Anlagestrategie8 Regeln für Ihre Geldanlage 2020

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#3 Zum Werterhalt: Anleihen mit Inflationsschutz

Um bei ultraniedrigen Zinsen zumindest die Kaufkraft zu sichern, empfehlen sich inflationsindexierte Anleihen. Sie werfen im langfristigen Schnitt rund zwei Prozent Rendite ab und ermöglichen so einen realen Kapitalerhalt. Der wichtigste Index für die sogenannten „Linker“, der Barclays World Government Inflation Linked Bond Index, hat 2019 sogar rund acht Prozent zugelegt. Von einer „Versicherung im Portfolio“ spricht Carsten Roemheld, Anlagestratege bei Fidelity International.

Mit dieser Empfehlung ist zwar keine Warnung vor einer alle Vermögen verschlingenden Hyperinflation verbunden. Aber im neuen Jahr könnte die Inflation sowohl in den USA als auch in der Eurozone durchaus überraschen: Die USA wachsen seit Langem oberhalb ihres Potenzials, dort könnte die Knappheit bei Arbeitskräften die Löhne und damit die Inflationsrate nach oben treiben – zumal die Notenbank Fed unter enormem politischen Druck die Zinsen wohl weiter eher zu niedrig halten wird. Und auch in der Eurozone könnte 2020 der Lohndruck zunehmen und die Inflationsrate anziehen.

Bei inflationsindexierten Anleihen hängt der Coupon an einem Preisindex. Je höher der liegt, desto höher ist auch der Coupon. Mehrere Fonds bieten die Möglichkeit, das Geld international breit zu streuen.

#4 Aktien für den Abschwung: Qualitätstitel

Die einen produzieren Insulin, die anderen brennen Schnaps, und die dritten sind Zulieferer für die Chipindustrie. Und doch gibt es zwischen den drei Unternehmen Novo Nordisk aus Dänemark, Diageo aus dem Vereinigten Königreich und ASML Holding aus den Niederlanden eine Verbindung: Ihre Anteilsscheine gelten als sogenannte Qualitätsaktien. Darunter versteht man Aktien von Unternehmen mit dauerhaften Geschäftsmodellen und Wettbewerbsvorteilen. Beides verspricht Potenzial für Kurs und Dividenden auch in Phasen eher schwachen Wirtschaftswachstums.

Dabei wird die Qualität typischerweise an fünf Kriterien festgemacht: Finanzkraft, Kurspotenzial, Geschäftsmodell, Marktumfeld und Unternehmensführung. In Europa erfüllen zahlreiche Titel diese Kriterien – sie sind derzeit eine attraktive Strategie. Nicht umsonst orientieren sich viele aktive Manager oft an Qualitätsaktien, selbst wenn sie dies nie laut zugeben. Aber es gibt auch günstige ETFs in diesem Segment.

Qualitätsaktien haben in Europa im Jahr 2019 nach Berechnungen der Bank of America rund ein Drittel an Wert gewonnen, der breite Markt kam auf ein Plus von rund 20 Prozent. Von hohen Bewertungen sollten sich Anleger nicht abschrecken lassen, der Index MSCI Europe Factor Quality hat aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18. Aber den höheren Bewertungen stehen auch höhere Ertragschancen gegenüber. In dem Index sind die beiden Top-Werte der französische Energiekonzern Total und der Pharmakonzern Roche, außerdem die drei oben genannten Aktien sowie die Allianz.

#5 Schwellenländer bleiben Pflicht – aber gemanagt

Bisher sind Anlagen in Schwellenländern weit hinter denen in Industriestaaten zurückgeblieben – obwohl sie als Wachstumsregionen eher vorneweg laufen müssten. Das abgelaufene Jahr hat das noch einmal deutlich bewiesen: Da schaffte der MSCI Emerging Markets gerade einmal eine Performance von rund 13 Prozent, während der Gesamt-Weltindex MSCI All Countries etwa doppelt so stark zulegte, nämlich 26 Prozent. Inzwischen sind die aufstrebenden Staaten deutlich unterbewertet an den Börsen, gemessen am KGV hinken sie etwa ein Drittel hinterher.

Gründe dafür gibt es viele: der Handelsstreit zwischen den USA und China, Sorgen vor einem allgemeinen Abschwung der Weltwirtschaft, Währungsschwankungen und Turbulenzen in einzelnen Ländern. So schwankte der Emerging-Markets-Index auch im Jahr 2019 heftig um die Marke von 1000 Punkten. Als Beimischung gehören Schwellenländer dennoch ins Depot. Aber bitte nicht mit einem ETF, sondern per aktiv gemanagtem Fonds. Die sind zwar teurer, in diesem Fall aber sind sie ihr Geld wert: Denn die Manager sehen sich genau an, welche Länder gerade jetzt gute Wachstumschancen haben. Dazu gehören zurzeit vor allem Indien und Russland.