Die besten Wohnlagen für Ferienimmobilien in Algarve

Nichts geht mehr an der Algarve. Die Immobilienbesitzer würden die Krise am liebsten ignorieren, derweil träumen potenzielle Käufer von absurd hohen Rabatten. Nur langsam schaffen es die Makler, beide Seiten zusammenzuführen. War das die richtige Entscheidung? Jan Bosch blickt aus der Wohnküche über die Terrasse seiner Villa auf einem kleinen Hügel der Algarve. Unter einem Zitronen­baum arbeitet ein Handwerker und bessert die Terrassentreppe aus. Seit Bosch das erste Mal vor 30 Jahren nach Portimão kam und sich als Bootsverleiher versuchte, wollte er an die Algarve zurückkehren. Nun wartet er auf seine Möbel und Computer aus Hamburg.
Seinen richtigen Namen will er nicht genannt wissen, offiziell lebt er weiter in Deutschland, und seine Kunden sollen nicht wissen, dass die E-Mails jetzt aus Portugal kommen.

Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise Portugals hat Bosch seine Villa in Hamburg verkauft, um sie gegen ein kleines Apartment in der Hansestadt und ein 330.000-Euro-Haus ganz unten in Europa einzutauschen. Mit Pool, 4500 Quadratmetern Grundstück, etwas abgelegen vom Meer. Ob es der richtige Zeitpunkt sei, werde er immer wieder gefragt. Darauf antwortet er dann: Den richtigen Zeitpunkt verpasst man oft, wenn man immer nur auf ihn wartet.

Abwarten. Genau das macht die große Zahl der Deutschen, Belgier, Holländer und Skandinavier, die an der Algarve Immobilien suchen. Sie starten eine Anfrage nach der anderen bei den Maklern – und kaufen dann doch nicht. Das geht nun schon seit vier Jahren so. Ihre Zahl wächst stetig. Tausenden von interessierten Käufern stehen noch mehr interessierte Verkäufer gegenüber. Der Markt ist reif zum Abheben. Doch nur wenige Immobilien wechseln den Besitzer.

Denn: Die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern liegen so weit auseinander wie nie. Die einen erwarten angesichts der Krise das Superschnäppchen mit Preisnachlässen von bis zu 70 Prozent. Die anderen, die Verkäufer, sind im Moment vor allem Einheimische. „Für die ist unvorstellbar, eine Immobilie für weniger zu verkaufen, als sie selbst bezahlt haben“, sagt Makler Carlos Guerreiro von Orbial in Albufeira.

Eine der schwierigsten Aufgaben für Makler derzeit: Sie müssen die Verkäufer dazu bewegen, den Marktpreis zu akzeptieren. Und die Käufer gleich mit. Mehr als 30 Prozent Abschlag vom Preisniveau 2007 sei für eine gute Immobilie nicht zu erwarten, sagt Makler Paulo Mourão von Garvetur in Tavira. „Insbesondere wer in Meernähe kaufen will, kann nicht damit rechnen, dass der Preis ins Bodenlose fällt.“ In den wenigen Fällen, in denen ein Kauf zustande kommt, stehen am
Ende allenfalls 20 Prozent Rabatt.

Allerdings gibt es regionale Unterschiede. So ist in Carvoeiro ein Preisrutsch ganz ausgeblieben, während die Preise im Massentourismusort Albufeira um bis zu 50 Prozent gesunken sind. Im durchaus netten Lagos finden sich auch für Rabatte von 30 Prozent kaum Käufer. Im noblen Quinta do Lago hingegen greifen die Käufer bei nur leicht gesunkenen Preisen schon wieder zu.

„Wer an der Algarve investieren will, sollte nicht auf schnelle Gewinne hoffen“, sagt António Marcela von der gleichnamigen Immobiliengesellschaft in Lagos. Andererseits könnten Investoren für Objekte in guter Lage mit einem soliden Mietzins von drei Prozent bis fünf Prozent pro Jahr rechnen.

Neben den Investoren gibt es eine neue Gruppe von Interessenten. „Flughafen-Faro-Pendler“ nennt sie Maklerin Melissa Oliveira von Algarve Elite Property in Lagos. Es sind Menschen wie Bosch, die sich irgendwann überlegt haben, dass ein Leben unter Zitronenbäumen angenehm wäre. Sie arbeiten als Werbe­gra­fiker oder Übersetzer, haben vielleicht dreimal im Monat Kundenkontakt in ­ihrem Heimatland. Dafür genügt es, sich dreimal im Monat in einen Billigflieger
zu setzen. „Viele dieser Kunden sind verunsichert“, so Oliveira. Und trauen sich noch nicht zu kaufen.

capital.de, 31.01.2017
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