Capital erklärtDie 7 wichtigsten Fragen zu ETFs

ETF-Fonds bilden einen Wertpapierindex nach - das unterscheidet sie von herkömmlichen Fonds.
ETF-Fonds bilden einen Wertpapierindex nach - das unterscheidet sie von herkömmlichen Fonds. Pixabay


In unserer Reihe Capital erklärt geben wir einen komprimierten Überblick zu aktuellen Wirtschaftsthemen. Diesmal: ETFs (Exchange Traded Funds) – mit dem Frankfurter Finanzkorrespondenten Lukas Zdrzalek, der bei Capital für die Themen Banken, Immobilien und Geldanlagen zuständig ist.


Was sind ETFs und welche Vorteile haben sie?

Ein ETF ist ein Fonds, also ein Korb an Wertpapieren. In diesem Korb können Aktien, aber auch Anleihen enthalten sein. Der Unterschied zu einem gewöhnlichen, sogenannten aktiven Fonds: Bei ihnen entscheidet ein Fondsmanager, welche Wertpapiere in den Fonds gelangen. Ein ETF bildet dagegen nur einen Wertpapier-Index nach, das kann der deutsche Leitindex Dax, der US-amerikanische S&P 500 oder der globale MSCI World sein. Die Idee hinter dem Konzept ETF: Fondmanager schaffen es in der Regel nicht, langfristig mehr Rendite zu erzielen als ein Vergleichsindex, an dem sie ihre Leistung messen müssen. Deshalb ist es sinnvoller, direkt den Index zu kaufen, den die Fondsmanager ja ohnehin nicht schlagen.

Zudem streichen die Fondsmanager hohe Gebühren ein, sie liegen je nach Fondsart zwischen einem und zweieinhalb Prozent pro Jahr. Diese Kosten zieht der Fondsanbieter direkt vom angelegten Geld der Investoren ab, was die Rendite eines Sparers schmälert. Angesichts der oft mauen Leistung der Fondsmanager ist das ärgerlich. Ein ETF ist deutlich günstiger, weil er nur stumpf einen Index nachbildet – und der Anleger nicht das Gehalt des Fondsmanagers zahlen muss. So kosten ETFs auf gängige Indizes teils nur 0,05 Prozent der Anlagesumme.

Welche Arten von ETFs gibt es?

Es gibt physisch und synthetisch replizierende ETFs. Bei physisch replizierenden ETFs besitzt der ETF die Wertpapiere, die in dem Index enthalten sind, den der ETF nachbildet. Synthetisch replizierende ETFs bilden dagegen den Index über Derivate nach, also spezielle Finanzinstrumente. Anleger sollten sich für die physisch replizierenden ETFs entscheiden, weil inzwischen die meisten Anbieter darauf setzen. Grundsätzlich sind synthetisch replizierende ETFs aber nicht schlechter als physische.

Für welche Anleger eignen sich ETFs?

Grundsätzlich für alle, die bereit sind, die typischen Risiken an den Finanzmärkten einzugehen. Heißt: Anleger sollten die Schwankungen an der Börse aushalten können – auch dann, wenn die Kurse so stark fallen wie Ende vergangenen Jahres. Sie sollten in solch einer Situation in keinem Fall panisch verkaufen. Ein Tipp für Börseneulinge: Erst mal mit kleineren Beträgen im drei- oder niedrigen vierstelligen Bereich einsteigen, um auszutesten, ob man mit den Schwankungen zurechtkommt.

Welche Nachteile oder Risiken gibt es für die Anleger?

ETFs sind börsengehandelt, was bedeutet: Anleger können sie sekündlich kaufen und verkaufen. Dadurch dürfte manch einen Anleger verleiten, relativ häufig zu handeln – einfach, weil man es kann. Die Folge davon ist: Es kostet natürlich Gebühren, einen ETF zu handeln – die wieder die Rendite des Anlegers schmälern. Das zeigt, wie wichtig bei der Geldanlage Disziplin ist.

Zudem werfen die ETF-Industrie und die Fondgesellschaften immer neue ETFs auf den Markt. Sparer müssen aufpassen, dass sie nicht außergewöhnliche Indizes kaufen. Die Gefahr ist, dass sie nicht mehr verstehen, wie die Anbieter die Indizes zusammensetzen. Zudem sind diese exotischeren ETFs teurer als gängige Produkte. Besser ist es, auf die Standard-ETFs zu setzen, die die großen und bekannten Indizes wie den MSCI World und den S&P 500 nachbilden.