„Suisse Secrets“ Geldwäsche, Greensill, Archegos: Die Skandale der Credit Suisse

Die Credit Suisse in Zürich
© IMAGO / Geisser
Die Schweizer Bank Credit Suisse soll Kriminelle, korrupte Beamte und umstrittene Staatschefs mit Bankkonten versorgt haben. Es ist nicht der erste Skandal. Schon in den Vergangenheit ist die Bank ins Visier der Behörden geraten

Eigentlich sind die Regeln für Schweizer Banken ziemlich klar: Nach geltendem Recht dürfen sie keine Gelder aus möglichen kriminellen Geschäften verwahren, jeden Verdacht müssen sie melden. Um Korruption zu verhindern, sind sie außerdem verpflichtet, die Herkunft von Geldern ausländischer Kunden zu prüfen, was auch für ausländische Politikerinnen und Politiker samt deren Familien gilt. Doch bei der Credit Suisse hat man diese Vorschriften scheinbar nicht immer so genau genommen.

Wie Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung nahelegen, hat das Geldhaus jahrelang Kriminelle, Autokraten und korrupte Beamte als Kunden akzeptiert. Für die Credit Suisse ist es nicht das erste Mal, dass sie ins Visier von Behörden und Ermittlern gerät. In den vergangenen Monaten jagte ein Skandal den nächsten. Ein Überblick:

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„Suisse Secrets“

Zwischen den 1940er Jahren und dem vergangenen Jahrzehnt soll die Bank Konten für viele fragwürdige Kunden geführt haben. Der Datensatz, den der Rechercheverbund jetzt ausgewertet hat, umfasst weltweit mehr als 30.000 Kunden. Darunter sind mehrere pikante Namen:

Einer davon ist demnach der König von Jordanien, Abdullah II. Mehrfach hatte ihm sein Bruder Korruption vorgeworfen. Wie NDR, WDR und SZ berichten, sollen zeitweise bis zu 230 Mio. Schweizer Franken auf einem Konto gelegen haben. Eines soll offenbar immer noch aktiv sein. Sein Anwalt bestätigte die Konten, sagte allerdings, dass das Vermögen weder aus dem jordanischen Staatshaushalt stamme noch aus korrupten Geschäften.

Ebenfalls in den Daten tauchen mehrere Familienmitglieder von Kasachstans Ex-Präsident Nursultan Nasarbajew auf; außerdem der ehemalige Vize-Energieminister von Venezuela, Nervis Villalobos. Gemeinsam mit anderen soll er im Schmiergeldskandal um den staatlichen Ölkonzern PDVSA die Strippen gezogen haben.

Mit Bezug auf Deutschland ist der Datensatz eines früheren Siemens-Managers interessant. Dieser hat demnach zeitweise sechs Konten bei der Schweizer Bank gehabt. Auf einem soll ein Vermögen von mehr als 54 Mio. Schweizer Franken gelegen haben, was sich mit seinem Siemens-Gehalt nicht erklären lässt. Auf Nachfrage des Rechercheverbunds stritt der Ex-Manager ein Fehlverhalten ab, erklärte aber nicht, woher die Millionen stammen.

Die Credit Suisse selbst weist die Vorwürfe zurück: „Die Darstellung (...) basiert auf unvollständigen, ungenauen oder selektiven Informationen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden, was zu tendenziösen Interpretationen des Geschäftsgebarens der Bank führt“, so das Kreditinstitut. 90 Prozent der angeführten Konten seien bereits geschlossen worden. „Wir werden die Angelegenheit weiter analysieren und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten“, hieß es weiter.

Geldwäsche für die Mafia?

Seit Anfang Februar muss sich die Credit Suisse vor dem eidgenössischen Schweizer Bundesgericht verantworten. Die Credit Suisse soll dem verurteilten bulgarischen Drogenboss Evelin Banev dabei geholfen haben, 146 Mio. Franken Drogengeld zu waschen. Wie das Handelsblatt berichtete, soll eine ehemalige Kundenberaterin große Summen in bar angenommen und Banev dabei geholfen haben, die illegale Herkunft des Geldes zu verschleiern.

Die Bank hat es in der Folge laut Neuer Züricher Zeitung versäumt, Konten rechtzeitig zu sperren, so dass die bulgarische Mafia 35 Mio. Franken in Sicherheit bringen konnte. Die Credit Suisse weist alle Vorwürfe zurück.

Thunfisch-Deal für 475 Mio. Dollar

Im Oktober 2021 stimmte die Credit Suisse Group einem Bußgeld von fast 475 Mio. Dollar zu, um mehrere Untersuchungen über ihre Rolle in einem Finanzskandal in Mosambik beizulegen. Die Einigung war der vorläufige Abschluss einer mehrjährigen internationalen Affäre, die sich aus Schuldgeschäften in Höhe von 2 Mrd. Dollar entsponnen hat. Diese Summe sollte der Finanzierung einer neuen Küstenwacht und dem Aufbau einer Thunfischfangflotte in Mosambik dienen, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Drei Banker der Schweizer Bank haben in der Angelegenheit gestanden. 

Die Einheit Credit Suisse Securities Europe Ltd. bekannte sich bei der Anhörung vor dem amerikanischen Bundesgericht in Brooklyn in einem Fall der Verschwörung zum Betrug für schuldig. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat die Bank Investoren getäuscht, indem sie Informationen über die Verwendung der Erlöse aus drei Anleiheemissionen zwischen 2013 und 2016 verschwieg. Banker der Credit Suisse erhielten 50 Mio. Dollar an Schmiergeldern, die vor Mitgliedern der Geschäftsleitung verborgen wurden. Dies sei Teil von mindestens 200 Mio. Dollar an „unzulässigen Zahlungen“ und Bestechungsgeldern gewesen.

Greensill-Pleite bringt Milliardenverlust

Vor knapp einem Jahr war es die drohende Greensill-Pleite, die die Credit Suisse in die Schlagzeilen brachte. Im März hatte sie einen gemeinsam mit Greensill Capital aufgelegten Fonds zur Lieferkettenfinanzierung eingefrorern. Für die so genannten Supply Chain-Fonds hatte Credit Suisse Asset Management nach Capital-Recherchen erhebliche Beträge eingesammelt. Am 25. Februar 2021 waren 10,1 Mrd. Dollar in vier Produkten investiert, die „Greensill-backed paper“ enthielten.

In die vier Fonds waren den Angaben zufolge mehr als 1000 Anleger investiert, alle seien „professionelle/institutionelle“ Investoren gewesen. Nachdem Greensill pleitegegangen war, wollte die Credit Suisse laut der Nachrichtenagentur Bloomberg die Verluste auf die Fondsanleger abwälzen. Mehrere Bankangestellte mussten mittlerweile ihren Hut nehmen, einigen Mitarbeitenden kürzte die Credit Suisse als Konsequenz aus dem Debakel die Gehälter. Unterm Strich bleibt der Bank laut Neuer Züricher Zeitung ein Verlust von geschätzt 3 Mrd. Dollar.

Archegos-Affäre

Kaum einen Monat nach dem Greensill-Skandal schlug die Archegos-Affäre Wellen. Der Gründer des Familiy Office Archegos Capital Bill Hwang hatte Fremdkapital von Credit Suisse und anderer Banken dazu genutzt, mit einem Hebel auf US-Medienaktien und chinesische Tech-Werte zu spekulieren. Als die Institute zusätzliche Sicherheitsleistungen verlangten und Hwang nicht lieferte, warfen sie ihre bisherigen Sicherheiten, milliardenschwere Aktienpakete, auf den Markt.

Der Credit Suisse entstand ein Verlust von 4,4 Mrd. Schweizer Franken. Besonders das Risikomanagement der Bank stand daraufhin in der Kritik. Mit Risiko-Chefin Lara Warner und Investmentbank-Chef Brian Chin flogen in der Folge zwei führende Kräfte bei der Credit Suisse raus.


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