SteuernEinfach durch den Steuerdschungel

von Marcus von Landenberg und Alexander Sturm

Für viele ist sie im Frühjahr so verhasst wie der Hausputz: die Steuererklärung. Manch einer lässt sie sogar lieber gleich ganz bleiben – und verschenkt so bares Geld. Für das Jahr 2011 konnten sich Arbeitnehmer laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich rund 800 Euro vom Finanzamt zurückholen.

Für Steuerzahler lohnt es sich daher, die Belege herauszusuchen und sich an die Arbeit zu machen. Unterstützung versprechen dabei diverse Computerprogramme. Grund genug für Capital, diese gründlich zu testen. Denn nur so lässt sich herausfinden, welche Software besonders gut auf die Belange von Privatpersonen zugeschnitten ist. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Anlage KAP, die auch in Zeiten der Abgeltungsteuer noch von vielen Anlegern ausgefüllt werden muss und immer wieder für Fragen sorgt, wie viele Leserzuschriften zeigen.

Welchem Steuerprogramm gelingt es also am besten, den Anwender sicher durch eine umfangreiche Steuererklärung zu lotsen? Capital hat genau hingesehen und auf folgende Kriterien geachtet: Wie wird ein Laie durch die Steuerformulare geführt? Wie verständlich ist das Programm? Werden Anleger auf Fallstricke bei der Anlage KAP hingewiesen? Und: Welchen zusätzlichen Service bieten die Hersteller?

Das Klicken durchs Programm erleichtert gerade Anlegern das Ausfüllen der Anlage KAP. Viele Privatinvestoren gehen seit Einführung der Abgeltungsteuer davon aus, dass sie dieses Formular für die Kapitaleinkünfte getrost ignorieren können. In vielen Fällen stimmt das sogar, denn die Banken führen mittlerweile die Kapitalertragsteuer automatisch an den Fiskus ab. Dennoch wird das Formular hin und wieder zur Pflicht. Zum Beispiel, wenn ein Anleger vergessen hat, seiner Bank mitzuteilen, dass er einer Kirche angehört und dementsprechend auch Kirchensteuer auf die Kapitaleinkünfte fällig wird. Anleger, die in ausländische thesaurierende Fonds investieren, müssen ebenfalls regelmäßig die Anlage KAP in ihrer Steuererklärung berücksichtigen.

Ins Rennen des Capital-Tests gehen sechs der beliebtesten Steuerprogramme für Privatleute. Alle stammen von den drei Branchengrößen Buhl Data Service („Wiso Steuer-Sparbuch“, „Tax Standard“), Haufe-Lexware („Taxman“, „Quicksteuer Deluxe“) und dem Verlag Akademische Arbeitsgemeinschaft („Steuersparerklärung“, „Steuer Easy“). Zusammen bringen es die Anbieter auf einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent. Die Steuerpakete kosten zwischen 15 und 35 Euro – und damit deutlich weniger als vor einem Jahr: Drei von sechs getesteten Programmen („Wiso Steuer-Sparbuch“, „Steuer-Spar-Erklärung“ und „Tax Standard“) sind billiger als 2012. Damit setzen die Anbieter ihre Preispolitik der vergangenen Jahre fort. Ein besonders auffälliges Beispiel: Die „Steuer-Spar-Erklärung“ war im Test 2010 mit einem Kaufpreis von knapp 50 Euro noch doppelt so teuer wie heute. Zumal sich die Preise im Test an den unverbindlichen Preisempfehlungen der Anbieter richten. Kaufen Nutzer die Programme im freien Internet-Handel, sind noch teils deutliche Abschläge drin – noch nie war Steuersoftware so billig wie heute.

Und es kommt noch besser: Mit dem Kauf der CDs erhalten die Anwender von den Herstellern eine sogenannte Haushaltslizenz. Ganz legal dürfen die Programme damit auf bis zu drei Computern installiert und von bis zu zehn Steuerzahlern genutzt werden. Erst wenn ein Nutzer mehr als zehn Steuererklärungen damit erstellen möchte, fragt die Software nach, ob er nicht eine gewerbliche Profilizenz erwerben möchte. Zudem bieten mit dem „Wiso Steuer-Sparbuch“ und dem „Taxman“ zwei Programme jährliche Updates – mit diesen Abo-Modellen lassen sich die Kosten noch einmal senken. In beiden Fällen können damit rund 10 Euro gegenüber dem Neukauf gespart werden. „Quicksteuer Deluxe“ und „Taxman“ bieten außerdem einen Aktualitätsgarantie: Mit einem besonders frühen Update können Nutzer im nächsten Jahr noch schneller ihre Steuererklärung einreichen und so früher Geld vom Finanzamt zurückbekommen.

Generell gilt: Es empfiehlt sich, eine Software, mit der man gut zurechtkommt, auch in den Folgejahren zu nutzen. Denn alle Testkandidaten ermöglichen die Datenübernahme aus dem Vorjahr. Wer seine Stammdaten schon eingegeben hat und keine wesentlichen Änderungen mehr einpflegen muss – einen Umzug, eine Hochzeit oder die Geburt eines Kindes –, schafft so seine Steuererklärung in nur einer Stunde.

Alle getesteten Programme erlauben die elektronische Steuererklärung mittels Übertragung per Internet – in der Fachabkürzung des Fiskus „Elster“ genannt. Damit hat der Privatanleger gute Chancen, seine Steuererstattung früher als andere auf dem Konto zu haben, denn die Finanzämter bearbeiten elektronische Steuererklärungen in allen Bundesländern mit Priorität. Um eine Steuererklärung auf Elsterbasis zu prüfen, benötigen sie im Schnitt nur drei Wochen. Zum Vergleich: Wer einen Stapel Papier an den Fiskus schickt, wartet rund sechs Wochen.

Ebenfalls Standard bei allen getesteten Programmen sind inhaltliche Updates. Hier können Käufer online prüfen lassen, ob es bereits steuerrechtliche Änderungen gab, die von den Programmierern eingearbeitet wurden. Dann wird automatisch die neue Version heruntergeladen.

Alle Programme folgen einem ähnlichen Aufbau: Der Steuerpflichtige wird per Interviewmodus durch die Erklärung gelotst. Die Programme fragen nach Eckpunkten wie Kindern, Kapitaleinkünften oder privater Altersvorsorge – so fällt das Ausfüllen deutlich leichter, während das Steuerprogramm im Hintergrund die Formulare ausfüllt. „Alle Programme orientieren sich an den amtlichen Vordrucken“, sagt Rudolf Gramlich, Steuerreferent beim Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring Deutschland.

Für den Test von Capital mussten die Programme zwei Musterfälle lösen (siehe Kasten). Große Probleme traten dabei nicht auf. Auch die günstigen Versionen rechneten fehlerfrei. Allerdings bieten einige Hersteller zusätzlichen Service. So sind die „Steuer-Spar-Erklärung“ des Verlags Akademische Arbeitsgemeinschaft und das „Wiso-Steuer-Sparbuch“ von Buhl Data auch als Version für den Macintosh erhältlich.

Knifflige Aufgaben

Die Softwareprogramme mussten sich im Test von zwei komplizierten Steuerfällen bewähren.

Musterfall eins…

…ist ein verheirateter, 45-jähriger Familienvater mit zwei Kindern, für die er noch Kindergeld erhält. Der Bayer fährt an 230 Tagen im Jahr zur 25 Kilometer entfernten Arbeitsstelle, seine Frau ist nicht erwerbstätig. Brutto verdient der Angestellte 8741 Euro. Er gehört der katholischen Kirche an, hat jedoch vergessen, dies seiner Bank mitzuteilen. Mit inländischen Fonds hat der Privatanleger im letzten Jahr Kapitaleinkünfte von 3500 Euro erzielt. Von seiner ehemaligen Zweitbank hat er 2011 ein Depot auf seine neue Bank übertragen, kurz darauf die Wertpapiere verkauft und 50 000 Euro eingenommen. Bei der Kontenvielfalt hat er den Überblick über die Aufteilung des Sparerpauschbetrags für Ehepaare in Höhe von 1602 Euro verloren, daher will er nun mittels Anlage KAP zu viel gezahlte Steuern zurückholen. Den Ursprungswert des Depots kennt der Gutverdiener nicht mehr, da er die Belege nicht mehr finden kann. Außerdem haben ihm ausländische, thesaurierende Fonds im abgelaufenen Jahr einen Ertrag in Höhe von 4350 Euro gebracht. Haftpflicht- und Lebensversicherung kosten jährlich insgesamt 2500 Euro.

Musterfall zwei…

… ist eine 66-jährige Rentnerin, die seit dem Jahr 2008 ihren Ruhestand genießt. Die Schwäbin ist evangelisch, wusste aber nicht, dass sie dies der Bank wegen der Abgeltungsteuer hätte mitteilen müssen. Derzeit erhält die Frau 17000 Euro Rente, für einen Zahnersatz musste sie 2012 eine Rechnung von 2160 Euro bezahlen. Die möchte sie als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Für Versicherungen hat die Seniorin 2600 Euro ausgegeben, dafür brachte das Ersparte mit Investments im Inland 4000 Euro Ertrag.

Welche Software ist die beste?

Auch dieses Jahr schafft das „Wiso-Steuer-Sparbuch“ den Sprung auf Platz eins. Das Programm punktete abermals durch die einfache Benutzeroberfläche und Verständlichkeit selbst für Laien. Ebenso können Freiberufler, Hausbesitzer und Vermieter problemlos ihre Steuererklärung anfertigen. Ergänzt wird das Programm, das von Capital die Bewertung „Exzellent“ bekommt, durch ein preisgünstiges Abopaket mit Serviceleistungen und die zusätzliche Version für Apple-Nutzer. Dahinter liegt „Steuer-Spar-Erklärung“ vor dem Vorjahreszweiten „Taxman“. Beide Programme bewertet Capital mit „Sehr gut“. Die nutzerfreundliche Mac-Version sichert der „Steuer-Spar-Erklärung“ jedoch knapp den zweiten Platz. Der Schnäppchenpreis geht in diesem Jahr an „Steuer Easy“. Die Software hilft beim Ausfüllen der Anlage KAP, enthält einen Abgeltungsteuer-Experten und kostet nur 14,99 Euro. Dahinter folgen „Tax Standard“ und „Quicksteuer Deluxe“, die ebenfalls überzeugen können, aber dem Nutzer einige Vorkenntnisse abverlangen.

Alle Programme lassen sich direkt aus dem Internet herunterladen – ohne Umweg über Onlineshop oder Einzelhandel. Noch bietet diese Vertriebsvariante allerdings keinen finanziellen Vorteil. Und die Kunden sollten aufmerksam sein: Bei manchen Anbietern fallen beim Download keine Kosten an, allerdings kostet jeder Steuerfall eine Gebühr von knapp 10 Euro, wenn dieser ans Finanzamt übermittelt wird – das kann schnell ins Geld gehen. Bei der gekauften CD-ROM können hingegen mit der Familienlizenz mehrere Steuerpflichtige die Software ganz legal nutzen.