Die besten Wohnlagen für Ferienimmobilien in Costa Brava

Das schwarze Schaf unter den Küstenorten macht seinem schlechten Ruf weiterhin Ehre: Kein Jahr vergeht in der Remmidemmi-Hochburg Lloret de Mar ohne ein Todesopfer unter den entfesselten Touristen. Traurig genug. Ungerecht ist aber, dass mit dieser Party-Meile die gesamte „Wilde Küste“ gleich gesetzt wird. „Auf Mallorca ist der Imagewechsel von der Putzfrauen- zur Nobelinsel geglückt, weil sich dort viele reiche und bekannte Deutsche aufhalten“, sagt Christoph Toelle vom Sotheby’s-Büros in Platja d’Aro, „für die Costa Brava fehlen vergleichbare Werbeträger.“

Und es sieht nicht so aus, als würde sich die Situation kurzfristig bessern. Die deutsche Gemeinde, sich tummelnd in „Seppl’s Schlemmerladen“ oder „Zum Dorfkrug“, schrumpft. Viele Deutsche verkaufen zurzeit ihre Immobilien. Sie geben – längst im Rentenalter angekommen – ihre Domizile an Orten wie Tossa de Mar oder Empuriabrava auf, um zurück in die Heimat zu gehen. Bleiben sie länger als geplant, liegt das an der aktuellen Marktentwicklung: Sie werden ihre Häuser nicht los, jedenfalls nicht zu ihren Preisvorstellungen. Was den Verkauf zusätzlich erschwert: die einstigen Premium-Objekte mit ihren Türmchen und Säulen treffen nicht mehr den heutigen Geschmack. An kostspieligen Sanierungen und Umbauten sind die potenziellen Käufer aber nicht interessiert. An der Costa Brava wollen sie Schnäppchen machen. „Im Vergleich zu 2007 sind die Preise vielfach um 25 bis 30 Prozent gesunken“, sagt Toelle. „Während der Verhandlung kommt es oft zu einem weiteren Nachlass zwischen 10 und 20 Prozent. Das bedeutet dann zum Teil einen Gesamt-Abschlag von 40 bis 45 Prozent.“

Die Preise an der Costa Brava werden wohl weiter sinken. Einziger Lichtblick: Die Nähe zu Barcelona sorgt stets für eine gewisse Binnennachfrage, die die Küste unabhängiger von Trendbewegungen aus dem Ausland macht. Insbesondere im „Goldenen Dreieck“ zwischen Pals, Calella de Palafrugell und La Bisbal haben vielerorts noch die Katalanen das Sagen.
Spanier, die krisenbedingt ihre Immobilien verkaufen müssen, bereichern den Markt um Top-Objekte. Etwa mit dem katalanischen Pendant zur mallorquinischen Finca, der Masia. Die teilweise gewaltigen Herrenhäuser sind aber meist teuer im Unterhalt und werden, ihres regionalen Prestiges wegen, meist deutlich über Wert angeboten.

Kurioserweise hat momentan ausgerechnet ein irischer Geschäftsmann den Schlüssel zum Auf- oder Abschwung der Costa Brava als touristischer Destination in der Hand. Michael O’Learys Low-Cost-Fluglinie Ryan Air fliegt seit Jahren zwischen drei und fünf Millionen Saisonbesucher direkt in die Prozinzhauptstadt Girona. Nachdem O’Leary der Landesregierung in diesem Jahr keine deutliche Subventions-Erhöhung abpressen konnte, will er für den Herbst die Hälfte des Flugangebots nach Girona streichen.

Die Preise an der „Wilden Küste“ werden voraussichtlich weiter sinken. Gleichzeitig gibt es Objekte, die die Anpassung an die aktuelle Marktsituation bereits vollzogen haben. Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist derzeit keine leichte Aufgabe. Langfristig wird die Küste aber – auch für die Spanier selbst – attraktiv bleiben.

capital.de, 31.01.2017
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