ExklusivVier Risiken für das Weltwirtschaftswachstum

Teilnehmer der G20-Frauenkonferenz in Berlin.
Teilnehmer der G20-Frauenkonferenz in Berlin.Getty Images

Erstmals seit der globalen Finanzkrise befinde sich die Weltwirtschaft im Aufschwung, verkündet die Unternehmensberatung A.T. Kearney in einer Studie, die Capital exklusiv vorliegt. Dem „Global Economic Outlook 2018-2022“ zufolge wird das Wachstum von 2,9 Prozent in 2017 auf 3,1 Prozent in diesem Jahr steigen. Bis 2022 wird es sich bei durchschnittlich 2,9 Prozent bewegen. Trotzdem mahnen die Experten zur Vorsicht: Die positive Entwicklung sei nicht nachhaltig, vier Faktoren könnten die Weltwirtschaft in Bedrängnis bringen.

Politische Krisen

Populismus und Nationalismus in einigen wirtschaftlich wichtigen Regionen führen der Analyse zufolge dazu, dass politische und wirtschaftliche Veränderungen immer unvorhersehbarer werden. Die geopolitische Lage werde unbeständiger – sich ausbreitender Terrorismus, landesübergreifende Konflikte und Cyberattacken hätten das Potential, die Weltwirtschaft langfristig zu destabilisieren.

Rückzug in Nationalstaaten

Nicht nur am Beispiel des Brexit und dem „America First“-Prinzip von Donald Trump sei zu beobachten, dass sich Nationalstaaten aus der Weltgemeinschaft zurück ziehen, mehr und mehr dazu neigen, grenzübergreifenden Austausch an Waren, Services und Kapital zu minimieren. Sogar die Wirtschaftsmächte der G20 halten es für notwendig, dem fortschreitenden Protektionismus den „Kampf“ anzusagen. Wichtige Wirtschaftsmärkte wie Indien, China und Indonesien hielten ihre Unternehmer dazu an, regional zu investieren – und wirkten damit dem Ausbau einer globalen Wertschöpfungskette entgegen.

Wachsender Schuldenberg

Trotz der Erfahrungen aus der Finanzkrise von vor zehn Jahren wachsen die Schulden laut der Analyse von A.T. Kearney in allen Volkswirtschaften. Durch die niedrigen Zinsen hätten mehr und mehr Haushalte, Unternehmen und Regierungen Kredite aufgenommen. Für manche Länder könnte das schon bald zum Verhängnis werden. Besonders Schwellenmärkte hätten sich viel Geld geliehen, dem „Global Economic Outlook“ zufolge müssten sie bis Ende des Jahres 2018 1,7 Billionen US-Dollar refinanzieren oder zurück zahlen.

Schwächelnde Produktivität

Das größte langfristige Risiko sehen die Experten des Global Business Policy Council im ihrer Ansicht nach unzureichenden Produktivitätswachstum. Während die Wachstumsrate in den Jahren vor der Finanzkrise 2,7 Prozent betragen habe, seien es in den letzten fünf Jahren lediglich 0,7 Prozent gewesen. Trotz guter Gesamtprognosen für die Weltwirtschaft wird das Wachstum der Produktivität den Experten zufolge bis 2022 bei 1,2 Prozent liegen.

Wie kann man gegensteuern?

Um der schwächelnden Produktivität entgegenzuwirken, müssten Unternehmen nach Ansicht der Experten verstärkt in Investitionsgüter, Mitarbeiterschulungen, sowie Forschung und Entwicklung investieren. Generell müssten die Ausgaben für die Verkehrsinfrastruktur und den Breitbandausbau sowie für Aus- und Weiterbildung steigen. Zudem müssten mehr Anreize für Unternehmen geschaffen werden, ihre Geschäftsmodelle zu verbessern und neue Technologien für ihre Produktion zu nutzen. Als Motor für Produktivität sehen die Experten zudem den einheitlichen Ausbau globaler Wertschöpfungsketten. Einheitliche globale Handelssysteme würden die Verbreitung neuer Technologien beschleunigen und  somit den Wettbewerb stimulieren.