VermögenAllianz Global Wealth Report: Die Welt spart sich aus der Krise

Die „forced savings“ sind in der Pandemie stark angestiegen.IMAGO / Bihlmayerfotografie

Die Welt hat sich aus der Krise gespart – zu diesem Schluss kommt die zwölfte Ausgabe des Allianz Global Wealth Reports, der das Geldvermögen und die Verschuldung der privaten Haushalte in fast 60 Ländern analysiert. Das weltweite Geldvermögen stieg im vergangenen Jahr um 9,7 Prozent und knackte damit erstmals die Marke von 200 Billionen Euro – trotz der Corona-Pandemie.

Grund dafür sind die riesigen, von Geld- und Fiskalpolitik mobilisierten Summen, die die Einkommen stabilisiert und für eine Erholung der Aktienmärkte gesorgt haben. Außerdem waren viele in der Pandemie regelrecht gezwungen zu sparen: Während der Lockdown-Phasen konnten die Menschen nicht in Restaurants gehen, nicht ins Kino, nicht verreisen – die Konsummöglichkeiten waren stark eingeschränkt. Entsprechen stiegen im vergangenen Jahr die „forced savings“ an: Zuflüsse in Bankkonten verdreifachten sich, frische Spargelder erreichten einen neuen Rekordwert von 5,2 Billionen Euro, Bankeinlagen stiegen um 11,9 Prozent.

Die fortschreitende Impfkampagne, die Wiedereröffnung der Wirtschaft, die sinkende Wahrscheinlichkeit neuer Lockdowns und dazu die gleichzeitig weiterhin lockere Geld- und Fiskalpolitik – all das stimmt die Studienautoren für das laufende Jahr optimistisch: Insgesamt, so Allianz-Chef-Ökonom Ludovic Subran, dürfe der Höhepunkt zwar überwunden sein, ganz erholt habe sich die Welt von der Pandemie noch nicht. „Die Unsicherheit hat aber auch ihr Gutes: Die Fiskal- und Geldpolitik dürften noch länger unterstützend bleiben, trotz hoher Inflation“, sagt er. Die Studienautoren gehen davon aus, dass das globale Geldvermögen im Jahr 2021 um sieben Prozent wachsen wird. Die Sparquote bleibe hoch, die Märkte gäben weiter Rückenwind, so Subran.

Sozialtransfers zeigen Wirkung

Er warnt aber vor zu großer Zuversicht: Viele Haushalte würden nicht wirklich sparen, sondern ihr Geld einfach beiseitelegen. „All dieses untätige Geld ist eine verpasste Chance“, sagt er. Die Menschen sollten stattdessen in ihren Ruhestand und die grüne Transformation investieren. „Nur so können die Gesellschaften die gewaltigen Herausforderungen, die vor uns liegen, Klimawandel und Alterung, meister.“ Er befürchte, dass die Haushalte die gesparten Gelder für nachgeholten Konsum nutzten und die Inflation so weiter anfachen.

Das Corona-Jahr sorgte zudem für eine Trandwende: Die Vermögensmittelklasse schrumpfte nicht mehr weiter, wie sie das bisher getan hatte. Das liege vor allem an den Sozialtransfers, meinen die Studienautoren – und prognostizieren, dass diese Entwicklung aber nicht von Dauer sein dürfte. „Wenn die Staatshilfen auslaufen, werden die direkten Folgen der Krise – der Verlust von Millionen Arbeitsplätzen – wieder direkt spürbar werden“, schreiben sie.

Und auch zwischen den Ländern droht die Ungleichheit größer zu werden: Sehr wahrscheinlich werde Covid-19 das Wirtschaftswachstum von ärmeren Ländern deutlich länger belasten als das der Industrieländer, sagt Patricia Pelayo Romero, Mitautorin des Reports. „Das allmähliche Schließen der Wohlstandslücke – die bestimmende Entwicklung der letzten Jahrzehnte – ist kein Selbstläufer mehr.“

Wertpapiere als Haupttreiber

Deutschland verbesserte sich im Ranking der reichsten Länder um einen Platz auf Rang 18 mit einem Netto-Geldvermögen von 61.760 Euro pro Kopf. Das liege vor allem an fehlendem Pensionsvermögen, erklärt Arne Holzhausen, Leiter Insurance & Wealth Markets bei der Allianz. „Es hat einen Grund, dass die Länder vorne stehen, die auch in unserem Global Pension Report auf den Spitzenplätzen liegen“, sagt er. Auf Platz eins der Länder mit dem größten Netto-Geldvermögen liegen weiterhin die USA, die insgesamt einen Sonderfall darstellen, denn sie zählen auch zu den Wachstumsspitzenreitern. „Das ist wirklich erstaunlich“, sagt Holzhausen.

Insgesamt könnte sich die Krise wohl noch länger auf die soziale Ungleichheit auswirken – als eine Art wirtschaftliches Long Covid. Denn gerade im Bildungsbereich brachte die Pandemie vieles durcheinander – plötzliches Homeschooling, digitales Lernen. Wer nicht die entsprechenden Geräte oder die entsprechende Unterstützung hatte, blieb schnell außen vor. Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Krise die soziale Immobilität verstärken wird.

Mit Blick auf die Geldanlage hat die Pandemie für einen Wandel im Sparverhalten der Deutschen gesorgt. Sie sind vor allem risikofreudiger geworden, investierten eher in börsennotierte Aktien oder Investmentfonds, der Kauf von Wertpapieren stieg um ganze 65 Prozent. Insgesamt jedoch bleiben Bankeinlagen das beliebteste Sparprodukt mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent, doch Wertpapiere lagen im Corona-Jahr immerhin bei 22 Prozent. Wenn die Deutschen Aktien kaufen, dann sind sie sehr international aufgestellt, sagt Holzhausen und fügt hinzu: „Die Deutschen entsprechen weiß Gott nicht mehr ihrem Ruf als Aktienmuffel“.

 


Kennen Sie schon Capital+? Unser werbefreies Premium-Angebot mit dem Besten aus Print und Online. Jetzt 30 Tage kostenlos testen!