hoch angesehenen Herstellern wie Montblanc und anderen.

• Packen Sie die Füllfederhalter nicht aus, und schreiben Sie niemals damit, so bitter das auch für Sie sein mag.

• Als Investments eignen sich vor allem historische Füllfederhalter aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Solche Füller werden als „Vintage Pens“ bezeichnet.

• Einen Füllfederhalter sollten Sie mindestens fünf bis zehn Jahre aufbewahren, ehe Sie ihn wieder veräußern.

• Befassen Sie sich ausführlich mit dem Thema, und lesen Sie die einschlägige Fachliteratur. Nicht alle Füller, auch wenn sie von den Herstellern geschickt vermarktet werden, eignen sich zum Sammeln.

• Setzen Sie auf Marken, die bereits in der Vergangenheit hohe Wertsteigerungen erzielten.

• In der Praxis erreichen schlicht designte Füller eines renommierten Herstellers aus den vergangenen Jahrzehnten oft größere Wertsteigerungen als überladene Neukreationen mit Brillanten.

• Nur hochwertige Füllfederhalter haben langfristig eine Chance auf eine Wertsteigerung. Die kunstvolle und liebevolle Verarbeitung bis ins Detail spielt eine große Rolle. Gewöhnliche Füller, die durch eine äußerliche Dekoration aufgewertet werden, gehören nicht dazu.

• Kaufen Sie solche edlen Füllfederhalter nur in autorisierten Fachgeschäften oder auf anerkannten Fachauktionen. Auf vermeintliche Billigschnäppchen aus dem Internet sollten Sie besser verzichten; denn es kann sich um Fälschungen handeln.