Anlagestrategie8 Regeln für Ihre Geldanlage 2020

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Symbolbild: GeldanlageGetty Images

#1 Frankreich schlägt Deutschland

Proteste, Gelbwesten, zuletzt ein Generalstreik – es scheint, als versinke Frankreich im Chaos. Doch jenseits der schrillen Bilder von den Champs-Élysées erlebt das Land derzeit ein kleines Wirtschaftswunder. Unter Präsident Emmanuel Macron übernimmt Frankreich die Rolle als Wachstumslokomotive Europas.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone wächst nicht nur stärker, Frühindikatoren deuten darauf hin, dass dies auch in nächster Zeit so bleiben wird. Sogar im Industriebereich hat sich die Stimmung jüngst aufgehellt, ganz im Gegensatz zur düsteren Stimmung in deutschen Unternehmen. Für den Erfolg der französischen Wirtschaft gibt es zwei Gründe: Macrons Reformen zeigen Wirkung, und das Land hängt nicht so stark wie Deutschland an der Weltkonjunktur.

Das spricht alles dafür, 2020 in französischen Aktien anzulegen. Schon im Jahr 2019 hat der CAC 40 sein Frankfurter Pendant abgehängt. Zwar weisen beide Indizes bis Anfang Dezember ein Plus von rund 23 Prozent aus. Allerdings sind beim Dax die Dividenden von gut drei Prozent eingerechnet, beim CAC kommen Dividenden noch oben drauf.

Der entscheidende Vorteil am französischen Aktienmarkt ist sein Schwerpunkt auf weltweit renommierten Konsumtiteln wie LVMH, L’Oréal und Danone. Insgesamt kommen Konsumgüter im CAC auf ein Gewicht von rund einem Drittel. Zum Vergleich: Die drei Konsumwerte im Dax, Adidas, Henkel und Beiersdorf, kommen auf ein Gewicht von 7,5 Prozent im Index. Die Aktien des Luxuskonzerns LVMH und des Lebensmittelherstellers Danone schafften es auch in unsere Liste der „50 Aktien fürs Leben“ (Capital 10/2019).

#2 USA halten aber nicht mehr einsteigen

US-Aktien sind in der zurückliegenden Dekade ein Selbstläufer gewesen. Der Leitindex S&P 500 hat sich in etwa verdoppelt. Weil die US-Märkte so bedeutsam sind, haben sich weltweite Indizes wie der MSCI World oder der MSCI All Countries in dieser Zeit ebenfalls bestens geschlagen. Denn US-Aktien machen mehr als die Hälfte des Gewichts im MSCI World aus. Doch die fetten Zeiten könnten erst einmal vorbei sein. Deshalb ist 2020 nicht das Jahr für einen Einstieg an der Wall Street.

Nicht etwa, weil der wichtigste Aktienmarkt der Welt vor einem Einbruch stünde. Er ist inzwischen aber so teuer geworden, dass ihm zunehmend die Luft ausgeht. Die hohe Bewertung zeigt sich etwa am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), welches das aktuelle Kursniveau ins Verhältnis zu den künftig erwarteten Gewinnen setzt. Es liegt im S&P 500 aktuell bei rund 23. Das ist zwar weit entfernt von Bewertungen während der Dotcom-Blase zu Beginn des Jahrtausends mit einem KGV von weit über 30. Aber 23 ist in jedem Fall mehr als der historische Durchschnitt, weshalb Anleger Vorsicht walten lassen sollten. Zudem wurden die Kursanstiege, die im Spätherbst zu Rekordständen führten, von immer weniger Aktien getragen – ein typisches Zeichen für die Spätphase eines Booms. Kurz: Lieber nicht mehr einsteigen, aber wer US-Aktien schon hat, sollte sie unbedingt behalten.

Aktien aus Europa sind zwar im historischen Vergleich auch nicht mehr günstig, aber noch immer deutlich günstiger als US-Werte. Der Stoxx Europe 600 kommt auf ein KGV von rund 16,5, der deutsche Dax von rund 15. Wer also Geld neu anlegen möchte, der sollte 2020 an europäische Aktien denken. Nebenbei haben die Aktien auf dem alten Kontinent im Schnitt eine höhere Dividendenrendite und bieten für Euro-Anleger weniger Währungsrisiken.

Apropos Briten: Zwar ist ein aus dem Ruder laufender Brexit ein Risiko, doch sollte der britische EU-Austritt geregelt sein, so könnte die Unsicherheit verschwinden. Britische Aktien könnten daher eine Überraschung werden.

#3 Zum Werterhalt: Anleihen mit Inflationsschutz

Um bei ultraniedrigen Zinsen zumindest die Kaufkraft zu sichern, empfehlen sich inflationsindexierte Anleihen. Sie werfen im langfristigen Schnitt rund zwei Prozent Rendite ab und ermöglichen so einen realen Kapitalerhalt. Der wichtigste Index für die sogenannten „Linker“, der Barclays World Government Inflation Linked Bond Index, hat 2019 sogar rund acht Prozent zugelegt. Von einer „Versicherung im Portfolio“ spricht Carsten Roemheld, Anlagestratege bei Fidelity International.

Mit dieser Empfehlung ist zwar keine Warnung vor einer alle Vermögen verschlingenden Hyperinflation verbunden. Aber im neuen Jahr könnte die Inflation sowohl in den USA als auch in der Eurozone durchaus überraschen: Die USA wachsen seit Langem oberhalb ihres Potenzials, dort könnte die Knappheit bei Arbeitskräften die Löhne und damit die Inflationsrate nach oben treiben – zumal die Notenbank Fed unter enormem politischen Druck die Zinsen wohl weiter eher zu niedrig halten wird. Und auch in der Eurozone könnte 2020 der Lohndruck zunehmen und die Inflationsrate anziehen.

Bei inflationsindexierten Anleihen hängt der Coupon an einem Preisindex. Je höher der liegt, desto höher ist auch der Coupon. Mehrere Fonds bieten die Möglichkeit, das Geld international breit zu streuen.

#4 Aktien für den Abschwung: Qualitätstitel

Die einen produzieren Insulin, die anderen brennen Schnaps, und die dritten sind Zulieferer für die Chipindustrie. Und doch gibt es zwischen den drei Unternehmen Novo Nordisk aus Dänemark, Diageo aus dem Vereinigten Königreich und ASML Holding aus den Niederlanden eine Verbindung: Ihre Anteilsscheine gelten als sogenannte Qualitätsaktien. Darunter versteht man Aktien von Unternehmen mit dauerhaften Geschäftsmodellen und Wettbewerbsvorteilen. Beides verspricht Potenzial für Kurs und Dividenden auch in Phasen eher schwachen Wirtschaftswachstums.

Dabei wird die Qualität typischerweise an fünf Kriterien festgemacht: Finanzkraft, Kurspotenzial, Geschäftsmodell, Marktumfeld und Unternehmensführung. In Europa erfüllen zahlreiche Titel diese Kriterien – sie sind derzeit eine attraktive Strategie. Nicht umsonst orientieren sich viele aktive Manager oft an Qualitätsaktien, selbst wenn sie dies nie laut zugeben. Aber es gibt auch günstige ETFs in diesem Segment.

Qualitätsaktien haben in Europa im Jahr 2019 nach Berechnungen der Bank of America rund ein Drittel an Wert gewonnen, der breite Markt kam auf ein Plus von rund 20 Prozent. Von hohen Bewertungen sollten sich Anleger nicht abschrecken lassen, der Index MSCI Europe Factor Quality hat aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18. Aber den höheren Bewertungen stehen auch höhere Ertragschancen gegenüber. In dem Index sind die beiden Top-Werte der französische Energiekonzern Total und der Pharmakonzern Roche, außerdem die drei oben genannten Aktien sowie die Allianz.

#5 Schwellenländer bleiben Pflicht – aber gemanagt

Bisher sind Anlagen in Schwellenländern weit hinter denen in Industriestaaten zurückgeblieben – obwohl sie als Wachstumsregionen eher vorneweg laufen müssten. Das abgelaufene Jahr hat das noch einmal deutlich bewiesen: Da schaffte der MSCI Emerging Markets gerade einmal eine Performance von rund 13 Prozent, während der Gesamt-Weltindex MSCI All Countries etwa doppelt so stark zulegte, nämlich 26 Prozent. Inzwischen sind die aufstrebenden Staaten deutlich unterbewertet an den Börsen, gemessen am KGV hinken sie etwa ein Drittel hinterher.

Gründe dafür gibt es viele: der Handelsstreit zwischen den USA und China, Sorgen vor einem allgemeinen Abschwung der Weltwirtschaft, Währungsschwankungen und Turbulenzen in einzelnen Ländern. So schwankte der Emerging-Markets-Index auch im Jahr 2019 heftig um die Marke von 1000 Punkten. Als Beimischung gehören Schwellenländer dennoch ins Depot. Aber bitte nicht mit einem ETF, sondern per aktiv gemanagtem Fonds. Die sind zwar teurer, in diesem Fall aber sind sie ihr Geld wert: Denn die Manager sehen sich genau an, welche Länder gerade jetzt gute Wachstumschancen haben. Dazu gehören zurzeit vor allem Indien und Russland.

#6 Besser als Beton: breit gestreute Immobilienwerte

Eine Wohnung zu kaufen und zu vermieten ist in vielen Großstädten ein Abenteuer geworden – teuer und unkalkulierbar. Eine Alternative sind Immobilienaktien. Typischerweise reagieren sie nicht so stark auf Konjunkturschwankungen, bieten aber über Dividenden meist regelmäßige Ausschüttungen.

Viele global anlegende Immobilienaktienfonds, egal ob aktiv oder passiv, zahlen eine jährliche Rendite von drei bis vier Prozent. Während passive ETFs günstig sind, bieten die teureren aktiven Immobilienaktienfonds Anlegern die Chance, schneller an regionalen und sektoralen Trends teilzuhaben – oder diese gerade zu meiden: etwa den Niedergang im Einzelhandel. Die Betreiber von Einkaufszentren leiden unter sinkenden Aktienkursen. Gleichwohl sind sie in den wichtigsten Branchenindizes wie dem Dow Jones Global Real Estate noch enthalten, während aktive Fonds die Betreiber von Shoppingmalls aus dem Portfolio aussortieren. In jedem Fall sollte eine Anlage in Immobilienaktien global gestreut sein.

#7 Rohstoffe nur zur Absicherung

Warum sollten Anleger ausgerechnet im Abschwung auf Rohstoffe setzen? Die Antwort ist: weil Rohstoffe in Abwärtsphasen durchaus das Zeug dazu haben, das Depot zu stabilisieren. Sie entwickeln sich nämlich nicht mit den Aktien nach unten, sondern sind eher unabhängig von Aktien. Es ist nicht die Konjunktur, die neue Rohstoffzyklen entfacht, sondern es sind die größeren Innovationszyklen, in denen Eisenbahnen, Computer oder künstliche Intelligenz erfunden werden. Und typischerweise setzen die ein, wenn eine Rezessionsphase endet.

Haupttreiber für einen neuen Innovationszyklus könnten diesmal die Schwellenländer sein oder die Digitalindustrie. Zudem haben Rohstoffinvestments die Angewohnheit, in Inflationszeiten für Werterhalt zu sorgen. Daher gehören rund zehn bis 15 Prozent Rohstoffe ins krisenfeste Depot, sagen Finanzmarktforscher. Entweder in Form breiter Rohstofffonds oder durch den Kauf von Mischfonds (aus Aktien und Anleihen), die größere Rohstoffanteile enthalten.

#8 Für Abgezockte: gegen den Bund-Future wetten

Zu Beginn dieser Regel muss ein großes „Vorsicht!“ stehen. Denn eine Wette auf fallende Kurse ist in der Regel eine kurzfristige und hoch riskante Spekulation. Die Regel soll aber auf das unterschätzte Risiko steigender Marktzinsen hinweisen.

Steigende Marktzinsen gehen nämlich einher mit fallenden Anleihekursen. Früher war das kein großes Problem. Als Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit noch vier Prozent Zinsen einbrachten, federten die Ausschüttungen Kursschwankungen ab. Doch diese Zeiten sind vorbei, der Bund zahlt heute selbst auf zehn Jahre keine Zinsen. Die Folge: Kursschwankungen schlagen unmittelbar ins Depot durch.

Besonders deutlich wird dies am Bund-Future, einem Terminkontrakt auf eine synthetische zehnjährige Bundesanleihe, dessen Kurs sich in die gleiche Richtung wie eine echte Bundesanleihe dieser Laufzeit bewegt. Steigen die Marktzinsen, so fällt der Bund-Future. Diese Situation wird im Short-Bund-Future abgebildet. Er legt bei steigenden Zinsen zu. Auf den Kontrakt gibt es eine Reihe von ETFs und Zertifikaten.

Aber: Diese Anlage ist nur was für Zocker. Denn im Kern zielt die Regel auf die wachsenden Risiken in Rentenportfolios. Wer in den Anleihemarkt investiert, sollte dies global diversifiziert über einen aktiven Fond tun. Dieser nimmt Gelegenheiten bei Hochzins- und Schwellenländer-Anleihen mit und kann auch von zwischenzeitlichen Kursanstiegen bei Euro-Staatsanleihen profitieren.

Doch Anleihen bleiben ohne Coupons eine riskante Angelegenheit. Wem dies zu gefährlich ist, der sollte beim Tagesgeldkonto bleiben. Es erhält zumindest nominal den Wert, ist täglich verfügbar und bis 100.000 Euro abgesichert.