Die besten Wohnlagen für Ferienimmobilien in Apulien

Bei den Suchanfragen auf dem Immobilienportal Gate-away.com belegt die Regi­on zwischen Spore und Absatz des italienischen Stiefels inzwischen Platz drei – gleich hinter der Toskana und Ligurien. Mehr als elf Prozent der deutschen Kaufinteressenten, die das Webangebot Anfang 2012 nutzten, suchten dort nach einem Feriendomizil. Lange galt Apulien als Geheimtipp: eine wenig bevölkerte Gegend, die ihre Ursprünglichkeit und ihren rauen ländlichen Charakter bewahren konnte. Gelbe Weizenfelder, silbergrüne Olivenhaine und weiße Steinmauern ziehen sich über die Hügel. Ein rigider Landschaftsschutz verhinderte, dass große Hotelkomplexe oder Apartmentanlagen an der Küste hochgezogen werden konnten; die traumhaften Strände und das glasklare türkise Wasser blieben vom Massenandrang verschont. In Apulien lässt sich – abgesehen von der Hauptferienzeit im August – die Ruhe ­genießen. „Wer hier ein Haus kauft, hat sich in diese Gegend verliebt und denkt nicht in erster Linie an die Investition“, sagt Makler Fabrizio D’Amico.

Dabei steckt in diesem Zipfel Italiens viel Potenzial. Die Flughäfen Bari und Brindisi sind von vielen deutschen Städten aus mit günstigen Direktflügen zu ­erreichen. Die mühsame Autofahrt – von München aus sind es 2000 Kilometer – erübrigt sich. Behutsam renovierte Steinhäuser mit Gewölbedecken locken ebenso wie romantisch gelegene Neubau­villen mit Swimmingpool und eigenem Olivenhain.

Typisch für die Region sind die jahrhundertealten Masserie – quaderförmige Herrenhäuser, die wie Festungen in der Landschaft stehen – und natürlich die Trulli. Die runden Spitzbauten, die wie steinerne Zipfelmützen auf den Feldern stehen, dienten den Bauern jahrhundertelang als Ställe, Kornspeicher und vieler­orts als Behausung. Die meisten wurden verlassen und zerfielen. Heute werden die Trockenbauten liebevoll wiederhergerichtet zu außergewöhnlichen Ferienhäusern, in deren kleinen runden Räumen kein normaler Schrank Platz findet. Trulli-Liebhaber schätzen die dicken Wände, die die Hitze abhalten, und die besondere Atmosphäre unter den spitzen Decken.

Entsprechend konzentrierte sich das Interesse deutscher Käufer bislang vor ­allem auf das Trulliland im Itriatal zwischen Bari und Brindisi. Doch auch die Salentinische Halbinsel ist im Kommen. Zuletzt kauften sich hier die Hollywood-Stars Helen Mirren und Meryl Streep prächtige Masserie. Der zunehmende Tourismus etwa in der Barockstadt Lecce hat in den vergangenen Jahren die Immobilienpreise anziehen lassen. Vor allem der Küstenort Santa Maria di Leuca wird zusehends eleganter. Die Preise für historische Villen in dem Badeort sind ­bereits auf einem für diese Region überraschend hohen Niveau und legen weiter zu. „Je schicker der Ort wird, desto stärker ist die Nachfrage“, freut sich Makler D’Amico. Nicht minder exklusiv ist der Küstenstreifen zwischen Santa Maria di Leuca und Novaglie. Die an den steil ­abfallenden Hängen der Adriaküste verstreuten Häuser bieten nicht nur ein großartiges Panorama, sondern verfügen meist auch über einen eigenen Zugang zum Meer.

Im Landesinneren, nur wenige Kilometer von der Küste entfernt, finden sich historische Steinhäuser schon für 200.000 Euro – eine günstige Alternative, die bislang vor allem bei Norditalienern beliebt war. Doch nun macht sich die ­Finanzkrise bemerkbar: In den vergan­genen beiden Jahren hat die Nachfrage ­erheblich nachgelassen. „Im Hinterland kann der Preis mitunter um bis zu 20 Prozent heruntergehandelt werden“, sagt Carlo D’Alba, der die Region beim Maklerunternehmen Retecasa vermarktet.

Ob es unbedingt Meerblick sein muss, hängt ganz vom Käufertyp ab, sagt Makler D’Amico: „Ein Unternehmer aus Deutschland, der nur im Sommer anreist und es sich leisten kann, kauft direkt am Wasser. Wer zu allen Jahreszeiten kommen will oder etwas für den Lebensabend sucht, orientiert sich weiter im Landes­inneren.“ Schließlich sind die meisten Küstenorte außerhalb der Saison wie ausgestorben.

Doch Vorsicht: Wer in Süditalien ein Haus kaufen will, muss allgemein mit einer langsamen und schwerfälligen Bürokratie rechnen. Ein Genehmigungsverfahren etwa für einen Pool im Garten oder für Anbauten an ein historisches Landhaus kann viele Monate dauern. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, eine Vertrauensperson vor Ort zu haben, die sich um Behördengänge kümmert und Verträge prüft. „Ich habe schon erlebt, dass Verkäufer vor der Übergabe die Olivenbäume auf dem Grundstück ausgegraben und mitgenommen haben“, berichtet Makler Vito Mingolla.

Generell ist es ratsam, sich nicht durch mündliche Zusagen zu übereiltem Handeln verleiten zu lassen. Laut der „Schutzgemeinschaft Italien“, einem Interessenverband deutschsprachiger Immobilienbesitzer, sollten zum in Italien üblichen Vorvertrag bereits die aktuellen Auszüge aus dem Grundbuch vorliegen. Denn
wie überall in Süditalien wurden auch in Apulien zahlreiche Häuser ohne eine Baugenehmigung errichtet. Eine nachträgliche Genehmigung kostet in der ­Regel mehrere Zehntausend Euro. Im schlimmsten Fall kann der Besitz beschlagnahmt werden.

capital.de, 31.01.2017
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