BörsengängeAirbnb, Uber, Slack: Lohnt der Einstieg bei den neuen Techstars?

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Weit von der Gewinnschwelle entfernt

Gerade für Techfirmen, die viel größere Träume verkaufen als jene mit traditionellem Geschäftsmodell. Sie können in solchen Phasen enorm viel Geld bei Anlegern einsammeln, und das brauchen sie auch.

Lyft etwa verdreifachte seinen Umsatz zwar seit 2016 auf 2 Mrd. Dollar, fuhr aber gut 900 Mio. Dollar Verlust ein. In diesem Jahr soll das Minus mehr als 1 Mrd. Dollar betragen. Konkurrent Uber machte sogar 1,8 Mrd. Dollar Verlust, bei 11 Mrd. Dollar Umsatz. Beim Marktführer wuchsen die Erträge zuletzt viel langsamer, was auch seine Marge schrumpfen ließ. Laut Prognosen soll Lyft bis 2022 die Gewinnzone erreichen, Uber erst in fünf bis sieben Jahren.

Auch Pinterest und Slack sind weit von der Gewinnschwelle entfernt, ihre Umsätze liegen zudem weit unterhalb der Milliardengrenze. Der Videodienst Zoom will es immerhin dieses Jahr schaffen. Einzig Airbnb verdient bereits Geld: In den USA macht der Zimmervermittler laut Analystenschätzungen inzwischen mehr Umsatz als die Hotelkette Hilton. Davon blieben 2017 rund 100 Mio. Dollar hängen. Mit neueren Daten geizt Airbnb vor dem Börsengang – wie viele Konkurrenten. Das macht es schwer, das Potenzial einzuschätzen.

Aber Wagniskapitalgeber vertrauen den Firmen ja auch, denkt mancher: Sie bewerten die Techunternehmen milliardenschwer. Airbnb etwa sammelte 2017 bei seiner letzten Finanzierungsrunde so viel Geld ein, dass der Firmenwert auf 31 Mrd. Dollar taxiert wurde. Schlägt die Plattform ihre Aktien tatsächlich zum angepeilten Börsenpreis los (180 bis 221 Dollar), würde sich ihr Marktwert bereits auf 53 bis 65 Mrd. Dollar verdoppeln. „Kein Hotelbetreiber hätte das in der Zeit hinbekommen“, sagt Dan Wasiolek von der Ratingagentur Morningstar.

Hohe Bewertungen

In Klassikkategorien kann man aber bei Tech-Disruptoren auch nicht mehr denken, schließlich haben sie komplette Märkte umgewälzt. Allein der Markt für Kollaborationsdienste von Zoom ist rund 40 Mrd. Dollar schwer, der Hotelmarkt 150 Mrd. Dollar, das Ride-Sharing wird auf 500 Mrd. Dollar geschätzt. Wer nur einen Teil davon abschöpft, wächst gigantisch. Manches Unternehmen ist womöglich den Mondpreis tatsächlich wert.

Doch warnen Analysten vor zu viel Optimismus. Sie fühlen sich bei einigen Bewertungen an den Dotcom-Crash erinnert. Nicht umsonst korrigierte Uber seinen Aktienpreis zum IPO auf 45 Dollar herunter – womit der Firmenwert bei 82 Mrd. Dollar lag. Zuvor wurde er auf 135 Mrd. Dollar geschätzt, so viel wie General Motors, Fiat Chrysler und Ford zusammen an die Börse bringen.

Allerdings: Uber ist bei Weitem nicht alleine in diesem Markt unterwegs – dafür aber so aggressiv, dass das Unternehmen in vielen Ländern auch mit großen Widerständen kämpfen muss. Die Gefahr ist, dass Geschäftsmodelle der Disruptoren bald selbst disruptiert werden. Auch dieses Risiko gehört in den Aktienkurs.

Dass viele Start-ups heute mit gigantischen Bewertungen an die Börse kommen, hat noch einen weiteren Grund: „Im Gegensatz zu früheren Tech-Börsengängen gehen die Unternehmen zum späteren Zeitpunkt an die Börse, denn die privaten Investoren haben ihre Anteile länger gehalten“, sagt Wesley Lebeau von der Gesellschaft CPR. Ist das ein gutes Zeichen? Nicht unbedingt. Es könnte auch ein Warnsignal sein, nämlich dann, wenn die alten Investoren jetzt ihre Anteile versilbern, bevor der Markteinbruch kommt. Es gibt also durchaus gute Gründe, mit dem Einstieg noch zu warten: Facebooks Aktie brauchte ein Jahr, bis sie stieg. Amazons sogar elf.